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Heute ist der: 13.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

?Ich glaube nicht dran,
aber der Film glaubt schon ein bissl dran!?

Ihre ersten Regie-Arbeiten waren Musik-Clips, nun haben Sie den BR-TATORT ?Gesang der toten Dinge? gedreht. Ist der TATORT besonders musikalisch geworden?

(Lacht), Na, es wird gesungen, so gesehen ist er vielleicht musikalisch, aber in erster Linie ist ?Gesang der toten Dinge? eine Mischung aus Märchen und Krimi und er hat Ansätze einer Komödie.

Thomas Roth, der Regisseur des TATORTs. Bild: BR/ Bavaria Film/ Stephen Power

Sie haben schon österreichische TATORT-Folgen gedreht. Ist der Unterschied zum deutschen TATORT groß?

 

In Österreich gibt es im Moment nur einen Hauptermittler. Hier, beim bayerischenTATORT, sind es zwei, die gleichberechtigt auftreten, das ist ein Unterschied. Und der Kriminalfall steht bei den Österreichern manchmal ein bisschen mehr im Mittelpunkt als hier bei diesem Stoff. Mir gefällt, dass die komödiantische Begabung von Udo und Miro in dieser Folge sehr gut zur Geltung kommt. Die beiden haben vor und hinter der Kamera viel komisches Potenzial?

 Raymond Chandler hat mal geschrieben: Da jeder guter Kriminalroman öfters gelesen wird, muss die Leser noch etwas anderes fesseln als nur das Puzzle, das es zusammenzusetzen gilt. Teilen Sie die Meinung?

 Ja, ich finde das Atmosphärische viel spannender als die völlig realistische Darstellung der kriminalistischen Ermittlungen! Man muss sich nicht am Schluss fragen, welcher Fingerabdruck von wem irgendwo zurückgeblieben ist, damit ein Täter vollends schlüssig überführt werden konnte. - Da kommt man sich ja vor wie in der Mathematikstunde in der Schule. Es hat mich gereizt, dass es hier beim BR die Möglichkeit gab, etwas zu machen, was sich von diesen öden Ermittlerkrimis zumindest ein wenig entfernt. Es gibt doch nichts Langweiligeres als einen Verhörraum und ein Polizeipräsidium, weshalb diese in unserem Film zum Glück auch kaum bespielt werden ? eigentlich gehören sie aus den Krimis gänzlich verbannt.

Regisseur Thomas Roth am Set mit den beiden Hauptdarstellerin Miro Nemec und Udo Wachtveitl. Bild: BR/ Bavaria Film/ Stephen Power

 Wie kam denn die Zusammenarbeit zustande. Kam eines Tages ein Anruf von der Redakteurin Silvia Koller?

Das lief über meine Agentin. Frau Koller ist ja eine Frau mit Prinzipien und sie hat eine konkrete Vorstellung davon, in welche Richtung der von ihr entwickelte TATORT gehen soll. Gleichzeitig lässt sie einem aber große Freiräume. Das ist wohltuend, wenn man mit einem Redakteur zu tun hat, der Ahnung hat von dem was geschieht. Das wird ja immer seltener.

Sabine Timoteo ist eine der spannendsten deutschsprachigen Schauspielerinnen, aber selten zu sehen. Wie kamen Sie auf sie?

 Im Buch ist die Figur eine bayerische Ermittlerin, ich fand es aber spannend daraus eine Figur zu machen, die schwyzerdütsch spricht, und Sabine Timoteo kommt aus der Schweiz. Ich glaube, dass die Figur durch diese Besetzung sehr unterhaltsam geworden ist. Und da war Silvia Koller erneut sehr offen und schnell dafür zu gewinnen, obwohl das kein kleiner Schritt für alle Beteiligten war, zu den eingeführten Ermittlern Udo und Miro eine Beamtin aus der Schweiz zureisen zu lassen.

Irm Hermann als Gärtnerin, Seherin und Hundehalterin Fefi - Bild: BR/ Bavaria Film/ Stephen Power

Auch Irm Hermann ist fern jeden Klischees besetzt!

 So wie das geschrieben war, war es eher für eine bayerische Darstellerin vorgesehen, sehr mundartlich, aber ich wollte nicht, dass aus dem Stoff - übertrieben gesagt - ein Bauerntheater wird mit der lustigen zahnlosen Kräuterhexe und dem netten Wauwau an ihrer Seite, dafür nehme ich das Leben auch zu ernst (lacht)?. Irm Hermann hat einen doppelten Blick und eine zweite Persönlichkeit in sich und sie kann genauso gut hysterisch wie zurückhaltend und verrückt wie realistisch und intelligent wirken. Ich wollte, dass sie eine Doppelbödigkeit darstellt, aus der sich für mich auch der Suspense - die Spannung - ergibt.

 Ihre spannende Besetzung geht weiter?André Eisermann - auch lange nicht gesehen und Bernd Stegemann, der sehr umtriebig ist, den erkennt man kaum wieder?

 Eisermann ist hervorragend! Ein Schauspieler, der wenn er will, zwei Seelen oder Charaktere in sich verbirgt, das finde ich sehr spannend. Man weiß nicht genau wie man dran ist. Und das gefällt mir. ?Und Bernd Stegemann ? ich mag sein phantastisches Gesicht und seinen Humor. Man muss sich ja bemühen, dass man ihn überhaupt halbwegs ernst hinkriegt. ? Sehr amüsant!

Am Set von "Gesang der toten Dinge" im Münchner Nymphenburgpark. Bild: BR/ Bavaria Film/ Stephen Power

Glauben Sie eigentlich an diese Zwischenwelten, an ?das zweite Gesicht? und all diese Dinge?

 Für mich ist der Film kein Statement zur Frage ?Gibt es das, oder nicht??. Ich habe versucht ein modernes Märchen zu erzählen und mit den Zauberwelten zu spielen. Ich habe übrigens in einer nicht sehr subtilen Passage eine leichte Anlehnung an den ?Sommernachtstraum? vorgenommen. Der gebildete Zuseher wird es wahrscheinlich erkennen, dem nicht Gebildeten wird?s hoffentlich wurscht sein. Also - ich glaube nicht an diese Dinge, aber der Film glaubt schon ein bissel dran?(lacht)?ist eben ein unterhaltsames Märchen.  

BR-Pressemappe



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