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Heute ist der: 16.07.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Es ist eigentlich ein Armutszeugnis, dass so viele Menschen auf diese Form des Kennenlernens zurückgreifen müssen"

Interview mit Gabriela Maria Schmeide anlässlich des TATORTs "Borowski und die einsamen Herzen"

Wie sehen Sie ihre Rolle, welches Frauenbild wollen Sie vermitteln?

Gabriela Maria Schmeide, Bild: NDR/M.v.d. Mehden
Bei diesem Film hat es mich sehr gefreut, dass der Regisseur mich einmal ziemlich untypisch besetzt hat. Er meinte, wir machen das jetzt mal ganz anders und du spielst die Verführerin. Sonst werde ich gern eher als die Unscheinbare, Biedere besetzt ? diesmal bin ich die Lebenslustige, der Lust zugewandte Frau. Das hat mich total gefreut.

Ist das Dating per Brief nicht altmodisch?

Das könnte sein, aber wir spielen ja eine eingeschworene Gemeinschaft, die nicht so ganz auf dem neuesten Stand der Technik sein muss. Ich selber bin übrigens genauso ? ich würde auch kein Online-Dating machen wollen. Beim Brief hat man was in der Hand ? ich kann das alles sehr gut nachvollziehen.

Es steckt ja auch immer eine Gefahr im Dating ...

Gundula selbst will sich auch absichern und nicht in die Karten gucken lassen. Was sie sich dabei an Sicherheit schaffen kann, das macht sie ? allerdings hat sie am Ende kein Glück damit. Sie macht einige negative Erfahrungen und wird einmal fast vergewaltigt. Gundula wirkt so, als ob sie alle abschleppt, aber in Wahrheit ist das gar nicht so. Dieser eine Mann hatte ihr nun gefallen und sie hat sich auf ihn eingelassen und eine böse Überraschung erlebt. Generell wäre es nicht glaubwürdig gewesen, wenn die Figur jeden gleich mitnimmt ? aber dass sie ab und zu auch mal ja sagt und sich die schönen Seiten des Lebens nimmt, weckt ja gerade den Neid ihrer Freundin, die das nicht kann.

Warum kann Anne, ihre Freundin, das nicht?

Sie ist gehemmt und lebt alleine. Ihre Freundin hat ein Kind und lebt in einer viel offeneren Welt. Ich kenne ähnliches aus meinem privaten Umfeld aus gleichgeschlechtlichen Beziehungen, die asexuell sind, sich aber in totale Abhängigkeit voneinander begeben ? so wie bei Anne gegenüber Gundula, die sie zu ihrem absoluten Lebensmittelpunkt macht. Da gibt es auch gar kein Interesse, sich selbst jemanden zu suchen.

Anne ist scheinbar immer selbstlos ? muss man da den Anderen nicht auch mal bewusst den Vortritt lassen?

Die beiden Frauen führen ja keine Partnerschaft. Natürlich ist Gundula egoistischer und weiß, wie sie gut für sich sorgen kann. Sie nimmt sich, was sie will, und nutzt auch aus, dass die Freundin so selbstlos ist. Sie ist keine rein positive Figur ? sie nimmt sich ihren Raum und merkt gar nicht, dass sie andere damit verletzt. Gundula geht von dem Standpunkt aus, dass jeder selbst wissen muss, was richtig für ihn ist.

Sollte man in Freundschaften nicht soviel Rücksicht nehmen wie in Partnerschaften?

Wenn sich so ein Ungleichgewicht entwickelt, ist es keine richtige Freundschaft ? im Film erzählen wir ja auch keine Bilderbuchfreundschaft.

Welches Männerbild hat die Figur?

Ich glaube, Gundula findet Männer klasse ? sie gibt ja nicht auf und sucht immer weiter. Sie möchte erobert werden und tut eine Menge dafür. Trotzdem legt sie nicht gleich alle Karten auf den Tisch ? sie spielt gerne mit den Männern und braucht sie in ihrem Leben. Ganz ohne Mann zu leben, kann sie sich nicht vorstellen. Ich finde es gut, dass sie etwas unternimmt und sich nicht aufs Sofa setzt und jammert.

Wie stehen sie persönlich zum Thema Dating?

Die neueste Erfindung ist ja jetzt ein Handy, mit dem man sich in seiner Umgebung als Single outet und seine Vorlieben signalisiert ? wenn nun ein ähnlich programmiertes Gerät in der Nähe ist, schlägt das Handy an und man kann sich den potentiellen Partner gleich aus der Nähe ansehen. Das wäre für mich der absolute Horror! Je mehr Wahlmöglichkeiten man hat, umso unglücklicher wird man ? für mich ist das kein Thema. Ich kenne Frauen aus meinem Freundeskreis, die Internet-Dating genutzt und damit nur schlechte Erfahrungen gemacht haben ? es ist eigentlich ein Armutszeugnis, dass so viele Menschen auf diese Form des Kennenlernens zurückgreifen müssen. Alle wollen sich von Anfang an absichern und meinen so einen Fremden besser beurteilen zu können ? aber dieses Sicherheitsdenken haben wir ja in allen Bereichen und es tut uns nicht gut.

Wie war das Kennenlernen denn bei Ihnen?

Wir waren zwei Anfänger am Theater in Bautzen ? er Beleuchter und ich Souffleuse. Wir waren eine ganze Clique von Leuten, die nicht auf der Bühne standen und privat viel gemeinsam unternommen haben, z.B. Bergsteigen und Radfahren, wir haben gefeiert und uns ganz langsam angenähert. Ein ganz klassisches Kennenlernen.

Sie leben mittlerweile in Bremen ? können Sie segeln?

Ich kann überhaupt nicht segeln und bin auch im Hafen samt Kamera im Boot gekentert. Ich hatte es mir leichter vorgestellt und war auch ganz schön ängstlich bei der Szene ? eigentlich bin ich eher ein Draufgängertyp, aber bei Sturm und Kälte allein im Boot war mir ganz schön mulmig.

Wie war die Zusammenarbeit mit Lars Jessen und den Kollegen?

Ich kenne Lars schon länger ? wir haben schon drei Filme zusammen gemacht. Eigentlich wollte ich beruflich etwas kürzer treten, aber als Lars anrief, war ich sofort interessiert, weil ich einfach sehr gerne mit ihm arbeite. Axel Milberg ist ein sehr komödiantischer Partner ? auch außerhalb der Dreharbeiten gibt es immer was zu lachen. Wolfgang Koch verehre ich auch als Theaterschauspieler und war sehr froh, einmal mit ihm gemeinsam vor der Kamera zu stehen. Astrid Meyerfeldt war ein Geschenk für mich ? sie ist eine sehr besondere und eigenwillige Kollegin und wir hatten beide großen Spaß an der Arbeit.

Welche weiteren Pläne haben Sie?

Im Oktober gebe ich drei Live-Konzerte mit meiner Band in Worpswede, Chemnitz und Bremerhaven. Wir haben eine Collage von Balladen unter dem Titel ?Schon wieder so ?ne Lust? zusammengestellt und ich singe und führe als Figur durch das Programm von DDR-Rock, Oper, Volksliedern und Popsongs, die in den letzten 20 Jahren mit mir zu tun hatten. Das Ganze ist sehr witzig und emotional und soll allen Beteiligten vor allem Spaß machen. Außerdem spiele ich in Bremen wieder Theater und drehe verschiedene Filme ? zur Zeit gerade mit Michael Hanecke ?Das weiße Band?. In München mache ich dann mit Ziegler-Film ?Marie, kleine Marie? ? ein interessantes Projekt, das der Frage nachgeht, ob ein Elternpaar ein weiteres Kind bekommen darf, das in gewisser Weise als Ersatzteillager zur Rettung des schwer erkrankten, ersten Kindes dient. Und ab nächstem Sommer bin ich fest am Thalia Theater in Hamburg engagiert.

NDR-Pressemappe


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