Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 16.12.2019. --> Bis heute wurden 1125 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Der Chip im Auge

?...das Auge ist unser Weltsinn? (J. F. Fries, 1818)

Jährlich verlieren weltweit 1.5 Millionen Menschen ihren Weltsinn. Neben parasitären Erkrankungen in den Entwicklungsländern sind es insbesondere degenerative Erkrankungen der Netzhaut, die zur Erblindung führen. Mit zunehmendem Älterwerden der Bevölkerung steigt die Zahl der Betroffenen erheblich an. Es versteht sich deshalb von selbst, dass alles nur Mögliche unternommen werden muss, hier helfend einzugreifen, denn keinem von uns erscheint der Verlust des Sehens als angemessener Preis für das Älterwerden!
 Prof. Dr. Reto Weiler
Prof. Dr. Reto Weiler wurde 1986 an die Universität Oldenburg auf den Lehrstuhl für Neurobiologie berufen. Der Wissenschaftler ist Koordinator des Sonderforschungsbereiches Neurokognition, der gemeinsam von den Universitäten Bremen und Oldenburg getragen wird, sowie Direktor des Forschungszentrums Neurosensorik. Darüber hinaus ist er Mitglied im Fachkollegium Neurowissenschaften der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Honorarprofessor der Queensland University, Australien und Träger mehrerer internationaler wissenschaftlicher Auszeichnungen, u. a. des Max-Planck-Forschungspreises. Weiler war zudem langjähriges Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des BMBF zur Entwicklung von Sehprothesen. Sein Arbeitsgebiet ist die Erforschung der neurobiologischen Grundlagen des Sehens.
So konzentrieren sich in Europa, den USA und Japan denn auch die Forschungsansätze insbesondere auf die Therapierung degenerativer Erkrankungen der Netzhaut. Im Verlauf dieser Erkrankungen degenerieren vor allem die Photorezeptoren der Netzhaut, also diejenigen Zellen, die die eingefangenen Lichtquanten in ein neuronales Signal umwandeln. Die Neurone der Netzhaut, die aus diesen Signalen die ersten visuellen Informationen über unsere Umwelt generieren und diese an das Gehirn senden, sind dagegen weniger von Degeneration betroffen.

Die Therapieansätze lassen sich in zwei große Gruppen einteilen: Mit molekularbiologischen und gentechnischen Methoden wird versucht, die degenerativen Prozesse zu stoppen respektive verloren gegangene Photorezeptoren zu ersetzen. Neben diesem biologischen Ansatz versucht man aber auch, technische Lösungen voranzutreiben, die den Verlust des Sehens durch eine technisch-neuronale Kopplung kompensieren können. Beide Ansätze, der biologische wie der technische, haben Vor- und Nachteile, und zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt sich keinesfalls sagen, welcher der beiden einmal der erfolgreichere sein wird. Daraus erwächst die Verantwortung, beide Ansätze zu fördern, was gegenwärtig auch international geschieht. Als Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Bundesministeriums für Bildung und Forschung habe ich die Entwicklung so genannter Sehprothesen seit 1995 verfolgt und mitgestaltet.

Es ist von großer Wichtigkeit, mit aller Deutlichkeit festzuhalten, dass der Begriff Sehprothese nicht bedeutet, dass mit einer solchen technischen Hilfe einer Person jemals ein Sehen zurückgegeben werden kann, wie es für uns so selbstverständlich ist. Wann immer wir unsere Augen öffnen, sehen wir, und dieser Prozess läuft so ohne jede Anstrengung, dass er uns als ein ganz einfacher erscheinen mag. Dem ist nicht so, im Gegenteil, Sehen ist ein außergewöhnlich komplexer Prozess, der ständig einen nicht unerheblichen Teil unseres Gehirns beschäftigt. Diesen Prozess in seiner Vollkommenheit jemals technisch zu ersetzen, ist unrealistisch. Vielmehr wird es darum gehen, eine vereinfachte Sehleistung zu ermöglichen, die den betroffenen Personen eine Lebensgestaltung möglichst ohne fremde Betreuung erlaubt. Dazu gehört zum Beispiel Orientierung in vertrauter Umgebung, Gesichter- Erkennung und partielle Lesefähigkeit.

(Quelle: Weiler, Reto: Neurokognition I. Der Chip im Auge. Erschienen in: Einblicke Nr. 39, S. 5-8, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, 2004.)

RBB-Pressemappe


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3