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Rabenherz

Akte X mit katholischem Kölschgeschmack

Auf der Geburtenstation eines Kölner Krankenhauses wird der Oberarzt Hermann Johns tot aufgefunden. Der renommierte Mediziner wurde mit einem Betäubungsmittel aus dem Klinikbestand vergiftet. Da das Opfer jedoch bei Klinikpersonal, Kollegen und Patienten gleichermaßen beliebt war, fehlt den Ermittlern jeglicher Hinweis auf ein mögliches Tatmotiv.

Überlastungen gehören bei Krankenschwestern, Pflegern und Ärzten oft zum Berufsbild, gerade bei Kollegen, die im Arbeitsalltag mit Sterbefällen zu tun haben. Das erleben Maria Everbeck und ihr Kollege jeden Tag. Dieser Kollege ist niemand anderes als TATORT-Regisseur Torsten C. Fischer © WDR/ Willi Weber

Verdächtig sind also erst einmal alle Mitarbeiter der Klinik, die Max Ballauf - da er eine Abneigung gegen Krankenhäuser hat - im Präsidium verhört, während Freddy Schenk sich als investigativer Hilfspfleger im Krankenhaus einquartiert. Dort erhält er Einblick in die eigene kleine Welt der Klinik - ein Mikrokosmos, der eigenen seltsamen Gesetzen zu folgen scheint.

Dietmar Bär empfiehlt: Übersinnliches mit schalem Nachgeschmack

Dietmar Bär empfiehlt diesen TATORT unter anderem wegen der grandiosen Schauspielleistung seiner Kollegin Anna Maria Mühe und weil er in ihm ein gutes Beispiel dafür sieht, dass es unter dem TATORT-Label verschiedene Möglichkeiten gibt, Krimis zu erzählen. Anna Maria Mühe spielt die Krankenschwester Maria Everbeck, die in der Onkologie-Abteilung arbeitet. Der gläubigen, zurückgezogen lebenden Katholikin wird vorgeworfen, sie verbringe zu viel Zeit bei den Patienten und nehme sich deren Leid zu sehr zu Herzen. Im Vertrauen erzählt sie Freddy Schenk, dass sie heilende Kräfte besitze und bereits mehreren todkranken Patienten durch bloßes Handauflegen helfen konnte.
Hat der Tod des Oberarztes etwas mit den Todesfällen auf der Geburtstation zu tun, die jüngst für Schlagzeilen sorgten? Das wollen die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk von der leitenden Schwester Monika Scharrer wissen. Bild:WDR/ Willi Weber


Einerseits hat Dietmar Bär Recht: Anna Maria Mühe ist eine wunderbare Schauspielerin. Die Rolle, die das Drehbuch für die beeindruckende Mimin vorsieht, wird dadurch allerdings nicht besser. Das herzensgute Mädchen mit den übersinnlichen Kräften, das die Stimmen der Toten hört, den Wiedergängern nachts auf dem Krankenhausflur begegnet und - als sei es damit nicht genug - auch noch abhebt und über dem Boden schwebt, macht Rabenherz jedoch - und hier sei es erlaubt, Dietmar Bär zu widersprechen - keinesfalls zu einer guten oder originellen Möglichkeit, einen Krimi zu erzählen. Sondern eher zu einer Akte X mit katholischem Kölschgeschmack.

Die Handlung: abgehoben - wie Maria!

Dass sich die Anleihen aus dem Mystery-Genre nicht nur auf die Person der Maria Everbeck beziehen, wirkt besonders unpassend und lässt Rabenherz an einigen Stellen zu einem unglaubwürdigen und schlechten Soft-Horror-Film mit eher billigen Gruseleffekten verkommen.

Bedauerlicherweise sind auch die beiden Kommissare nicht in Höchstform. Ballauf, der sichtlich lädiert unter Magenschmerzen leidet, steigt von Kaffee auf Tee und diverse Medikamente um und zieht sich ins Präsidium zurück. Nicht einmal zu einer Currywurst mit Kölsch am Rheinufer ist er zu gebrauchen.
Ihren Beruf als Krankenschwester nimmt Maria Everbeck sehr ernst. Das Leid der Patienten geht ihr sehr zu Herzen. Ein Grund, warum sie regelmäßig den Krankenhaus-Psychologen August Neumann aufsucht. © WDR/ Willi Weber
Da das gemeinsame Ritual der Kommissare wegfällt, trinkt Freddy sein Bier kurzerhand im Dienst am Schreibtisch oder mit Maria in der Küche des Schwesternwohnheims. Der kollegiale Austausch zum Stand der Ermittlungen wird ersatzlos gestrichen. Die Handlung handelt eher uninspiriert vor sich hin, driftet zu den üblichen Verdächtigen und hebt immer weiter ab - genau wie Maria!

Wie von Zauberhand?

Und während Freddy als Krankenpfleger im Praktikum Einblicke in den Klinkalltag erhält und wir mit ihm die Missstände des bundesdeutschen Gesundheitssystems kennen lernen, wird immer deutlicher, dass Maria doch etwas mit dem Mord an Dr. Johns zu tun haben muss. Zu tiefer greifenden Ermittlungen spornt diese Erkenntnis die beiden Kommissare allerdings nicht an.

Aber schließlich löst sich der dann doch nicht so verwickelte Fall ja beinahe wie von "Zauberhand" auf,..... wenn man nur die Geduld aufbringt 90 Minuten vor dem Fernsehgerät abzusitzen und die eigenen Hände nicht vorher von übernatürlichen Kräften zum Zappen gebracht werden.

Katharina Gamer


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