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Heute ist der: 10.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

?Mit einer Knarre rumrennen und
sich abseilen und so, das ist ja auch cool.?

Gespräch mit Florian Baxmeyer

Bild: NDR/ George Pauly

Der Hamburger TATORT hat seit dem letzten Jahr einen neuen Ermittler. Was schätzen Sie an dem neuen Team Batu/Kohnau?

Ich habe es als Herausforderung empfunden, weil diese Konstellation so ganz untypisch für einen TATORT ist. Durch das Konzept des Verdeckten Ermittlers entsteht eine ganz andere Erzählweise, und in diesem Fall ist der Film eher wie ein Thriller aufgebaut als ein Krimi. Der klassische TATORT fängt mit einem Mord an, aber diese Geschichte verläuft ganz anders. Es hat mich sehr gereizt, das in dem TATORT-Format zu machen.

Und wie haben Sie die Darsteller bei den Dreharbeiten erlebt?

 Ich kannte Mehmet Kurtulus und Peter Jordan natürlich aus Filmen und von der Bühne, aber noch nicht aus der direkten Zusammenarbeit, und ich fand es äußerst angenehm, mit ihnen zu arbeiten. Das war toll, eine gute Zeit. Es war insgesamt nicht einfach, diesen Film zu realisieren, weil wir so spät im Jahr gedreht haben und es so früh dunkel wurde in Hamburg, aber mit den beiden hat es wirklich wunderbar geklappt.

Bild: NDR/ George Pauly

 Sind Sie generell ein Regisseur, der gern mit Schauspielern arbeitet, sich viel anbieten lässt, oder haben Sie schon vorab sehr klare Vorstellungen davon, was Sie sehen wollen?

Das hängt immer ein bisschen von der Geschichte ab. Dies hier ist eine, in der es um eine tickende Zeitbombe und um Tempo geht, darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen, quer durch Hamburg. Dabei muss man zügigund pragmatisch entscheiden können, wie man was wo macht, und das lege ich dann vorher schon fest. Aber bei emotionalen Szenen oder längeren Dialogszenen und richtigen Spielszenen lasse ich mir sehr gern Dinge anbieten und gucke mir an, wie der Schauspieler das angeht.

?Häuserkampf? erzählt von illegalen Geschäften innerhalb des SEK, aber auch von Nachwirkungen des Kosovokriegs. Was macht für Sie den Reiz dieser Geschichte aus?

Das Drehbuch hat mich bei der Lektüre gleich gefesselt. Es gibt da zuerst diesen Fall im SEK, der die Einschleusung eines VE notwendig macht. Dann entwickelt sich jedoch eine sehr rätselhafte, fast mystische Rachegeschichte, die sich erst nach und nach entschlüsselt und bis in den Kosovokrieg zurückgeht. Die Verstrickung dieser beiden Fälle fand ich interessant und toll geschrieben.

Bild: NDR/ George Pauly

Es wird viel moderne Kommunikationstechnik eingesetzt. Videohandys spielen eine wichtige Rolle, beim SEK-Einsatz macht eine Art Endoskop unbemerkt Bilder aus dem Dachrestaurant verfügbar ?

 Ich persönlich bin gar nicht so technikaffin und gehöre nicht zu denen, die jede Neuerung gleich haben wollen, wenn sie auf den Markt kommt. Bei dieser Geschichte ? und gerade in der ganzen Kidnapping-Sequenz in dem Restaurant ? fand ich den Einsatz der Technik aber sehr spannend, weil man alles aus allen Perspektiven sieht. Man sieht das Geschehen aus der Sicht der SEK-Scharfschützen und aus der Perspektive des Kidnappers Didic, aus dem Luftschacht verfolgt es Cenk Batu und unten in der Tiefgarage sieht der Leiter des SEK es auf seinem Monitor. Alles ist aus allen Perspektiven sichtbar. Das ist auch filmisch sehr spannend, weil man ständig alle Perspektiven schneiden und über die Monitore, auf denen das Realbild abgebildet wird, auf das Realbild selbst zurückgehen kann. Das erfordert natürlich ein sehr gutes Timing und ist logistisch sehr aufwändig.

Bild: NDR/ George Pauly

SEK-Einsätze haben für den Fernsehzuschauer immer etwas von der Invasion der Außerirdischen, weil schwere Waffen, Sturmmasken, Helme etc. zur Ausrüstung gehören, die die Akteure unkenntlich machen. Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen mit den SEK-Experten.

 Ich habe bei einem anderen Film schon mal einen ? allerdings sehr viel kleineren ? SEK-Einsatz gedreht. Und dort hatte ich denselben Fachberater, mit dem ich mich viel unterhalten habe. Er war u. a. in Berlin-Zehlendorf bei dem berühmten Bankraub im Einsatz, bei dem ein Tunnel gegraben wurde. Das ist ein gefährlicher Job. Insofern kann man nachvollziehen, dass die Männer sich über eine dicke Rüstung freuen. Die sieht natürlich martialisch aus, aber teilweise haben wir auch lustige Szenen erlebt, weil die Leute in dem Hotel, in dem wir gedreht haben, in dieser Montur zum Mittagessen gingen und durch die Lobby, in der sich auch normale Hotelgäste aufhielten ?

Bild: NDR/ George Pauly

Waren diese SEK-Szenen für die Darsteller sehr strapaziös?

Ach was, es macht ja auch Spaß, sich mal so eine Uniform anzuziehen. Mit einer Knarre rumrennen und sich abseilen und so, das ist ja auch cool. Mehmet Kurtulus hat sich nicht ein einziges Mal beschwert oder irgendeine Allüre gezeigt. In dem Luftschacht war es schon anstrengend für ihn, weil die Kommunikation da drin schwierig war. Wir haben den Schacht im Studio nachgebaut, und man musste sich immer vorstellen, was in dem Moment unten im Restaurant alles passiert.

Sonst wurde aber an Originalschauplätzen gedreht? Schließlich wird ja auch die Stadt Hamburg wieder in Szene gesetzt ?

 Ja, klar! Wir haben vom ersten Batu-Film dieses sehr moderne, urbane Hamburgbild übernommen. Das heißt, wir sind viel auf moderne Architektur gegangen, und auf diesem Gebiet hat Hamburg viel zu bieten. Unter anderem die spektakuläre Hotelbar, die aber auch sehr wetterabhängig ist! Wir mussten einmal den Dreh abbrechen, weil es angefangen hatte zu schneien und man nichts mehr sah. Aber wenn wir morgens um fünf dort oben angefangen haben und dann die Sonne über der Stadt aufging ? das habe ich schon sehr schön in Erinnerung. 

NDR-Pressemappe



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