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Heute ist der: 20.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Ein verblüffendes Januskopf-Paar

Der BR feiert den 50. TATORT mit Miro Nemec und Udo Wachtveitl

Die Münchner "Kommissare" Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, dieses ebenso unkonventionelle wie eingespielte Ermittlerpaar, ist geradezu ein Spezialistenteam für Jubiläen. Egal, ob nun der 300. oder 400. ARD-TATORT gedreht wird oder wieder mal eine runde Ausgabe beim BR ansteht - sie sind zur Stelle, machen ein Fass auf, schneiden eine Torte an. Diesmal, zum 50. TATORT der beiden, war aber doch alles noch ein wenig anders. Voller als sonst war es im Vollmar-Haus am Münchner Oberanger. Kunstvoller als sonst war die Rhetorik des Laudators Dominik Graf.
Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec bei der Pressevorführung zum 50. Tatort "Liebeswirren" Bild: BR/Natasha-I. Heuse

Zwei Brüder

Geahnt hatte man es ja immer schon, aber gesagt musste es erst noch werden: dass die beiden Lockenköpfe recht eigentlich Brüder - zumindest im Geiste - sind, da mögen sie auch noch so dauerhaft ihre verschiedene Abstammung hervorheben: "echter Münchner" der eine (Wachtveitl alias Franz Leitmayr), Immigrant aus Kroatien (Nemec alias Ivo Batic) der andere. Sie gleichen sich doch viel eher, als dass sie verschieden sind. Da hat Graf schon vollkommen recht.

Höchstes Lob von Kultregisseur Dominik Graf

Also höchstes Lob vom Kultregisseur, in Anspielung auf die Altvorderen, die vor ihnen da waren, auf Gustl Bayrhammer und Helmut Fischer zumal: "Ihr wart nicht nur jünger, ihr wart auch in ganz anderer Hinsicht komplett neu", sagte Graf, "denn Ihr hattet nicht eine 'Schimanski'-hafte Typologie aufzuweisen; Ihr hattet keine speziellen Attitüden, Ihr habt nicht von Anfang an gesagt, der eine von uns ist so und der andere ist so, der eine isst am liebsten beim Italiener, der andere im Schnellrestaurant." Stimmt: Das war der Trick, diese leichte Unauffälligkeit, das Undercover-hafte, trotz allen Frozzelns und Derbleckens und dem immer mal wieder machohaften Getue. Auch wenn man sie nicht gleich gegen die konkurrierenden WDR-Kollegen ausspielen will (die ungerechterweise den Deutschen Fernsehpreis und den Grimme-Preis viel früher bekamen), es ist so: Die Münchner waren, wie Graf betonte, "von Anfang an ein verblüffendes Januskopf-Paar". Und sie sind es "wahrhaftig geblieben".

Dominik Graf hielt die Laudatio bei der Pressevorführung zum 50. Tatort "Liebeswirren" Bild: BR/Natasha-I. Heuse
Man muss es ihren Entdeckern lassen - der Legende nach wurden sie ja von den Redakteuren Dietrich von Watzdorf und Silvia Koller im April 1989 bei einer Casting-Brotzeit in einem Münchner Biergarten entdeckt - die hatten die richtige Nase. Beim gebürtigen Kroaten - auch das hat Graf richtig beobachtet - kriecht die Wut meist nur langsam hoch, beim Münchner Leitmayr kommt sie in Schüben. Dass sie beide nicht wenig eitel sind, bekam der Dritte im Bunde, "der Carlo", immer wieder zu spüren. - Wie man jetzt weiß, wurde der als witziger Billard-Partner doch weit unterschätzt.

Liebeserklärungen an München

Auf die hochkalibrigen Ausgaben der vergangenen Jahre braucht nicht eigens hingewiesen zu werden. Die Liebeserklärungen an München, selbstredend aus kritischer Perspektive, gehören dabei fraglos zu den besten Filmen der Reihe: "Starkbier", "Das Glockenbachgeheimnis", "Der Traum von der Au", "Der oide Depp", oder wie sie auch alle heißen mögen.

Das Publikum war bei der Pressevorführung zum 50. Tatort "Liebeswirren" begeistert Bild: BR/Natasha-I. Heuse
Die Frage ist: Wie soll es weitergehen, und wie lange noch? - "Damals haben wir uns nicht festgelegt", erklärte dazu Wachtveitl wie immer lässig, "man musste sich auf wenigstens sechs Folgen festlegen, aus rechtlichen Gründen. So spontan halten wir es auch mit dem Schluss." Um hinzuzufügen: "Irgendwann wird's einfach sein - dann wird man's spüren, dann wird man es wissen. Vielleicht wird es ja auch einfach eine geriatrische Frage." So sprach's der Kommissar - und ging mit dem Miro ab zur Torte.

"Auf weitere 50!"

Dass der 50. Nemec-Wachtveitl-Tatort, "Liebeswirren", ein bisschen zu schlicht das Thema Homosexualität bedient - geschenkt. Indessen sollte man sich jenseits der gut gepflegten Political Correctness und des bajuwarisch Kompatiblen auch mal wieder in den politischen Underground wagen. Sonst wird's vielleicht auf Dauer doch zu brav. Auf weitere 50!

Wilfried Geldner (_teleschau - der mediendienst)


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