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Heute ist der: 18.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT-Konzept für Hamburg

Ein Türke als verdeckter Ermittler - ohne viel Privatleben

Doris J. Heinze, die Fernsehspielchefin des Norddeutschen Rundfunks, füllt mit dem neuen Hamburg-TATORT konsequent eine Lücke im Dickicht verschiedener Ermittlerkonstellationen am ARD-TATORT und will dabei fast alles "ganz anders" machen: der Schwerpunkt liege im neuen Hamburger TATORT auf den Ermittlungen und der Figur Cenk Batu. Dabei habe der Ermittler ein "sehr reduziertes" Privatleben. Auf Gerichtsmedizin, Spurensicherung oder Polizeipräsidium verzichte man zukünftig komplett.

Fernsehspielchefin Doris J. Heinze © NDR/Marcus Krüger
"Diesen Weg, wie man TATORT auch erzählen kann, sind wir bewusst gegangen", sagte die NDR-Fernsehspielchefin Doris J. Heinze auf der Präsentationspressekonferenz zum neuen Hamburg-TATORT. Das Konzept des neuen Hamburg-TATORTs sei innerhalb der TATORT-Reihe eine Weiterentwicklung und ein ganz neuer Ansatz, betonte Heinze. Der erste türkischstämmige Ermittler arbeitet in den Hamburger Folgen zukünftig verdeckt und schlüpfe dabei immer wieder in neue Rollen.

Batu ist wandlungsfähig, kann schnell in andere Identitäten schlüpfen

Als "Chamäleon" bezeichnet der NDR seinen neuen TATORT-Kommissar deshalb in seinem offiziellen Figurenprofil. Gleich in der ersten TATORT-Folge Auf der Sonnenseite schlüpft der Ermittler so in verschiedene Rollen, wird Chauffeur, schneidet Döner im Imbiss oder mimt einen Blinddarm-Patienten im Krankenhaus. Seine Kriminalfälle würden dabei in allen für Verdeckte Ermittler (VE) denkbaren Milieus angesiedelt und erzählt und seien nicht nur - wie im Erstlings-Fall - auf Wirtschaftskriminalität beschränkt, sagte Heinze.

Privatleben "sehr reduziert"

Wie so viele andere TATORT-Ermittler habe Batu aber kaum Privatleben. Das stehe bei einem verdeckten Ermittler nicht so sehr im Fokus, sagte TATORT-Redakteurin Heinze. Wenn überhaupt habe er nur ein "sehr reduziertes" Privatleben und diesen Ermittler so zu erzählen, sei "reizvoll". Autor Thorsten Wettcke sagte, man könne in einer Folge nicht gleich alles Privates erzählen. Es werde sich in den weiteren TATORT-Folgen zeigen, was aus der Geschichte mit seiner Nachbarin oder seinem Vater werde.
Batu mit einer Immobilienmaklerin, die sich über deutsche Steuerbestimmungen lustig macht. Bild: NDR/Georges Pauly

Batu ist kein James Bond

Für die Redaktion war es wichtig darzustellen, dass Batu sich als Beamter selbstverständlich an Recht und Gesetz zu halten hat. So gebe es eine klare Leitlinie, was er als VE darf und was er nicht dürfe - dies helfe auch den Autoren. Redakteur Eric Fiedler erklärte, dass man bei aller Fiktionalität schließlich der Realität nahekommen wolle. Heinze stellte klar, dass es auch Dinge gebe, die ein Ermittler nicht dürfe, er sei schließlich kein James Bond. Umso erstaunlicher ist es deshalb, dass einige Medien - beispielsweise Die Welt - den neuen Ermittler gleich als "James Bond von der Elbe" bezeichneten.

Alleinstellungsmerkmal für NDR-TATORT

Mit dem neuen Konzept schafft der Norddeutsche Rundfunk einen Ermittler, den es so in der ARD - aber auch sonst in der deutschen Fernsehkrimilandschaft - noch nicht gab und gibt. Verdeckte Ermittler gibt es im TATORT derzeit nicht; höchstens der ebenfalls kürzlich eingeführte Kommissar Lannert war ein sogenannter "VE" (übrigens auch in Hamburg). Auch mit der Herkunft des Kommissars schafft der NDR sein Alleinstellungsmerkmal an der Gemeinschaftsproduktion TATORT: denn türkischstämmige Ermittler gab es bisher keine, wenn auch etliche mit Migrationshintergrund. Besonders wichtig war dem Sender, die Herkunft nicht überzubetonen. Wichtiger war den Machern, so das Drehbuch-Head-Team Christoph Silber und Thorsten Wettcke, dass sich der Kommissar primär durch die Brisanz seiner Arbeit und seine Wandlungsfähigkeit definiere.

Kleiner Strandspaziergang an der Elbe. Bild: NDR/Georges Pauly
Das reduzierte Privatleben Cenk Batus setzt sich wohltuend ab von vielen Kollegen am TATORT, die in der Vergangenheit immer stärker privat in die Fälle involviert waren. Was im Fall Batu aber nicht heißt, dass er nicht präsent wäre - das Gegenteil scheint der Fall. Im Erstling Auf der Sonnenseite spielt Batu - bis auf eine Ausnahme - in jeder Szene des Films mit und erzeugt so eine sehr große Präsenz.

Viel von Hamburg zu sehen

Einen schönen Nebeneffekt hat diese TATORT-Konzeption auch für Liebhaber des Lokalkolorits, einem oft vergessenen Ur-Bestandteil des TATORT-Konzepts von 1970. Bedingt durch die Tatsache, dass Batu und sein Chef sich immer an unterschiedlichen Orten und eben nicht im Polizeipräsidium oder - wie Batu in der ersten Folge sagt - "aufm Revier" treffen können, sieht der Zuschauer so auch viel von der schönen Hansestadt, mehr als in den letzten Jahren des Hamburger TATORTs mit den Kollegen Casstorff oder Stoever. In Auf der Sonnenseite bewegen sich die Ermittler so mehrfach am Hafen, in Mundsburg, in Wilhelmsburg, in Ottensen an der Elbe, sie benutzen die U-Bahnlinie 3 (Richtung Barmbek), treffen sich im Aquarium bei Hagenbecks oder beschatten eine Zielperson in der Europapassage nahe Jungfernstieg.


Francois Werner


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