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Heute ist der: 10.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Wendland - Spanien und zurück!

Charlotte Lindholm muss den Mord an dem Security-Mann Sven Gutzkow aufklären, dessen Leiche bereits ein halbes Jahr - bestens konserviert - in den Salzhalden von Gorleben verschüttet lag. Kasper, der Leiter der Betreibergesellschaft des atomaren Zwischen- und Endlagers, der seit geraumer Zeit erpresst wird, kommt dabei als Täter ebenso in Frage wie Gutzkows Kollege Augenthaler oder der Geologe Sandmann, der von Kasper und Gutzkows aufgrund unliebsamer Messwerte entlassen wurde.

Charlotte Lindholm, Jakob Halder und Sören Kasper am Tatort, Bild: NDR/Nik Konietzny/Carles Carabi Negueruela
Auch die Anti-Atom Aktivisten sind selbstverständlich mit von der Partie. Doch die Ermittlungen, bei denen Charlotte und ihr Kollege Jakob Halder auf Schritt und Tritt verfolgt und beobachtet werden, ziehen noch weitaus größere Kreise. Eine Spur führt Charlotte sogar bis nach Barcelona - zu einem Treffen mit einem spanischen Terrorhelfer. Eine Verabredung, bei der sich Charlotte in größte Gefahr begibt.

Eine "seltsame Mischung" ...

Mit Gorleben als Schauplatz dieses TATORTs wird ein Ort gewählt, der bei der bundesdeutschen Bevölkerung als Synonym für die Frage nach dem Umgang mit Atommüll assoziiert wird. Der TATORT wurde an Originalschauplätzen gedreht und gibt Aufschluß über den Status quo der Diskussion im Wendland. Kasper beispielsweise preist überzeugt die Genialität des Endlagers an, während die Atom-Gegner auf die unzulänglichen Sicherheitsstandards des Zwischenlagers aufmerksam machen. Bemerkenswert ist, dass es die Anti-Atom-Aktivisten nicht einmal schaffen in den Kreis der Tatverdächtigen aufgenommen zu werden. Wären sie nicht von alleine an den TATORT gekommen - man hätte sie nicht einmal befragt.

Als Charlotte schließlich doch mit ihnen ins Gespräch kommt, steht eher die Enttäuschung über ehemalige Mitstreitern - darunter auch Charlottes Mutter - im Vordergrund als der aktuelle Mordfall. Vor allem die Wortführerin Welany fühlt sich persönlich im Stich gelassen und so bekommt das Gespräch eine private Ebene, welche wohl die "seltsame Mischung" aus am Zeitgeist orientierten und alltäglichen Problemen widerspiegelt, von der auch die Regisseurin Christiane Balthasar in einem Interview spricht.
Charlotte Lindholm und Sören Kasper fahren durch den Salzstollen, Bild: NDR/Nik Konietzny/Carles Carabi Negueruela

... dramaturgisch verwirrend ...

Die verworrenen Handlungsstränge des Drehbuchs führen Charlotte zwar auf geniale Weise vom Wendland nach Barcelona und wieder zurück zu einer persönlichen Tragödie in die Provinz; vollständig entwirren lassen sie sich jedoch leider nicht. Auch Jakob Halder, Charlottes Mitarbeiter, ist hier keine große Hilfe: mal verschwindet die ihm anvertraute Tatwaffe spurlos, mal steht seine Diskretion den Ermittlungen im Wege und mal nervt er einfach nur mit seinem Übereifer. Und so bleibt dem dem Zuschauer am Ende nichts anderes übrig als an Zu- und Unfälle zu glauben.

... aber athmospährisch gelungen!

Das Klima der permanenten Überwachung, das diffuse Gefühl der Verschwörung und die latente Gefahr, die überall lauert, ist in diesem TATORT perfekt in Szene gesetzt und erzeugt streckenweise kaum auszuhaltende Spannung. Hinzu kommt, dass Charlottes Assoziationsketten der Erinnerung in kurzen, schnell geschnittenen, fast traumhaft wirkenden Rückblenden dargestellt werden. Charlottes aufgewühlte Stimmung und das Gefühl des Getriebenseins wird durch dieses Stilmittel auch für den Zuschauer spürbar.

Charlotte Lindholm telefoniert vor dem Haus Gutzkow, Bild: NDR/Nik Konietzny/Carles Carabi Negueruela
Die angedeutete Bedrohung endet schließlich im Showdown beim Einsatz in Barcelona. Denn plötzlich ermutigt der selbe Bitomsky, der Charlotte zuletzt nicht einmal die Ermittlungen in der Schrebergartenkolonie überlassen wollte, seine Kommissarin zu einem Einsatz in Spanien - dass er sie dabei wissentlich großer Gefahr aussetzt, hätte dem Verfechter der Mutterschutzrichtlinien niemand zugetraut.

Der Vater der Herzen

Obwohl Charlotte als Mutter privat verletzlicher geworden ist, zeigt sie sich endlich (!) wieder als die Powerfrau, die sie früher einmal war. Zwar hat sie noch keinen Krippenplatz für David gefunden, die "Betreuungslücken" jedoch stets fest im Griff. Ein schlechtes Gewissen vermag ihr nicht einmal ihre Mutter einzureden.

Fernseh-Deutschland kann sich sicher sein: Charlotte Lindholm wird ihr Kind - natürlich mit Martins Hilfe - schon schaukeln! Selbstverständlich - und niemand hätte je daran gezweifelt - glänzt dieser in seiner Vaterrolle; lediglich die Angst vor Davids Erzeuger kann Martins Vaterfreuden trüben. Doch eines wird er immer bleiben, egal welches Schicksal die Drehbücher für David vorgesehen haben: Der Vater der Herzen!

Katharina Gamer


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