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Heute ist der: 17.07.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Wenn Borowski Witterung aufgenommen hat, dann ist sie so stark, dass er mit Ellenbogen durchbrettert"

Interview mit Axel Milberg anlässlich des TATORTs "Borowski und die einsamen Herzen"

Dieser TATORT wurde in einer sehr komödiantischen Form erzählt ...

Axel Milberg, Bild: NDR/M.v.d. Mehden
Wir nehmen uns die Freiheit, Geschichten mit einer gewissen Eigendynamik zu erzählen ? man muss ja nicht einmal grausam sein und dann immer grausam. Wenn das Thema es ermöglicht, kann ein Krimi durchaus humorvolle Aspekte haben ? etwa durch die tagträumerischen Szenen in diesem Film. Ich finde es ganz wunderbar, wenn wir die Vielschichtigkeit der Hauptfigur Borowski auch zeigen.

War es Ihr persönlicher Wunsch, die Figur einmal so anzulegen?

Nein, die Story lag ja schon vor. Wir wählen nur die Entwürfe aus, die wir zu Drehbüchern weiterentwickeln lassen. Klar hatten wir in diesem Fall auch großen Spaß an der Geschichte ? es gibt ja nicht viele Kriminalfälle, auf denen man Kapriolen drehen kann. Das ist wirklich gute Unterhaltung, die hat für mich auch immer etwas Kostbares.

Wandern Sie gerne zwischen ihren dramatischen und komödiantischen Rollen?

Das ist eben der große Genuss ? diese Unterschiedlichkeit und den Reichtum von dem, was Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit sein können, auch spielen zu können ? das ist für mich ungeheuer wichtig. Man langweilt sich sonst selbst und ich hätte dann immer das Gefühl, dass ich meinen Beruf nicht genug ausschöpfen kann. In ?Borowski und die einsamen Herzen? zeigen wir ja auch eine Art der Komik, die nichts mit Slapstick zu tun hat ? die Szenen sind oft verzweifelt und dabei komisch für den Zuschauer, aber nicht für den Protagonisten, der in der Situation steckt. Ich freue mich immer sehr über die Abwechslung, die ich durch meine unterschiedlichen Angebote habe. Das lässt mich als Schauspieler hungrig bleiben.

Diese Art des Humors scheint Ihnen zu liegen ? liegt das an Ihrer norddeutschen Herkunft?

Ich glaube nicht, dass das mit der Küste zu tun hat ? das kann auch einem Römer so gehen. Wenn Marcello Mastroianni in lustigen Momenten gespielt hat, dann hielt man das Fluchen und Schreien für das italienische Temperament, über das wir uns amüsieren, aber die Figuren schlugen sich etwa eine Aktentasche auf den Kopf oder flüchteten in Unterhosen über den Balkon ? dabei ging es um das nackte Überleben. Ein Protagonist, der selber lacht und komisch sein will, funktioniert meiner Meinung nach nicht. Es ist auch nicht lustig, wenn ein Bettler in der Pfütze ausrutscht, sondern es ist lustiger, wenn ein sehr eleganter Herr im Dreck landet ? weil er tiefer fällt und schmutziger wird oder vielleicht die Nase so hoch getragen hat, dass er die Pfütze nicht gesehen hat.

Wie ist die Beziehung zwischen Borowski und Frieda Jung ? kann daraus was werden?

Von beiden Seiten besteht eine Spannung gegenüber dem Anderen und es herrscht eine gewisse Aufgeregtheit. Diese Spannung, die sich nicht erfüllt, ist gerade das Schöne an dieser Beziehung. Wenn es hier ein Happy End gäbe, könnten wir diesem Spiel mit dem Möglichen nicht mehr beiwohnen. Wir würden unsere Wünsche durch ihre Erfüllung zerstören.

Borowski hat sehr eigenwillige Ermittlungsmethoden ? so beschafft er sich etwa mit Drohungen Beweismaterial beim ?Kieler Boten?.

Borowski ist niemand, der die akkurate Anwendung der Bilderbuch-Ermittlungsmethoden vor alles andere setzt. Wenn er Witterung aufgenommen hat, dann ist sie so stark, dass er mit Ellenbogen durchbrettert. Das ist eine klassische Eigenschaft von Ermittlern, die alleine arbeiten. Für den Vorgesetzten ist das dann immer schwierig, und in der Regel versuchen die Kollegen, Borowski zu bremsen ? am Ende bekommt er aber doch Recht. Diese Methoden bringen ihm natürlich nicht die goldene Ehrennadel der Polizei ein, aber ich denke schon, dass ein Ermittler auch in einem auslegungsfreien Raum tätig sein darf. Wenn Gefahr im Verzug ist, kann man auch in der Formulierung nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Lars Jessen ? da haben sich offenbar zwei Kieler gefunden ...

Absolut ? das war wirklich ganz toll und wir haben uns wahnsinnig gut verstanden. Wir sprachen am Set zusammen platt, waren gemeinsam mit der Dauerkarte seines Onkels beim THW Kiel und haben uns dort ein Bundesligaspiel angesehen. Wir sind auch voller Pläne für die Zukunft. Ich mochte schon seinen Film ?Der Tag an dem Bobby Ewing starb?, den ich als Jury-Mitglied beim Max-Ophüls Festival in Saarbrücken gesehen hatte. Lars ist sehr vielseitig, sehr schnell und kompetent ? außerdem ist er ein ganz bodenständiger Familienmensch, was mir selbst entspricht und was ich sehr schätze.

Wie kommt es, dass ein Nordlicht wie Sie in München lebt?

Dieses Jahr ist bisher recht anstrengend gewesen ? ich habe zwei Filme in Kiel, zwei in Hamburg gedreht und nun acht Folgen ?Dr. Martin? in Neuharlingersiel in Ostfriesland ? das ist wirklich eine lange Strecke. Dafür müssten wir eigentlich in Hamburg wohnen, aber meine Frau ist Münchnerin und die Söhne gehen dort zur Schule. Es sind ja auch schöne Projekte, aber ich würde gerne auch mal in München oder in Bayern drehen.

Können Sie segeln?

Ich bin kein Segler, der alleine den Atlantik überqueren oder auch nur bis England segeln würde ? aber wir segeln auf dem Ammersee, wo meine Familie einen kleinen alten Kahn liegen hat und ich kann mich dabei wunderbar entspannen.

Wie sind die weiteren Pläne?

Ich drehe bis 17. Oktober ?Dr. Martin? ? dann ist Pause bis Februar ? danach steht der nächste Kiel-Tatort an. In diesem Jahr habe ich noch ?Das tapere Schneiderlein? mit Kostja Ullman und Karoline Schuch gemacht ? dann einen Film mit Ursula Karven in Lübeck und Hamburg, danach war ich mit Henning Mankell auf Lesetour und habe für den Hörverlag sein neues Buch ?Der Chinese? sowie zwei weitere Mankells eingelesen. ?Der Chinese? wird im November mit dem Buchpreis Corine in der Kategorie Hörbuch ausgezeichnet ... ein volles Jahr!!

NDR-Pressemappe


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