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Heute ist der: 15.12.2019. --> Bis heute wurden 1125 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Mord unter Freunden

Bei ihrem zweiten Fall müssen die Kommissare Lannert und Bootz einen Einsatz von Kollegen der Drogenfahndung untersuchen. Ein Polizist, zwei Dealer und ein verdeckter Ermittler des LKA wurden bei einem Einsatz des Drogendezernats erschossen. Eine Festnahme, die eskalierte, sagen die Drogenfahnder Wolf und Wippermann aus. Bootz glaubt ihnen, denn er kennt die Kollegen als integer. Lannert hingegen glaubt, dass die beiden sich bei dem Einsatz bereichern wollten.

Freundschaft, Vertauen, Verrat?

Wie so üblich bei Ermittlungen in den eigenen Reihen, wird den Themen Loyalität, Freundschaft und Vertrauen oder Verrat viel Raum gegeben. Bootz gerät also in einen Konflikt, da nicht nur er, sondern auch seine Frau mit den Wippermanns eng befreundet ist. Besonders schwierig gestaltet sich die Situation auch für Wippermann, der den Glauben an die geltende Rechtsordnung und den Sinn seines Polizeidienstes verloren hat. Die Konfliktlinien sind kaum pathetisch überzeichnet und wirken somit nicht überzogen theatral, sondern erstaunlich ehrlich. Zu verdanken ist dies vor allem dem grandiosen Charly Hübner.

Bootz (Felix Klare, li.) und Lannert (Richy Müller, re.) haben am Tatort jede Menge Drogen gefunden. Das scheint die Aussage von Wolf (Bernd Gnann, Mitte) zu erhärten. © SWR/Stephanie Schweigert
Und wie die Moldau, um das etwas überstrapazierte Motiv noch einmal zu bemühen, sich von einem ruhig dahinplätschernden Fluss zu einem reißenden Strom entwickelt, kommt auch der Fall zunehmend in Schwung. Angereichert mit ein wenig Action, einer klischeehaften, drogenabhängigen Informantin, herzzerreißenden Familienszenen und der obligatorischen Einstellung, die die verdächtigen Ermittler im Puff zeigt - ist der Krimi gar keine so schlechte Melange. Wer allerdings im Fernsehkrimi einem LKA-Mann, der sich gegen den Willen der ermittelnden Kollegen in den Fall einmischt, auch nur eine Sekunde lang über den Weg traut, dem ist wirklich nicht zu helfen.

Die Diskrepanz zwischen Recht und Gerechtigkeit

Hoffnungslos verloren sind - wo Idealismus zu einem längst überholten Wert verkommt - auch die Gerechtigkeitsfanatiker. "In eigener Sache" setzen sie sich über das Gesetz hinweg, um die Kluft zwischen Recht und Gerechtigkeit auszugleichen. Folgerichtig und juristisch korrekt, wird zumindest Wolf für sein Handeln zur Rechenschaft gezogen. Bootz hingegen propagiert seine Überzeugung, dass er als Polizist das geltende Recht zu vertreten habe - selbst wenn dies nicht zu Gerechtigkeit führt. Dieses Statement klingt, aus dem Munde eines deutschen Fernsehkommissars, zunächst so einfach und logisch wie es Bootz über die Lippen kommt.

In der Tradition der TATORT-Ermittler ist dieses Bekenntnis aber eher unüblich. Denn schon mit der ersten Folge "Taxi nach Leipzig" wurden die Dimensionen Recht und Gerechtigkeit neu bewertet, indem Trimmel sich über alle Dienstvorschriften hinweg setzte, die Rechtsordnung ignorierte und den per Gesetz schuldigen, aber moralisch entlasteten Täter - das erste Mal im westdeutschen Fernsehen überhaupt - laufen ließ. Im Folgenden haben sich spätestens seit Schimanski Generationen von TATORT-Kommissaren an der Tatsache, dass Recht nicht unbedingt Gerechtigkeit schafft, abermittelt.
Wolf (Bernd Gnann, li.) erzählt Bootz (Felix Klare, Mitte) und Lannert (Richy Müller, re.), wie es geschehen konnte, das sein Kollege von dem Rohbau gestürzt wurde. © SWR/Stephanie Schweigert


Sicherlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass diese Kommissare nicht wie Wolf gemordet haben, um ihre Vorstellungen von Gerechtigkeit durchzusetzen. Vielmehr haben sie mehr oder weniger still an ihrer Machtlosigkeit gelitten. Einer Machtlosigkeit gegenüber der Ungerechtigkeit der Welt, die sich für Schimanski beispielsweise oft darin manifestiert hat, da er nur die Handlanger, in den seltensten Fällen aber die Hintermänner großangelegter Verbrecherbanden belangen konnte. Den bis dato unerschütterlichen Glauben an die Rechtsordnung teilen und teilten sie aber jedenfalls alle nicht mit Bootz.

Die goldene Mitte

Drei Fälle, so die verantwortlichen Redakteure des SWR, sind nötig, um ein neues Ermittlerteam zu etablieren. Damit eine Basis geschaffen wird, auf der andere aufbauen können, ohne die Figuren ständig neu erfinden zu müssen. Um diese Kontinuität zu erreichen, stammen die Drehbücher der ersten drei Fälle aus der Feder von Karsten Schmidt und das zu etablierende Privatleben der beiden Kommissare ist auch im zweiten Fall wieder eine feste Größe. Gerade im Mittelteil des Triptychons wird der tragische Held Lannert besonders strahlend in Szene gesetzt. Selbstlos weist der ehemalige V-Mann, der "schon ein Leben hinter sich hat" die bezaubernde und unbeschwert-jugendliche Studentin, die ein Auge auf ihn geworfen hat, zurück. Bevor er sich ein wenig Freunde in seinem neuen Leben gönnt, leidet er lieber weiter still und leise vor sich hin,....

Dass er schon lange nichts mehr zu verlieren hat, macht es ihm im Übrigen wiederum leichter, geltende Gesetze zu ignorieren und einer Drogendealerin nebenbei ein wenig Stoff aus der Asservatenkammer zuzustecken. Obwohl dies Bootz` Berufsauffassung gründlich widerspricht, kommen die beiden sich dann schließlich doch zunehmend näher und landen auf Bootz` Ledercouch bei Bier aus der Flasche und beim Du. Eigentlich ein versöhnliches Ende, wäre da nicht noch Lannerts Foto von Frau und Kind, das bereits seinen dunklen Schatten vorauswirft,....

Katharina Gamer


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