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Gegen das Vorurteil

Vor knapp vier Jahren waren der Schauspieler Klaus J. Behrendt und der ARD-TATORT-Koordinator Gebhard Henke zu Gast in Wien bei der Verleihung des Civis-Preises. Ein TATORT war nominiert für den Europäischen Medienpreis, der Beiträge zur Integration würdigt. Damals trafen beide auf Professor Rudolf Sarközi, den Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma. Er gab die Anregung, das Thema der Roma einmal in einem TATORT aufzunehmen. Es folgten umfangreiche Recherchen des Drehbuchautors Karl-Heinz Käfer, und nun ist "Brandmal" im Programm.

Ludvijas Familie war Opfer eines Pogroms gegen die Roma von Mitrovica gewesen. Bild: WDR/Uwe Stratmann

Der Verdacht fällt auf Sinti und Roma

Der Film mache deutlich, sagt Dietmar Bär, "wie sehr unser Leben von Vorurteilen geprägt ist". Tatsächlich geht es vor allem um die Haltung der Deutschen, wenn es um Sinti und Roma geht. Wenn da etwas passiert, in der Nähe eines Heimes, fällt der Verdacht zwingend zunächst auf dessen Bewohner. So auch in diesem TATORT, der mit einem Feuer beginnt.

Es wurde im Keller eines Mietshauses gelegt. Eine junge Frau, die als Einzige zu diesem Zeitpunkt daheim war, stirbt an den Folgen einer Rauchvergiftung. Der erste Verdacht fällt auf das junge Roma-Mädchen Lutvija. Ihre Kette wird am Tatort gefunden. Der Hausbesitzer (Ex-MDR-Kommissar Bernd Michael Lade kehrt in dieser Rolle in den TATORT zurück) sowie weitere Bewohner des Viertels sind sich einig: Die "Zigeuner" müssen es gewesen sein.
Dass sie den Brand nicht gelegt hat, muss das Roma-Mädchen Lutvija Kommissar Max Ballauf erst einmal beweisen. Bild: WDR/Uwe Stratmann

Ermittler unter Verdacht

Max Ballauf und Alfred Schenk erhalten bei ihren Ermittlungen Unterstützung von Mario Klemper. Er kennt sich aus in dem Viertel, kennt die Bewohner des Heims, macht sich aber bald schon auch selbst verdächtig, nachdem er Informationen zurückhält.

Es dauert lange, bis dieser TATORT Fahrt aufnimmt. Viel Zeit nimmt sich der Krimi zur Vorstellung einzelner Personen, zum Legen falscher Fährten. Viele Verhöre, ein paar Verdächtige. So hatte das Opfer offensichtlich Ärger mit ihrem Freund. Schwanger war sie, eine Affäre mit einem Unbekannten hatte sie auch.
Max Ballauf versucht das aufsässige Roma- Mädchen Lutvija zu zähmen. Bild: WDR/Uwe Stratmann

Ein Krimi mit interessantem Thema

Dass dieser einigermaßen langweilige, recht träge TATORT doch noch an Klasse gewinnt, liegt vor allem an der 14-jährigen Muriel Wimmer, die bisher nur einen Auftritt in der ZDF-Serie "Kriminaldauerdienst" aufzuweisen hat, sich aber mit der Rolle im TATORT für weitere Engagements empfiehlt. In ihr spiegelt sich auf nachhaltige Weise die besondere Tragik, die Ratlosigkeit, die viele Flüchtlinge umgeben muss. Wenn sie sich schlafen legt und dabei die Schuhe anbehält, um bei einer plötzlichen Abschiebung schneller fliehen zu können, hinterlässt das jene Wirkung beim Zuschauer, die sich die Ideengeber vor vier Jahren sicher erhofft hatten. Ein Krimi also, der ein interessantes Thema besetzt und sich diesem auf verantwortungsvolle Weise annimmt. Ein Krimi aber auch, der nur wenig an Spannung und Dramatik entwickelt.

Kai-Oliver Derks (_teleschau - der mediendienst)


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