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Heute ist der: 25.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Die Autorinnen wagen sich weit vor auf tabuisiertes Gelände"

Lars L. von der Gönna findet den TATORT unbequem:

Dieser TATORT, der seinen Titel einem festen Begriff aus der Familientherapie verdankt, ist unbequem. Er spielt am Ende keineswegs einen Trumpf aus, der die Migranten allein als Opfer zeigt. Er ist klar und kritisch in seiner Haltung gegenüber den Rollenverteilungen, die der Islam vorgibt. Er ist in seinen (präzise recherchierten) Milieustudien nah an allen Beteiligten, aber versöhnlich ist er nicht. In Mark Schlichters Regie und Nathalie Wiedemanns Kamera gehen irritierte Distanz und versuchte Annäherung an eine andere Kultur inmitten der unseren eine bannende Allianz ein.

Alice Bachmann hält "Familienaufstellung" für eine der besten TATORT-Folgen made in Bremen:

Abgesehen von Paul (Lürsens Hund, Anm. Red.) wartet "Familienaufstellung" mit noch viel mehr äußerst gelungenen Elementen auf - es handelt sich hier um eine der besten TATORT-Folgen made in Bremen. Zu nennen ist zunächst neben Postel und Mommsen die erstklassige Besetzung, die äußerst überzeugend eine türkische Familie präsentiert, obwohl Erol Sander der einzige türkische Schauspieler in tragender Rolle - er gibt das Oberhaupt des Clans - ist. (...)

Es wurde für Kostüme und Bräuche gründlich recherchiert und die Ausstattung der Räume und Personen sorgfältig gewählt. Hinzu kommt eine klasse Kameraführung, die das Hin- und Zugucken zum Vergnügen macht. Ebenfalls mit Sorgfalt haben die beiden Drehbuchautorinnen Thea Dorn und Seyan Ates die Thematik behandelt: Keine der Hauptfiguren, von denen es erfrischend viele gibt, bleibt eindimensional klischeehaft. Und auch ein Ansatz von kritischem Dialog der Kulturen ist zu erleben.

Reinhard Kleber und Dirk Schmaler finden den TATORT "Familienaufstellung" spannend inszeniert:

Vor allem über die türkischen Hochzeitsbräuche erfährt man - Seyran Ates sei Dank - für einen TATORT ungewöhnlich viel.

Die Filmemacher legen in der durchaus spannenden Inszenierung großen Wert darauf, möglichen Kritikern aus konservativen türkischen Interessenverbänden keine billige Munition zu liefern. So wurde der Mordfall in einer vermögenden Familie angesiedelt, um deutlich zu machen, dass der religiös-kulturelle Dogmatismus nicht bloß ein Problem der unteren sozialen Schichten ist. Regisseur Mark Schlichter stellt sich trotzdem schon auf kontroverse Debatten nach der Ausstrahlung ein.

TV Movie findet den TATORT "Familienaufstellung" realitätsnah:

Realitätsnah, kritisch und trotzdem einfühlsam - die tragische Geschichte verzichtet auf einfache Lösungen.

Über einen Krimi, weit vorne auf tabuisiertem Gelände, schreibt Frank Kober:

Die Autorinnen Thea Dorn und Seyran Ates wagen sich mit ihrem Krimi weit vor auf tabuisiertes Gelände. Sorgt ihre klug recherchierte und auf realen Tatsachen beruhende Geschichte doch sicher für Aufregung in allen Lagern. Und wenn Regisseur Mark Schlichter den Stoff so behutsam wie möglich in Szene gesetzt hat, dann sicher, um in diesem heiklen Fall nicht unnötig Porzellan zu zerdeppern. Authentisches Milieu und kraftvolle Figuren, die er in ihrer Religiösität keineswegs diffamiert - das ist sein Rezept, der Gewalt und den Tragödien in einer türkischen Familie filmisch beizukommen.

Auch wenn dieser TATORT dadurch ein wenig holpert, auch wenn Sabine Postel und Oliver Mommsen sich mit sichtlichem Unbehagen durch das politisch verminte Terrain bewegen, dieser Krimi knistert nur so vor Spannung. Und belehrt uns darüber, dass etwas furchtbar schief läuft mit der Integration in diesem Land.

"Die Trägheit der Dialoge ermüdet den Zuschauer zusehends", meint Josef Girshovich:

So spannend die Story da auch sein mag - aber die Trägheit der Dialoge ermüdet den Zuschauer zusehends. Ähnlich traurig, aber das kennt man in letzter Zeit auch aus anderen TATORTen, ist es um die so genannten Nebenhandlungen bestellt. Der Bremer TATORT macht sich nicht einmal mehr die Mühe, das zu kaschieren: Die unsinnige Geschichte mit dem Hund, auf den Hauptkommissarin Liersen aufpassen soll, hat aber auch gar nichts mit dem Mord an der Türkin zu tun. (...)

Was bleibt, ist ein fader Nachgeschmack. Dorn und Ates geben sich Mühe, die Krise junger Frauen mit Migrationshintergrund zu erfassen. Dabei geht es um mehr als bloße Kritik an traditioneller Lebensweise, an Zwangsehen, an unterwürfigen Frauen. Diesmal wird der Islam als solcher angegriffen. Schaut her, will uns "Familienaufstellung" zeigen, es ist die Ideologie des Islam, die selbst junge Frauen in den Abgrund treiben kann.

Ferda Ataman und Markus Ehrenberg halten "Familienaufstellung" für einen guten und düsteren Whodunit-Krimi:

"Familienaufstellung" ist unter der Regie von Mark Schlichter und der Feder von Thea Dorn ein guter, düsterer Whodun it-Krimi, der es vermeidet, dem Thema Ehrenmord allzu wohlfeil beizukommen. Der - oft vermisste - Auftrag der TATORT-Väter, einem Millionenpublikum gesellschaftliche relevante Themen unterhaltsam zu präsentieren, wird allemal erfüllt.

Christian Buss vermisst in "Familienaufstellung" echte Figuren, denen man ins exemplarisch ausgeleuchtete Milieu folgen möchte:

Zum vierten Mal innerhalb weniger Monate geht es in einem TATORT um Zwangsehe und Ehrenmord. Doch die beiden Autorinnen Thea Dorn und Seyran Ates (...) drehen das Thema noch mal weiter und führen die Problematik in Gesellschaftskreise, die als integriert gelten. An Explizität und Brisanz ist "Familienaufstellung" deshalb nicht zu überbieten.

Was allerdings fehlt, sind echte Figuren, denen man mit Ermittlerin Inga Lürsen (Sabine Postel) ins exemplarisch ausgeleuchtete Milieu folgen möchte. So bleibt am Ende das Gefühl zurück, es solle eben doch nur jene These vermittelt werden, die im Film stellvertretend für Autorin Ates eine kämpferische Rechtsanwältin aufsagt: "Man kann seine Tochter auch unter einem Designerkopftuch zwangsverheiraten."

Tilmann P. Gangloff gefällt vor allem die Besetzung im TATORT "Familienaufstellung":

Dorn und Ates gestalten die Geschichte ungeheuer komplex; schon allein die vielen Mitglieder der türkischen Familie sind faszinierende Figuren, die zudem ausnahmslos ausgezeichnet verkörpert werden. (...) Gerade Erol Sander, ansonsten fast ausnahmslos in Degeto-Schnulzen als feuriger Liebhaber besetzt, spielt den türkischen Familienvater ganz vorzüglich. Trotzdem lebt der Film in erster Linie vom aufeinander prallen der Kulturen. Entsprechend deplatziert ist ein als Comedy-Einlage gedachter Seitenstrang mit dem Hund der Kommissarin, der allerlei Unfug macht.

Zusammenstellung: Tobias Berger



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