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Heute ist der: 22.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Es gibt in dem ganzen Film nur eine Szene ohne Cenk Batu. Das ist schon fast voyeuristisch"

Gespräch mit Regisseur Richard Huber

Tuncay Nezrem pöbelt in einem Lokal. Cenk Baut versucht ihn zu beruhigen, Bild: NDR/Georges Pauly
Herr Huber, der TATORT "Auf der Sonnenseite" ist der Auftakt zum neuen Hamburger TATORT mit Cenk Batu. Was zeichnet diese Figur in Ihren Augen besonders aus?

Ihre Einzigartigkeit, ihre Vielseitigkeit, das Chamäleonhafte eines Grenzgängers zwischen den Welten. Egal, wo Cenk Batu sich gerade aufhält, dort ist auch der Tatort.

Cenk Batu und Uwe Kohnau verkörpern sehr unterschiedliche Temperamente ? worin liegt für Sie das Potenzial dieser Figurenkonstellation?

In eben diesen Unterschieden, kein Cenk ohne Uwe. Sie bearbeiten denselben Fall, aber aus völlig unterschiedlichen Ansätzen heraus. Uwe plant laut Dienstvorschriften und geht um 18 Uhr nach Hause und Cenk muss sich rund um die Uhr mit dem Unvorhergesehenen auseinandersetzen. Sie sind abhängig voneinander und sehr vertraut. Uwe ist Cenks Lebensversicherung und einziger Dauerkontakt zur ?normalen? Welt. Aber, bei aller Vertrautheit, Freunde sind sie nicht.

Wie haben Sie die Arbeit mit den Darstellern erlebt? Haben die beiden schnell zueinander gefunden?

Wir haben am ersten Drehtag bewusst nur Szenen mit Uwe und Cenk gedreht, um zu sehen, wie und ob dieses Rückgrat funktioniert, und sofort haben sich diese Gradheit, Beiläufigkeit und Vertrautheit eingestellt. Im Vorfeld hatten wir das Buch zwar gemeinsam gelesen und durchgesprochen, aber das sind dann oft Lippenbekenntnisse. Nicht in diesem Fall: Gleich am ersten Drehtag auf diesem Parkdeck standen sofort Cenk Batu und Uwe Kohnau. Danke Mehmet, danke Peter!

Wo wollten Sie als Regisseur besondere, eigene Akzente setzen?

Durch eine konsequente Nähe zu Cenk Batu. Wir wissen nie mehr als er, sehen den gesamten Film durch seine Perspektive, wir begleiten ihn und nur ihn. Mich hat immer auch interessiert: Was macht ein verdeckter Ermittler, wenn er nicht ermittelt? Es gibt in dem ganzen Film nur eine Szene ohne Cenk Batu. Das ist schon fast voyeuristisch. So etwas geht natürlich nur mit einem starken Darsteller, der das auch aushält und trägt. Von der filmischen Erzählweise her war es mir darüber hinaus wichtig, nicht immer alles haarklein zu erklären. Das sagt oft mehr über den Film aus als über die Realität, die der Film herstellen will. Der Zuschauer muss nicht immer alles und zu jedem Zeitpunkt wissen, manches muss oder kann gar nicht erklärt werden. Wie im Leben. Und es macht trotzdem Sinn.

Richard Huber (re.) am Set von "Auf der Sonnenseite", Bild: NDR/Georges Pauly
Wie wirkt sich diese Verknappung formal aus?

Formal haben wir versucht, eine Beiläufigkeit herzustellen durch ?Weniger ist mehr?. Weniger Informationen, weniger Behauptung und eine klare, entschiedene und intime Bildersprache. Kameramann Martin Langer hat mit seinen Bildern all diese Ziele erst ermöglicht und dem Film seine ? für mich große ? Dimension gegeben. Seine Arbeit kann ich gar nicht hoch genug bewerten. Großartig. Das ist eine Fotografie, die über den normalen Rahmen weit hinausgeht.

Wie hilfreich war der Humor, den die Autoren ins Buch einbringen?

Sehr hilfreich. Der Humor schwingt leise zwischen Cenk und Uwe, und dieser Ton vermittelt immer ein Gefühl von Vertrautheit und das war genau das, was ich gesucht habe. Für den Zuschauer bieten diese Momente die Möglichkeit, durchzuatmen und damit eher bereit zu sein für die starken emotionalen Momente.

Über die Arbeit von verdeckten Ermittlern wird öffentlich normalerweise wenig bekannt. Wie haben Sie sichergestellt, dass ein gewisser Realismus gewahrt bleibt? Gab es fachliche Berater?

Ja, im Vorfeld und bei der Bucharbeit gab es eine kontinuierliche Fachberatung, eben um diesen Realismus zu wahren. Ich selbst habe mich dann ?eingelesen?. Ich hab schlicht und einfach ausgiebig in Leitfäden gelesen, um zu sehen, was geht und was nicht und wer eigentlich wo welches Sagen hat. Uwe Kohnau ist der Boss von Cenk Batu. Punkt.

Da gibt es eine klare Hierarchie, die eingehalten werden muss. Aber im Grunde ist dieses Lesen für mich nur ein Werkzeug unter vielen. Wir haben uns ein, zwei Mal in Details über fachliche Realitäten hinweggesetzt, ganz bewusst und immer mit dem richtigen Hinweis von Uwe Kohnau darauf, dass man das eigentlich nicht machen darf.

Die Begegnungen zwischen Batu und seiner Nachbarin Anja sind wenig romantisch. Hier zeigt sich, wie hoch der Preis ist, den er privat für seinen Job zahlt. Patrycia Ziolkowskas Spiel macht aber neugierig auf mehr ...

Stimmt, der Preis ist hoch, aber niemand hat Cenk Batu gezwungen, diesen Job anzunehmen. Aber ich empfinde diese kurzen Begegnungen als sogar sehr romantisch. Da schwingt Verheißung und Versagung mit. Passiert ist da noch nichts, da liegt etwas unausgesprochen in der Luft und das soll neugierig auf mehr machen. Und Patrycia Ziolkowsksa trägt das wunderbar in den wenigen Momenten ? ohne auch nur eine Information von Anja preiszugeben.

NDR-Pressemappe


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