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Heute ist der: 23.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Was mich an einer Geschichte am meisten interessiert, sind immer die Figuren"

Interview mit Christiane Balthasar

In diesem TATORT-Fall steht das Wendland im Mittelpunkt. Wie haben Sie diese Gegend in Szene gesetzt?

Charlotte Lindholm am Unfallort von Kasper, Bild: NDR/Nik Konietzny/Carles Carabi Negueruela
Das Wendland ? insbesondere Gorleben ? ist im Geiste der Öffentlichkeit geprägt durch seine fragwürdige Bedeutung als geplantes atomares Endlager. Andererseits ist es ein Landstrich an der ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenze, der mittlerweile ein beeindruckendes Biosphärenreservat ist. Diese schizophrene Situation haben wir versucht, in unserer Geschichte mitlaufen zu lassen.

Die Anlagen der Betreibergesellschaft haben die Ästhetik eines Hochsicherheitstrakts. Haben Sie an Ort und Stelle gedreht oder mussten Sie nach entsprechenden Motiven suchen?

Wir haben an Ort und Stelle gedreht. Alle beteiligten Institutionen waren sehr kooperativ.

Die Spannung, die Sie erzeugen, baut sich zunächst eher atmosphärisch auf: als Klima der Überwachung, der latenten Bedrohung, als diffuses Gefühl der Verschwörung.

Welche Überlegungen liegen dem zugrunde?

So etwas ergibt sich immer aus der Frage:Was möchte die Geschichte? Und dann entwickelt es sich im Zusammenspiel mit dem Kameramann und natürlich den Schauspielern.

Wie wichtig war die Musik in diesem Zusammenhang für Sie?

Sie ist meines Erachtens immer ein sehr wichtiger Teil der Erzählung. In diesem Fall verwischen die Grenzen zwischen Sounddesign und Musik ? ein Stilmittel, das ich sehr gerne mag. Es macht für die Stimmung sehr viel aus.

Sandmann, Kasper, Polizist Halder: Die Figuren werden interessant durch das intensive Spiel der Schauspieler. Sie schillern, wirken rätselhaft, wie Getriebene. Wie haben Sie gearbeitet?

Wenn das so wirkt, ist es gelungen. Jenseits des roten Fadens der Dramaturgie ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Kriterien für eine gute Geschichte die Erarbeitung der Figuren: Sind sie nachvollziehbar und erzählenswert?! Das ist für mich als Regisseurin auch einer der spannendsten Arbeitsschritte: die Ecken und Winkel einer Figur mit dem Schauspieler auszuloten.

Charlotte Lindholm und ihr Sohn David, Bild: NDR/Nik Konietzny/Carles Carabi Negueruela
Kommissarin Lindholm wird häufig von Flashs heimgesucht, dargestellt in kurzen, verdichteten Rückblenden, die fast traumhaft wirken.

Ein stilistisches Mittel, welches in diesem Falle meiner Meinung nach sehr angebracht war. Eindrücke, die im Unterbewussten brodeln und dann dem empfundenen Moment das Quäntchen Gewissheit geben.

Die Dreharbeiten führten Sie aus der niedersächsischen Provinz ins turbulente Barcelona ...

Nach dem letzten Niedersachsen-TATORT "Erntedank e.V." im Schrebergartenmilieu war das ein abwechslungsreicher Kontrast für das Format. Die Zusammenarbeit mit den spanischen Kollegen in Barcelona war sehr schön. Überraschenderweise hatten wir große Probleme aufgrund außergewöhnlich starker Regenfälle.

Die Story stellt auch in dramaturgischer Hinsicht eine Herausforderung dar: Der Provinzfall erhält eine internationale Dimension, kehrt aber nach einem dramatischen Showdown zurück und erzählt das Ende als private Tragödie eines Paares.Wie kriegt man da die Kurve?

Genau dieser Aspekt war faszinierend für die Geschichte: Ein scheinbarer Routinefall wächst der Kommissarin über den Kopf hinaus, um dann wieder in schlichte, menschliche Grenzen zurück zu schrumpfen. Charlotte Lindholm gerät quasi ungewollt in unkontrollierbare, internationale Gefilde, die sie dann wieder auf ihren Fall zurück werfen. Und alles ist miteinander auf tragische Weise verknüpft. Fast wie im richtigen Leben.

Wie ist es, als Regisseurin mit einer Figur umzugehen, die so ein ausgeprägtes Vorleben hat?

Dadurch, dass ich schon zuvor zwei Niedersachsen-TATORTe gedreht hatte, fühlte ich mich nicht gänzlich außen vor. ? Unabhängig davon hat man mit Maria Furtwängler eine Partnerin, die mit ganzer Kraft genau auf dieses große Ganze achtet.

Ist es nicht eine große Herausforderung, die Fallgeschichte mit den privaten Szenen überzeugend zu verknüpfen?

Das ist selbstverständlich immer ein Eiertanz.

Die TATORT-Reihe steht für Geschichten, in denen über Persönliches, im besten Fall etwas über die Verfassung unserer Gesellschaft, miterzählt wird.Welches Potential sehen Sie in der Reihe?

TATORTe behandeln manchmal allgemeingültige Fälle wie Liebe, Eifersucht und Portokosten, manchmal auch sehr am Zeitgeist orientierte Probleme. In dieser Folge ist es eine seltsame Mischung aus beidem.

Gibt es Themen, die Sie gerne einmal anpacken würden?

Wenn die Charaktere interessant gestrickt sind, gibt es einige Themen, die ich spannend finde.Was mich an einer Geschichte am meisten interessiert, sind immer die Figuren.

NDR-Pressemappe


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