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Heute ist der: 21.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Wenn ich mit meiner Arbeit andere Menschen inspirieren kann, schließt sich für mich ein Kreis im Sinne des Nehmens und Gebens"

Gespräch mit Mehmet Kurtulus

Der neue TATORT-Kommissar aus Hamburg: Mehmet Kurtulus als Cenk Batu, Bild: NDR/Georges Pauly
Nicht nur der Hauptdarsteller des Hamburger TATORTs ist neu, das gesamte Konzept hat sich verändert. Sie haben an der neuen Gesamtkonzeption mitgefeilt. Was lag Ihnen dabei besonders am Herzen?

Ein Wechsel ist immer ein Risiko, aber auch eine Chance, Sehgewohnheiten zu brechen und neue Wege zu gehen. Der NDR und Studio Hamburg haben den Mut dazu bewiesen, neue und vor allem für dieses über Jahrzehnte etablierte Format ungewöhnliche Bilder zu schaffen und somit den TATORT künstlerisch, politisch und ästhetisch weiterzuentwickeln.

Cenk Batu ist eine starke Figur; er strahlt Dynamik und Jugendlichkeit aus. Es hat so etwas wie ein Generationswechsel stattgefunden. Was zeichnet Batu in Ihren Augen darüber hinaus charakterlich besonders aus?

Cenk Batu ist das Chamäleon. Sein Talent, mit seinem ?Arbeitsumfeld? vollkommen zu verschmelzen, ist seine größte Qualität. In der Praxis, als verdeckter Ermittler, ist diese Form der Mimikry sowohl Quelle von Informationen als auch Lebensversicherung.

Über die Arbeit von verdeckten Ermittlern erfährt man sonst naturgemäß eher wenig. Wie haben Sie sich dieser neuen Aufgabe genähert? Gab es eine besondere Art der Vorbereitung?

Die Vorbereitung auf einen neuen Charakter ist immer eine neue Herausforderung. Bei Cenk Batu war einer der elementaren Charakterzüge die Konzentration auf die Wahrnehmung von Details im Alltag. Geschult für diese Aufgabe wurde ich durch die Hilfe von Stephan Schlentrich, der mich an einem speziellen Polizeiprogramm teilnehmen ließ. Zu meinen Themen zählten KSK, polizeiliche Topermittlung, Gerichtsmedizin und Geheimdienste.

Sie spielen hier eine Figur, die in ihrer häufig gefährlichen Arbeit darauf angewiesen ist, nahtlos in fiktive Rollen schlüpfen zu können. Batu spielt ? pointiert formuliert ? um sein Leben. Flößt Ihnen das als Schauspieler einen besonderen Respekt für diese Rolle ein?

Jeder Interpretation einer neuen Rolle gebührt der gleiche Respekt. Es gibt da keine Differenzierung, denn all den Figuren sollte eines zugrunde liegen: die Glaubwürdigkeit. Das zeichnet diesen Beruf aus.

Gleichzeitig bieten genau diese Arbeitsumstände Batus Ihnen die Gelegenheit, Ihre Wandlungsfähigkeit und Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen. Eine Traumrolle?

Eher ein schlechtes Geschäft. Man spielt drei Rollen, kriegt nur eine bezahlt. :)

Cenk Batu erlangt das Vertrauen zu Tuncay Nezrem, Bild: NDR/Georges Pauly
Batu ist zwar weisungsgebunden, bei den Einsätzen aber überwiegend auf sich gestellt. Kohnau, sein Vorgesetzter, ist häufig sein einziger Draht zur ?normalen? Welt. Besteht die Gefahr, dass Batu sich mal in einer dieser falschen Identitäten verlieren könnte?

Diese Gefahr halte ich im Falle von Cenk Batu für ausgeschlossen, da er sich mit Hilfe seiner falschen Identitäten in kriminellen Kreisen bewegt. Eine Welt, die er bekämpft, statt sie zu bewundern.

Peter Jordan gesteht in diesem Heft, dass Uwe Kohnau manchmal ein bisschen neidisch auf Batu ist. Wie sieht Ihrer Meinung nach umgekehrt das Verhältnis von Batu zu diesem Vorgesetzten aus?

Uwe Kohnaus Qualitäten liegen in der Organisation und Abwicklung der Fälle. Cenk Batu steht im Brennpunkt. Er liebt das Risiko. Deswegen ergänzen sich die beiden so gut in ihrer Arbeit.

Cenk Batu hat aufgrund seiner besonderen Arbeitssituation wenig Gelegenheit, private Beziehungen zu pflegen. Wie und wo findet er dennoch einen Ausgleich für diesen aufreibenden Job?

Im ersten Stück findet Cenk Batu Rat und Ruhe in der Beziehung zu seinem Vater. Ein gemeinsames Schachspiel symbolisiert die Verbindung in seine Privatsphäre.

Als erster deutschtürkischer TATORT-Kommissar erfahren Sie nicht nur viel Aufmerksamkeit vonseiten der Presse; Sie werden auch für viele, vor allem jüngere, Deutschtürken eine Vorbildfunktion einnehmen. Freut Sie das oder belastet es eher?

Wenn ich mit meiner Arbeit andere Menschen inspirieren kann, schließt sich für mich ein Kreis im Sinne des Nehmens und Gebens. Ich habe auf meinem Weg auch genommen. Meine Vorbilder waren u.a. Robert De Niro und Sir Peter Ustinov, die mich zu dem inspiriert haben, was ich heute vertrete.

Was verbindet Sie mit Hamburg?

Meine ersten Schritte in Deutschland habe ich sprichwörtlich in Hamburg gemacht. Sowohl privat als auch beruflich. Als meine Familie und ich 1974 in Deutschland mit dem Flugzeug landeten, war das in Fuhlsbüttel. Meine erste Hauptrolle in einem Kinofilm spielte ich in Altona.

Seit Ihrem Durchbruch mit ?Kurz und schmerzlos? vor mehr als zehn Jahren sind Sie als Darsteller nicht nur in Deutschland, sondern international gefragt. Wird neben dem TATORT noch genügend Raum für große andere Projekte bleiben?

Es stehen 2009 zwei Kino-Premieren an. Die erste ist eine internationale und die andere eine deutsche Kinoproduktion. Auch für nächstes Jahr gibt es Gespräche mit verschiedenen Produktionen. Der TATORT ist ein weiter Meilenstein in meiner beruflichen Entfaltung. Dieser ?Ritterschlag? mag für einige der Zenit sein, ich empfinde ihn schon im Vorfeld als Katalysator.

NDR-Pressemappe


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