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Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Mord mit Knöpfchen

Im Schwimmbad des Elite-Internats "Schloss Hamberg" wird die Leiche eines Schülers gefunden. Was anfangs wie Selbstmord aussieht, war jedoch ein beinahe perfekter Mord. Ein Wäscheknopf im Filtersystem des Schwimmbeckens sowie der dazugehörende Bettbezug liefern Klara Blum und Kai Perlmann den entscheidenden Hinweis.

Schüler Stefan wurde tot aus dem Schwimmbecken des Internats geborgen, Bild: SWR/ Schweigert
Die Kaltblütigkeit mit der das Opfer wie eine Katze im Sack ertränkt wurde, veranlasst die Ermittler dazu, niemanden in der Schule merken zu lassen, dass sie in einem außergewöhnlich grausamen Gewaltverbrechen ermitteln. Doch trotz der zurückhaltenden Arbeitsweise der Kommissare merken die verdächtigen Schüler schon bald, dass ihr Mord aufzufliegen droht. Eine Mitwisserin verliert schließlich die Nerven und begibt sich dadurch in große Gefahr. Ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt.

In diesem TATORT wird auf das klassische "Whodunit"-Schema verzichtet, und die Fernsehzuschauer werden früh Augenzeugen des brutalen Mordes. Obwohl die Frage nach dem Täter sich somit erübrigt, bleibt dieser Krimi hochspannend. Es ist die gekonnt inszenierte Atmosphäre, das blanke Entsetzen, die Skrupellosigkeit der Schüler und vielleicht auch die Lust am Voyeurismus, die den Zuschauer so sehr fasziniert und in den Bann dieses Fernsehkrimis zieht. Spannend bis zum Ende bleiben auch die Ermittlungen der beiden Kommissare - schließlich haben sie ja einen beinahe perfekten Mord aufzuklären. Dass man als Zuschauer gegenüber Kai und Klara stets einen kleinen Wissensvorsprung besitzt, hat dabei natürlich seinen ganz besonderen Reiz.

Gestatten: Elite!

Das Milieu einer Elite-Schule hat die Drehbuchautorin Dorothee Schön ganz bewusst gewählt, um auch diesen Teil der gesellschaftlichen Realität einmal in einem TATORT abzubilden. Schön interessiert vor allem die sogenannte "Wohlstandsverwahrlosung" innerhalb der Lebenswelt von Jugendlichen, die in ihrem Leben noch nie auf materielle Dinge verzichten mussten.

Einen Einblick in die Lebenswelt der Schüler des Internats beziehungsweise der "Elite" gibt dieser TATORT allerdings nur bedingt. Am ehesten kann der Zuschauer noch die Probleme und Sorgen des Mordopfers erahnen. Die Äußerungen seiner Eltern lassen darauf schließen, dass das Promisöhnchen neben dem "normalen" Liebeskummer eines Teenagers noch mit ganz anderen Belastungen fertig werden musste. Im erbitterten Scheidungskampf seiner Eltern wurde er instrumentalisiert und schonungslos den Pressekameras ausgeliefert. Seinen Vater sah Stephan höchstens in den Ferien, und selbst in dieser knapp bemessenen Zeit hatten wichtige Finanzgeschäfte stets Vorrang.

Olga hat Angst, dass ihre Verstrickung mit dem Tod ihres Mitschülers herauskommt. Bild: SWR/Hollenbach
Ebenso klischeehaft angehaucht sind auch die Schicksale von Max, dessen wohlhabenden Eltern ihn finanziell unnötig knapp halten und Olga, die als Milliardärstochter zwar Geld im Überfluss, jedoch keine Freunde besitzt. Bedauerlicherweise wird keines der Vorurteile gegenüber der "Cashmere-Bubis und -Barbies" kommentiert, geschweige denn anhand eines tiefgründigen Charakters illustriert oder widerlegt.

Sie dealen und morden

Aber unter den Reichen und Schönen gibt es ja schließlich noch die obligatorischen Stipendiaten, die es geschafft haben, in die "geschlossene Gesellschaft" einzudringen. Bedauerlicherweise hat die Drehbuchautorin auch an dieser Stelle nicht an stereotyper Darstellung gespart. Daher sind sowohl der Drogendealer als auch die aalglatte, skrupellose und kaltblütige Mörderin Viktoria unter den "Emporkömmlingen" zu suchen.

Viktoria ist an Boshaftigkeit kaum zu überbieten: eiskalt plant sie den Mord, macht Olga zur Mitwisserin und verrät ihren Freund, als ihre eigene Schuld längst schon außer Frage steht. Getrieben von Sozialneid und Ambition möchte sie um jeden Preis den sozialen Aufstieg schaffen und geht dabei gewissenlos über Leichen - Reue kann sie dabei nicht empfinden.

Was will uns die Autorin damit sagen?

Olga geht mit ihrem Kummer und ihrer Angst Viktoria geradezu auf die Nerven, Bild: SWR/ Hollenbach
Gerne möchte man an dieser Stelle die Frage der Drehbuchautorin - was die sogenannte "Wohlstandsverwahrlosung" eigentlich über unsere Gesellschaft aussagt - aufgreifen. Die Antworten, die uns diese TATORT-Folge liefert, sind allerdings erschreckend. Denn demnach sind keinesfalls die tugendhaften "Eliten" vom Verfall der Werte betroffen, sondern es sind die "Emporkömmlinge", die - von Neid und Ehrgeiz getrieben - längst über Leichen gehen. Sozialer Aufstieg schafft Verbrechen - ist das die Aussage, welche die Drehbuchautorin mit dieser TATORT-Folge treffen wollte?

Katharina Gamer


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