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Weihnacht in den Bergen

Immer, wenn der österreichische TATORT-Autor Felix Mitterer den Wiener Sonderermittler Moritz Eisner nach Tirol bittet, wird's vor allem für deutsche Sehgewohnheiten ein Erlebnis der besonderen Art. Hier in der Abgeschiedenheit der Berge hat's Atmosphären, Befindlichkeiten und Charakterköpfe, wie man sie im Krimi sonst nirgendwo findet.

Wer will Agnes ans Leben? Bild: rbb/ORF/Andreas Fischer
Nach vielen bemerkenswerten Fällen aus Mitterers Feder, unter anderem "Der Teufel vom Berg", "Passion", "Böses Blut", "Tod aus Afrika", wurde nun unter Regisseur Fabian Eder eine Geschichte mit authentischem Hintergrund verfilmt. Der wirklich großartige Winter-TATORT "Granit" ist ein recht harter Film über einen tödlichen Familienzwist, und doch transportiert er zwischen "Ave Maria" und "Stille Nacht" mehr ans Herz greifende Weihnachtsstimmung als all die alpenländischen Klingglöckchen-Shows zusammen.

Kein Tourismusidyll

Gedreht wurde im Ski-Ort Steinach und Umgebung. Aber hier sieht man kein Tourismusidyll, sondern eine düster-kalte Winterlandschaft. Eine ehrliche Natur, fast komplett ohne bunte Farben, bildet die perfekte Kulisse für diesen packenden Film, der mehr Alpen-Melodram als Krimi ist. Gespielt wird die alte Ballade von Blut und Boden, sie dreht sich um fast archaische Auseinandersetzungen in einer Bauernfamilie, deren Erbhof auf dem Spiel steht.
Heinz Gufler richtet das Gewehr auf seinen Bruder, Bild: rbb/ORF/Andreas Fischer

Klare Motivlage?

Ein Steinbruchbesitzer wird ermordet. Er luchste mit fieser Intrige dem einen Bauern den Hof ab, um ihn dem anderen, dessen Bruder, zuzuspielen. Die Motivlage scheint klar. Das Drumherum - Brüder, die sich die Nase blutig schlagen, eine Familie vor dem Ruin, ein erbberechtigter Sohn, der nicht mal mehr Geld für die Schule hat - ist nicht nur ein Fall für die Kripo, sondern auch für die Medien. Das Schicksal dieser Familie sollte ein bewegendes Thema der erfolgreichen Fernsehsendung "Akut-Agnes" werden, in der die beliebte Moderatorin Agnes Aichinger als Anwältin des kleinen Mannes Missstände anprangert. Während Eisner in die dörfliche Welt ohne weitere Reibungsverluste eintaucht, wirkt die attraktive Fernseh-Lady in diesem Kosmos wie das Zauberwesen von einem anderen Stern.
Agnes und Moritz Eisner, Bild: rbb/ORF/Andreas Fischer

Ziemlich hart

Sie mischt sich ein, stört mit ihren die Wahrheit verzerrenden Recherchen die Ermittlungsarbeit, und doch kommen sich die beiden bald näher. Sehr stimmig und gefühlvoll wird geschildert, wie sich eine solche Romanze in den besseren Momenten des Lebens entwickeln kann. Ziemlich hart - aber das nur am Rande - ist dann freilich auch zu sehen, wie schnell es mit der Liebelei auch wieder zu Ende geht.

Wortkarg, finster und gerne mal mit der Axt wird in dieser für Großstädter wie Ski-Urlauber wohl eigentümlich erscheinenden Welt gestritten. Doch hier erleben der Kommissar und die TV-Moderatorin aus Wien auch, wie warm und stark der Zusammenhalt in einer Familie sein kann, wie ursprünglich die echte Weihnacht in den Bergen sein kann. So schön, so grausam diese Welt.



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