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Hintergrund zum Film

Welche Farbe hat die Erinnerung?

Von Michael Gutmann (Regie) & Kay Gauditz (Kamera)

Ein älterer Herr, der sich selbst Opa Sirsch nennt, sitzt auf Leitmayrs Bürostuhl und belehrt den jüngeren Kollegen: "Der hat Puff-Geschichte g'schrieben, der Esslinger". - "In Puff-Geschichte bin ich ganz schlecht", erwidert Leitmayr.

Bardame Gina Echsner wurde in ihrer Wohnung brutal ermordet, Bild: BR/TV60/Julia von Vietinghoff
Die Rede ist hier vom Jahr 1965. Alexander Adolphs Drehbuch konfrontiert Leitmayr und Batic mit zwei ungesühnten Morden an jungen Frauen aus dem Rotlichtmilieu. Ungewöhnlich an der Geschichte sind vor allem die fünf verschiedenen Blickwinkel auf die Vergangenheit: Die Kommissare werden mit Zeugen und potenziellen Tätern konfrontiert, deren Erinnerungen an damals höchst subjektiv gefärbt sind.

Weil die Filmerzählung immer wieder zwischen der Jetzt-Zeit und 1965 wechselt, mussten wir für die Zuschauer eine deutliche visuelle Orientierung schaffen. Die Idee, die Vergangenheit in Schwarzweiß zu zeigen, war bereits im Drehbuch vorgegeben, wurde aber durchaus kontrovers diskutiert.

Als klar war, dass wir auch einige alte schwarzweiße Archivaufnahmen (aus der legendären Polizeiserie "Funkstreife ISAR 12" von 1960-63; Regie: Michael Braun) verwenden, fiel die Entscheidung, die Vergangenheit insgesamt in Schwarzweiß zu halten. Wir wollten möglichst nur Stilmittel und Techniken verwenden, die es bereits vor 42 Jahren gab (bis auf die moderne Kamera natürlich), und aus diesem Grund entschieden wir uns auch für ein altes "S/W Negativ"-Filmmaterial.

Damit verbunden war ein höherer Aufwand in der Lichtsetzung und im Szenenbild. Die Rückblenden sollten so erscheinen, als seien sie Teile eines verloren gegangenen Films. Viele Kleinigkeiten sollten die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander verknüpfen, vor allem in den Übergängen von der einen zur anderen Zeitebene. An diesen visuellen und gedanklichen Bezügen arbeiteten wir ausführlich in der Vorbereitung, während der Dreharbeiten und genauso nachher, beim Schnitt (mit Dirk Göhler und seiner Assistentin Marie-Odile Florow).

Leitmayr und Batic beim ehemaligen Polizeipräsidenten, Bild: BR/TV60/Julia von Vietinghoff
Für die Rückblenden brauchten wir junge Schauspieler mit hoher visueller Präsenz. Gleichzeitig musste Lore Blössl vom Casting für die vielen Doppelbesetzungen nach Ähnlichkeiten fahnden - eine mühsame Detektivarbeit.

Die Kostümbildnerin Martina Müller suchte nach alten Schnitten, Stoffen und Schuhen, schließlich sollte im Film keine "Retro-Mode" gezeigt werden.

Ähnlich ging auch Maskenbildnerin Tatjana Krauskopf vor: Ihr Design für das Make Up und die Frisuren halten sich eng an Fotos und Filme aus der Zeit.

Für Jana Karen und ihre Abteilung Szenenbild war schnell klar, dass prägnante, unverfälschte 1960er-Jahre-Architektur in München eine große Seltenheit geworden ist. Einige Sets mussten gebaut werden, vor allem Roys Etablissement "Seven-Club", die Bauernstube auf dem Land und das Polizeirevier, wo der junge Polizist Bernie die hübsche Gina kennenlernt und zu ihr sagt: "Eigentlich braucht ma ja vor der Dings... - vor der Polizei - keine Angst habn".

42 Jahre später stehen die Kommissare Leitmayr und Batic im selben Büroraum und durchforsten verstaubte Akten. Vergangenheit und Gegenwart kreuzen einander immer wieder auf geheimnisvolle Weise in dieser Geschichte. Nach und nach begreifen die Kommissare das unsichtbare Muster, das hinter diesem Netz aus kleinen und großen Bezügen steht...

Kay Gauditz (Kamera) und Michael Gutmann (Regie) / BR-Pressemappe


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