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Heute ist der: 08.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Die Handlung spielt durchaus vor einem reellen Hintergrund"

Interview mit Prof. Dr. Michael H. Förster

Dr. Nicolai testet, ob der eingepflanzte Chip bei Patientin Kerstin Vonk funktioniert. Bild: rbb/Hardy Spitz
Welche verschiedenen Projekte gibt es, Blinde wieder sehen zu lassen?
Die verschiedenen Strategien lassen sich in biologische und technische Lösungsansätze unterteilen. Bei den biologischen Ansätzen wird versucht, mit gentechnischen und molekularbiologischen Methoden die degenerativen Prozesse im Auge zu stoppen und verloren gegangene Photorezeptoren zu ersetzen. Bei den technischen Ansätzen wird versucht, durch Implantation eines Chips die Netzhaut im Auge zu stimulieren, bzw. durch Stimulierung des optischen Nervs die Sehfähigkeit partiell wieder zu erlangen.

Wie bewerten Sie die Erfolgsaussichten?
Auch wenn wir international mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln ausgestattet sind, gehören die Forscherteams aus Deutschland mit der Entwicklung eines Augen-Chips zur Weltspitze. Man darf aber nicht vergessen: Das Auge blickt auf eine evolutionäre Entwicklungsgeschichte von 150 Millionen Jahren zurück, während wir auf diesem Gebiet seit ungefähr 25 Jahren nach Lösungen suchen. Die Forschung steht am Anfang des Weges und es ist schwer zu beurteilen, welche Lösungen zum Ziel führen werden.

Wie werden jahrelange Forschungs- und Entwicklungskosten getragen?
Die Forschungsprojekte funktionieren nur durch das Zusammenspiel von Industrie, Forschung und Politik. Neben dem Engagement der Wirtschaft stammen Forschungsgelder vor allem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Private Spenden machen in Deutschland leider nur einen kleinen Teil der Finanzierung aus. Davon abgesehen ist zusätzlich auch privates Engagement der Mitwirkenden gefragt. So arbeite ich bei der Beratung der Forschungsprojekte auf ehrenamtlicher Basis.

 Prof. Dr. Michael H. Förster
Prof. Dr. Michael H. Förster ist seit knapp 20 Jahren Leiter der Augenklinik des Universitätsklinikums Benjamin Franklin in Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Diagnostik von Netzhauterkrankungen, die optimale Netzhautchirurgie und die Grundlagenforschung des Sehsystems. Von 1996 bis 2004 war er Präsident der Retinologischen Gesellschaft sowie von 2004 bis 2005 Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Förster ist des weiteren Mitglied der Retina Society in Boston und wurde 2005 für seine Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Wie groß ist der Kampf um Gelder für die Forschung?
Da die Forschung ohne Unterstützung des BMBF nicht möglich wäre, stehen die unterschiedlichen Projekte natürlich auch in einem gesunden Wettbewerb zueinander. Letztendlich wacht jedoch eine unabhängige Kommission innerhalb des Ministeriums über die gerechte Verteilung der Gelder.

Im Tatort ?Blinder Glaube? werden Rückschläge in der Forschung verschwiegen, um die weitere Finanzierung eines Projektes nicht zu gefährden. Inwiefern deckt sich das mit der Wirklichkeit?
Die Handlung spielt durchaus vor einem reellen Hintergrund. Man denke nur an den südkoreanischen Forscher [Anmerkung: Hwang Woo Suk] und seinen vermeintlichen Durchbruch in der Stammzellenforschung. Oftmals werden solche Fälschungen aber durch die internationale Forschergemeinde aufgedeckt. Dieser Selbstreinigungsmechanismus funktioniert recht gut, da durch internationale Publikationen und die Vernetzung untereinander die Forscherteams weltweit darüber informiert sind, was von wem veröffentlicht wird.

Wann wird der erste Blinde wieder sehen können?
Wenn wir das gesunde menschliche Auge als Maßstab nehmen, dann werde ich das sicherlich nicht mehr erleben. Es geht aber vielmehr um das Erreichen des nächsten Etappenziels. Momentan ist unser Chip in der Lage einer erblindeten Person die Wahrnehmung von Hell und Dunkel, Vertikal und Horizontal zu ermöglichen. Der nächste Schritt wird die Orientierung im Raum sein, so dass für die erblindete Person mit Hilfe des Augenchips das Sehen wieder der primäre Wahrnehmungssinn sein wird.


Das Interview entstand im Juni 2008 in Berlin

RBB-Pressemappe


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