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Heute ist der: 18.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Ein Schmankerl zum 50. TATORT"

In der Tagesspiegel-Ausgabe vom 28. September 2008 hätte Markus Ehrenberg der Redaktion des Bayerischen Rundfunks zum Jubiläums-TATORT ein etwas besseres Händchen gewünscht:

Anders als in früheren Folgen verliert aber nicht einer der beiden TV-Polizisten sein Herz, sondern der Familienvater Gerd Weißenbach (Christoph Waltz), der ein Verhältnis mit einem Mann hat. Als dieser ermordet wird, müssen Leitmayr und Batic in Münchens Homosexuellen-Szene ermitteln. Dabei gelingen diesem TATORT berührende Momente, vor allem dem grandiosen Christoph Waltz in seiner Rolle zwischen Pflicht (Familie) und Neigung (schwuler Liebhaber). Zwischendrin legen Batic und Leitmayr sogar mal ein Tänzchen in einer Schwulendisco aufs Parkett. Das hatte dem Münchner TATORT noch gefehlt, dessen Protagonisten nicht gerade als Frauenversteher bekannt sind. Da hilft auch die hübsche Kommissarin Diana Sommerfeld (Anne Diemer) nicht, die dem Männerduo diesmal zur Seite gestellt wird.

Man hätte der Redaktion des Bayerischen Rundfunks zum Jubiläums-TATORT ein etwas besseres Händchen gewünscht. An die Qualität der Münchner Klassiker "Frau Bu lacht" oder "Viktualienmarkt" reichen Buch und Regie von "Liebeswirren" nicht heran. Da hilft auch kein Frotzeln.

Frank Kober schreibt am 27. September 2008 in der Märkischen Allgemeinen über einen feinsinnigen TATORT:

Dass ihr 50. TATORT dann aber doch ein Schmankerl wird, dafür sorgt nicht nur die fiese Story, die unsere Silberlocken ausgerechnet in die Münchner Schwulen-Szene führt, sondern vor allem die Entourage, die ihnen heute an die Seite gestellt wird. (...)

Regisseur Ineichen versteht es wunderbar, unsere Altherren-Cops durch die Klippen und Fettnäpfchen des Schwulen-Milieus zu lavieren, ohne beide Seiten unnötig zu diskreditieren ? die biederen Deppen hier, die Paradiesvögel da. Den Tabus der Szene begegnet er souverän mit Witz und Respekt, so dass sich Nemec und Wachtveitl galant durch ihren Mordfall ackern können. Auf hohem Niveau, wie immer, und auf Augenhöhe mit brisanten Fragen unserer Zeit.

Ein feiner und sinniger, ja, wie so oft ein feinsinniger TATORT. Was zu beweisen war. Erst recht zum Jubiläum.

Klaudia Wick schreibt am 27. September 2008 in der Berliner Zeitung über einen TATORT, der nicht zu den ganz großen sozialkritischen Stücken mit Batic und Leitmayr gehört:

Blickt man auf die illustre Reihe der letzten 50 BR-TATORTe, gehört "Liebeswirren" sicher nicht zu den ganz großen sozialkritischen Stücken - wie 1995 "Frau Bu lacht" über Kindesmissbrauch oder vor zwei Jahren "Kleine Herzen" über Vernachlässigung. Aber trotz aller (Selbst)ironie, die Regisseur Tobias Ineichen in die Inszenierung dieser Folge gelegt hat, verrät "Liebeswirren" doch an keiner Stelle die Tragik seiner Geschichte - was anderenorts beileibe nicht immer gelingt. Dass hier die Balance gehalten wird, ist das große Verdienst dieser beiden inzwischen in Ehren ergrauten TATORT-Brüder. Man möchte Batic und Leitmayr noch viele Jahre auf diesem Drahtseil der anspruchsvollen Unterhaltung tanzen sehen.

TV Movie schreibt über ein großartiges Zusammenspiel zwischen Nemec und Wachtveitl:

Großartiges Zusammenspiel zwischen Nemec und Wachtveitl. Man merkt, dass die beiden seit 1991 zusammenarbeiten, privat befreundet sind und in einer Band spielen. Selbstironische Spitzen leistet sich das Duo auch ? und erlaubt sich zum Jubiläum sogar einen Engtanz in einer Schwulenbar.

Am 19. September 2008 meint Brigitte.de, dass Batic und Leitmayr mehr und mehr zum alten Ehepaar mutieren:

Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) hatten in ihrer TATORT-Karriere, die 1991 begann, schon stärkere Fälle zu lösen, aber das Zusammenspiel der beiden, die mehr und mehr zum alten Ehepaar mutieren, ist einfach wieder "a mords Gaudi". Diese beiden Kommissare dürfen noch lange nicht in den Ruhestand entlassen werden.

Die Tageszeitung meint am 17. September 2008, dass der neueste Münchner-TATORT ein bisschen übertrieben ist:

"Liebeswirren", der am 28. September im Ersten läuft, ist sicher nicht der beste der 50 Tatorte, die Wachtveitl und Nemec in all den Jahren gedreht haben. Sie haben es ein bisschen übertrieben diesmal, mit den Frotzeleien und den Randgeschichten. Aber ? sei?s drum.

In der Frankfurter Rundschau schreibt Sylvia Staude am 27. September 2008 über risikofreudige aber auch routinierte Ermittlungen:

Batic/Leitmayr ermitteln so risikofreudig (Durchsuchungsbefehl? Welcher Durchsuchungsbefehl?), aber auch routiniert, wie man es nach 18 Jahren erwarten kann vom beliebtesten Tatort-Duo Deutschlands. Aber eigentlich geht es, wie in den meisten guten Krimis, nicht in erster Linie um die Mordgeschichte. Sondern um die handelsüblichen Verletzungen, Täuschungen, Seelenabstürze ("und ich war so glücklich"), um das falsche Schweigen und gefährliche Ausplaudern. Überwiegend stimmen die Nuancen dieser "Liebeswirren", nur an ein paar Stellen holt man den Humor mit dem langen Bart aus der Schachtel.

Prisma-online.de meint, dass Regisseur Ineichen stärker an den Milieuzeichnungen als am Fall interessiert war:

Schon der Plot verrät: Regisseur Tobias Ineichen ("Du gehörst mir"), der mit dem Münchner Ermittler-Duo 2005 bereits den Fall "Schneetreiben" inszenierte, war hier stärker an den Milieuzeichnungen als am Fall interessiert.

Zusammenstellung: Tobias Berger



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