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Familienaufstellung

"Ebenso wie die Anwältin im TATORT kann ich manchmal verzweifeln"

Interview mit Anwältin und Autorin Seyran Ates

Frau Ates, Sie haben die Autorin Thea Dorn beim Schreiben des Drehbuchs vom TATORT "Familienaufstellung" unterstützt. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Beim Mittagsgebet trauert Arzu um ihre ermordete große Schwester, Bild: Radio Bremen
Ich kenne Frau Dorn schon einige Jahre. Wir haben immer wieder auch über Themen, wie z.B. Ehrenmord, gesprochen. Sie wusste also, dass ich zu diesem Thema arbeite. So kam es, dass Sie mich gefragt hat, ob ich mir solch ein gemeinsames Projekt vorstellen kann.

Wie sah Ihre Hilfe konkret aus?

Angefangen haben wir damit, dass wir viele Gespräche zu dem Thema geführt haben und ich Frau Dorn einen Einblick in die "türkisch-kurdische Szene/Parallelwelt" ermöglicht habe. Wir haben gemeinsam viele Orte besucht, an denen Frau Dorn sich ein eigenes Bild vom Leben der "Türken und Kurden" in Berlin verschaffen konnte.

In "Familienaufstellung" gibt es eine Anwältin, die das Mordopfer bei dessen Suche nach familiärer Unabhängigkeit unterstützte. Der Familie ist die Anwältin ein Dorn im Auge. Gibt es in dieser Figur Parallelen zu Ihnen, der Anwältin Seyran Ates?

Ja, es gibt ganz sicher eine Parallele. Gerade aus meiner Arbeit als Anwältin für Familien- und Strafrecht habe ich einen Einblick in die sehr komplizierte Lebenswelt der in Deutschland lebenden "Türken und Kurden", wenn Sie so wollen auch "Muslime". Ich war und bin ebenso wie die Anwältin im TATORT immer wieder mit Menschen konfrontiert, denen ich ein Dorn im Auge bin ? und zwar auf beiden Seiten. Ich habe Feinde und Freunde sowohl bei den Deutschen als auch bei den Türken und Kurden. Und ebenso wie die Anwältin im TATORT kann ich manchmal verzweifeln über die Blindheit, Ignoranz der deutschen Gerichte und Gesellschaft.

Was haben die Brüder des Opfers zu verbergen? Bild: Radio Bremen
Das Thema von "Familienaufstellung" ist brisant. Rechnen Sie mit Kontroversen vor oder nach der Ausstrahlung?

Ich rechne damit, dass die Gutmenschen sagen werden, dass ist alles übertrieben, da werden die Muslime wieder schlecht gemacht und unter Generalverdacht gestellt, worin sie von den konservativen Muslimen, Türken und Kurden unterstützt werden. Und allesamt werden wieder fragen, warum müsst ihr immer nur die negativen Seiten zeigen? Also, die übliche Kritik, der übliche Reflex. Wir werden wahrscheinlich für eine Weile in türkischen Zeitungen Erwähnung finden, als diejenigen, die die Türken schlecht machen.

Wir werden aber auch ganz sicher viel Lob bekommen, dass wir eine Seite des "türkischen" Lebens zeigen, die vielen unbekannt ist. Nämlich, dass auch bei den sogenannten "Gebildeten" noch einiges im Argen ist. Das sage ich aus meinen Erfahrungen aus den vielen Jahren in diesem Bereich. Wir werden sicher auch dafür gelobt werden, dass wir es nicht nur zu einer "Männersache" gemacht haben, sondern die Rolle der Frauen auch mal anders beleuchten.

Frau Ates, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Anna Tollkötter, Radio Bremen


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