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Heute ist der: 18.11.2019. --> Bis heute wurden 1122 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Cenk Batu geht da hin, wo Kriminalität wirklich stattfindet"

Gespräch mit Christoph Silber und Thorsten Wettcke

Uwe Kohnau vertraut Cenk Batu einen neuen Fall an, Bild: NDR/Georges Pauly
Mit Cenk Batu ist eine völlig neue, sehr mitreißende und ungewöhnliche Kommissarsfigur entstanden. Nach der Grundkonzeption der NDR-Fernsehfilmredaktion sollte der neue Kommissar u.a. ein ?verdeckter Ermittler? sein. Was war Ihr persönlicher Ehrgeiz dabei?

Christoph Silber: Unser Cenk Batu entstand in enger kreativer Zusammenarbeit mit der NDR-Redaktion und Mehmet Kurtulus. Für uns als Autoren ist es eine sehr große Ehre, einen neuen TATORT-Kommissar entwickeln zu dürfen. Natürlich will man da etwas ganz Besonderes schaffen, etwas, das es so noch nie gegeben hat.

Thorsten Wettcke: Dabei stand die Idee im Mittelpunkt, mit Cenk Batu einen verdeckten Ermittler (VE) ins Zentrum des neuen Formats zu stellen. Und da sich die Arbeit eines Verdeckten doch schon sehr von der eines ?normalen? Kommissars unterscheidet, werden sich Batu-TATORTe auch von den anderen TATORTen unterscheiden. So gibt es bei uns nicht zwangsweise eine Leiche zu Beginn. Und auch ein Präsidium wird Batu niemals betreten.

Wie haben Sie sich in dieses Thema eingearbeitet? Haben Sie spezielle Informationsquellen?

Christoph Silber: Als Krimiautor baut man sich da ein ganzes Netzwerk auf ? das reicht vom offiziellen Weg (Fachlektüre, Besuche in Polizeihochschulen, Fachberater) bis zum persönlichen Draht zu Spezialisten aus den heikleren Bereichen der Ermittlungsarbeit. Bei letzteren sind Geduld und Hartnäckigkeit gefragt ? sie stehen jedenfalls nicht im Telefonbuch ...

Thorsten Wettcke: Im konkreten Fall ?verdeckter Ermittler? muss man jedoch zugeben, dass wir zunächst auf sehr viel Granit gebissen haben. Aus verständlichen Gründen hielt sich die Auskunftsfreude in Grenzen und mehr als Allgemeinplätze waren kaum in Erfahrung zu bringen. Sehr hilfreich war dann unser Redakteur Eric Friedler, der uns durch seine Kontakte eine Tür geöffnet hat, von der wir nicht einmal zu träumen gewagt hatten. Insofern können wir jetzt mit Überzeugung sagen, dass wir die Arbeit eines VE sehr realitätsnah zeichnen konnten.

Cenk Batu in seiner Wohnung, Bild: NDR/Georges Pauly
VEs nehmen eine falsche Identität an, um zum Beispiel Einlass in eine kriminelle Gruppe zu finden. Eine schwierige und gefährliche Aufgabe, die einen um die Spannung in den nächsten Hamburger TATORTen nicht bangen lässt. Lässt sie auch genügend Raum für stoffliche Varianten?

Christoph Silber: Absolut. Ein sehr weites Spektrum der Kriminalität findet in organisierter, gruppierter Form statt, da werden uns die Stoffe nie ausgehen. Zumal wir in unseren Recherchen herausgefunden haben, dass auch ein und derselbe verdeckte Ermittler sehr viel öfter in einer Stadt eingesetzt wird, als es offiziell kommuniziert wird. Was unseren Hamburger TATORT von anderen unterscheidet, ist ja vor allem die unterschiedliche Perspektive auf die Welt des Verbrechens. Cenk Batu ist mittendrin.

Thorsten Wettcke: Und darin besteht die große Chance dieses Formats. Cenk Batu geht da hin, wo Kriminalität wirklich stattfindet. Dabei muss er einerseits seinen Zielpersonen stets das Gefühl geben, einer von ihnen zu sein. Und darf andererseits, zumindest offiziell, nicht die kleinste kriminelle Handlung begehen. Diese paradoxe Situation erzeugt ein enormes Spannungsfeld, da der kleinste Fehler schnell das Ende von Cenks Einsatz bedeuten kann. Oder sogar das Ende seines Lebens.

Mit der Figur Cenk Batu wird der erste türkischstämmige TATORT-Kommissar etabliert. In dieser Geschichte ermittelt er zunächst an einem deutschen Fall, muss dann aber kurzfristig auch in ein türkisches Milieu eintauchen ? und wehrt sich prompt gegen etwaige Festlegungen. Wie programmatisch ist das zu verstehen?

Christoph Silber: Uns allen war sehr wichtig, dass dieser neue TATORT-Kommissar nicht primär durch seine türkische Herkunft definiert wird, sondern durch die ungewöhnliche Brisanz seiner Arbeit, seine Gabe, in andere Rollen zu schlüpfen, seine hohe Körperlichkeit und Intuition. Es ist wichtig, dass wir in Deutschland lernen, tiefer zu blicken.

Thorsten Wettcke: Allerdings ist es natürlich auch einfach ein Fakt, dass ein türkischstämmiger Ermittler gerne in entsprechenden Milieus eingesetzt wird ? einfach weil man einen blonden Deutschen dort niemals einschleusen könnte. Uns ist dabei jedoch wichtig, Batus türkischen Hintergrund nicht als Bürde zu betrachten, nicht nur auf der politisch korrekten Klaviatur zu spielen. Wir wollen deutsch-türkische Klischees brechen, mit Vorurteilen spielen und mit Cenk Batu einen Charakter schaffen, der genau das reflektiert ? mal knallhart, mal augenzwinkernd.

Batu ist eine sehr starke Figur; mutig bis zum Draufgängertum, zugleich aber der Typ, der Konflikte intelligent löst; zur Empathie begabt und instinktsicher. Als VE braucht er all das ? ebenso wie seine Fähigkeit, sich zu verstellen. Platz für private Bedürfnisse bleibt da kaum ? oder werden wir in diesem Punkt bloß auf die Folter gespannt?

Christoph Silber: Batu ist sehr verankert in der liebevollen Beziehung zu seinem Vater, die ihm über alles geht. Für alles andere hat er tatsächlich wenig Zeit und Raum und ist sicher auch ein gebranntes Kind ? aber gerade das kann ja besonders spannend werden, wenn die Liebe dann doch mal zuschlägt ...

Thorsten Wettcke: Was Kollege Silber damit sagen will: Ja, Sie werden auf die Folter gespannt.

Cenk Batu ist als Figur inzwischen lebendig geworden. Mehmet Kurtulus hat sie sich anverwandelt. Wie beurteilen Sie sein Spiel und die Umsetzung Ihres Buches?

Thorsten Wettcke: Es ist immer sehr spannend, wenn man die ersten Bilder zu sehen bekommt. Wenn die getippten Worte zum Leben erweckt werden. In diesem Fall war es bei mir so, dass ich mir einen größeren Fernseher gewünscht hätte. Sowieso würde ich den Film unheimlich gerne mal auf der Kinoleinwand sehen.

Christoph Silber: Geht mir genauso. Richard Huber hat das großartig umgesetzt, Martin Langers Kamera ist einfach begeisternd. Und Mehmet Kurtulus ist in diesem ersten Film durch und durch ein Star, ein Schauspieler mit ungeheurer Präsenz und Sogwirkung.

NDR-Pressemappe


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