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Heute ist der: 16.11.2018. --> Bis heute wurden 1084 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Kappl unter Kumpeln

Jetzt trägt er Bergmanns-Kluft. In großen Schritten kommt der Bayer der Seele des Saarlands näher. Musste sich Kriminalhauptkommissar Franz Kappl, gespielt vom oberbayerischen Jungstar Maximilian Brückner, in seinem ersten TATORT-Fall noch gegen die Abneigung der Saarbrücker Kollegen durchsetzen, durfte er in der zweiten Folge schon mit der Kollegin aus der Pathologie anbandeln. Nun schickt der Saarländische Rundfunk (SR) den Neuzugang unter Tage und dreht in 1.000 Metern Tiefe seinen technisch bislang aufwendigsten TATORT. Der Bergbau, der im Saarland zu Ende geht, bekommt damit eine Art filmisches Denkmal gesetzt.

© SR/Manuela Meyer
Wenige Wochen vor Drehstart am 1. April gewann das Thema noch einmal unerwartet an Brisanz: Im Februar 2008 sorgte das bislang schwerste Grubenbeben im Saarland dafür, dass die Diskussion um das Ende des Bergbaus aufs Heftigste neu entfacht wurde.

Das TATORT-Team dreht Das schwarze Grab im stillgelegten Bergwerk Reden nahe Saarbrücken und später auch im Ausbildungsbergwerk Velsen bei Völklingen. Regisseur Gregor Schnitzler, der zuletzt unter anderem "Die Wolke" von Gudrun Pausewang ins Kino brachte, ist begeistert, dass er die Kulisse für seinen ersten TATORT nicht im Studio nachbilden musste. "Ich habe gesagt: Bitte, bitte, lasst mich runter in den Berg!"


Diese "heiligen Orte" wirken auch auf die Schauspieler: Im Bergwerk Reden stehen sie 1.000 Meter tief unter der Erde, zusammen mit echten Bergleuten als Kleindarstellern. Mehr Authentizität geht eigentlich nicht. Mal eben raus eine rauchen ist da nicht. Wenn überhaupt wird nur zur Mittagspause hochgefahren - oder, wie an diesem Tag, um kurz der Presse von dem Abenteuer zu berichten.

Fasziniert von der Welt des Bergbaus

Vorteilhaft für die Produktion: Klaustrophobische Anfälle unter den Schauspielern - zu den Episodenhauptdarstellern gehören diesmal Adrian Topol ("An die Grenze") und Tobias Oertel - blieben aus. Etwas mitgenommen sehen sie zwar aus, nach dem unter-Tage-Dreh ohne Tageslicht, mit Staub in den Atemwegen. Doch Maximilian Brückner, bekannt für seine Verbundenheit zur eigenen bayerischen Heimat, wo "Berg" eher Frischluft-Assoziationen hervorruft, ist sogar völlig fasziniert von der Welt des Bergbaus. "Die Jungs da unten find ich super", schwärmt der 29-Jährige kohleverschmiert. "Diese Disziplin, diese Freundschaft - das ist ein ganz eigener Kosmos." Alle sind sich einig: Die besondere Solidarität unter den Bergleuten hat sich schon auf das komplette Drehteam übertragen.

Unter Tage: Brückner im TATORT "Das schwarze Grab"© SR/Manuela Meyer
Brückners Kollege und mittlerweile auch guter Freund Gregor Weber alias Kriminalhauptkommissar Stefan Deininger weiß: "Bergarbeiter ist kein Beruf, den man nur für den Lebensunterhalt ausübt. Das ist mehr." Man merkt, dass dem Saarländer selbst ein wenig Bergmannsblut durch die Adern fließt: "Es ist eine extrem enge Kameradschaft. Sie müssen sich ja aufeinander verlassen können. Sie haben mir erzählt, dass sie vor jeder Schicht zusammen beten. Und ich habe auch beobachtet: Bergleute stehen immer sehr nah beieinander."

Der TATORT gestattet sich kein Urteil

Der 39-Jährige, der heute in Berlin lebt, hat auch ein Gespür für die aktuelle Situation der Bergleute: "Viele Jahrzehnte lang war das auch politisch ein herausgehobener Beruf. Der Bergmann war ein Held - er leistete unter Lebensgefahr schwerste körperliche Arbeit für den Fortschritt, die Energieversorgung. Jetzt auf einmal wird er - so kommt es zumindest vielen vor - angesehen wie ein Verbrecher, weil der Bergbau so angefeindet wird." Ebenso wenig wie der TATORT gestattet er sich jedoch ein Urteil: "Die grundsätzliche Diskussion der Geschädigten einerseits und der verängstigten Bergleute andererseits ist dramatisch für beide Seiten."
Das Saarbrücker "Tatort"-Team dreht unter Tage im Füllort, der sogenannten "Kathedrale". © SR/Manuela Meyer

Kein herkömmlicher TATORT

Die Geschichte von TATORT: Das schwarze Grab basiert auf dem gleichnamigen Roman von Martin Conrath, das Drehbuch schrieb Thomas Kirchner ("Das Wunder von Berlin"). Diesmal wird vor dem Hintergrund von Grubensenkungen, Grubenschließungen und des Konflikts zwischen Bergbaugeschädigten und Bergleuten in Sachen Mord ermittelt. Beim Festakt unter Tage zur Schließung der fiktiven "Karlsgrube", der letzten im Saarland, mischt sich Kappl unter die feierliche Gesellschaft. Da zerstört eine Explosion den Zugang nach oben. Während nun Deininger, der ewige Zweite, oben alleine den Mörder einer jungen Bergmannsfrau jagt, geht auch unter Tage einer um. Und die Luft wird immer knapper ... Klar, dass das, was voraussichtlich am 14. September 2008 im Ersten zu sehen sein wird, "kein herkömmlicher TATORT ist. Regisseur Gregor Schnitzler beschreibt ihn so: "Es ist ein emotionaler Stoff, ein großer Krimi, ein Katastrophenfilm!" - Dennoch ist es eine "Eventproduktion zum TATORT-Budget", wie es Producer Peter Lohner formuliert. Möglich gemacht "durch den guten Willen aller Beteiligten." Da weht er wieder, der Geist der Solidarität.

"Bergbau ist einfach mal dran gewesen im Saar-TATORT"

Stephan wird im neuen TATORT in Mitleidenschaft gezogen - Frau Braun kümmert sich um ihn. © SR/Manuela Meyer
Demnächst wird die 700. TATORT-Episode gezeigt. Soziales Milieu, gesellschaftliche Relevanz gehören ebenso zur Reihe wie die Fanfaren im Vorspann und regionaltypische Eigenheiten. "Wir hatten in den letzten Palu-Jahren zu viele Zahnarztvillen, zu viel Derrick-Milieu", findet Gregor Weber. "Bergbau ist einfach mal dran gewesen im Saar-TATORT. Dass wir jetzt damit in eine so aufgeladene und hoch komplizierte Lage platzen, ist natürlich nicht beabsichtigt gewesen, aber ich finde, die beiden Lager, Pro- und Antibergbau kommen mit berechtigten Argumenten zu Wort."

Bereits vor drei Jahren wurde Redakteurin Dr. Inge Plettenberg auf Conraths Roman als Stoff für den SR-TATORT aufmerksam. Relevant sei das Thema aber nicht nur für die Saarländer: "In allen Gegenden, in denen Bergbau betrieben wird und Strukturwandel stattfindet, wird das verstanden werden", ist sie überzeugt. Nichtsdestotrotz soll der Bergbau aber nur der Rahmen eines spannungsgeladenen Krimis bleiben: "Es geht immer noch um Mord und Totschlag."



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