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"Ein Sprung in optisches Neuland"

Tilmann P. Gangloff schreibt im Kölner Stadt-Anzeiger am 23. Mai 2008 über einen nicht sonderlich spektakulären ersten Fall für Keppler und Saalfeld:

Der erste Fall ist nicht sonderlich spektakulär, aber Patrick Winczewski inszeniert den Film für Leipziger Verhältnisse ungewöhnlich forsch und mit viel Großstadt-Ambiente. Die rockige Musik, die auch mal melancholische Momente hat, gibt dabei das Tempo vor. Entscheidender aber ist natürlich, wie gut das neue Team funktioniert; und das tut es ausgezeichnet. Theatermann Wuttke ist dabei eindeutig die Überraschung: alles andere als ein Fernsehgesicht und entsprechend gewöhnungsbedürftig, aber eine ausgezeichnete Besetzung für den mitunter fast autistisch wirkenden Keppler, in dessen Orbit Nebensachen wie etwa Alltagshöflichkeit keinen Platz haben.

Das Autoren-Team Mario Giordano und Andreas Schlüter hat den Kommissar mit einigen hochinteressanten Details ausgestattet. Schon allein die beinahe Monk-mäßige Introvertiertheit hebt ihn aus dem Kreis der Sonntagsermittler heraus. Bester Einfall aber ist die Idee, ausgerechnet ein Ex-Ehepaar zu einem Team zu kombinieren: Für beide ist das eine völlig neue Herausforderung, doch natürlich verstehen sie sich, ohne große Worte machen zu müssen. Und die nachdenklichen Seitenblicke gerade von Eva Saalfeld deuteten an, dass die Partnerschaft durchaus auch ein gewisses romantisches Potenzial hat.

In der netzeitung ist Christian Bartels am 24. Mai 2008 der Meinung, dass "Todesstrafe" kein herausragender Film ist: 

Hauptkommissarin und Hauptkommissar waren bis vor drei Jahren verheiratet. Jetzt müssen sie als Geschiedene beruflich zusammenarbeiten. Geht das? Geht da noch was? Diese Andeutungen legt Simone Thomalla in viele ihrer Blicke, und sie nervt damit zumindest weniger als Martin Wuttke.

Dieses kleine Geheimnis der Kommissars-Konstellation kommt nach 45 Minuten ans Licht, und es ist das letzte halbwegs interessante Geheimnis des Films. Wer der Mörder ist, kommt natürlich erst am Ende raus, aber das ist ziemlich egal. Weniger wegen der Handlung, die klingt durchaus ganz vielversprechend für einen "Tatort"-Krimi. (...)

"Todesstrafe" ist kein herausragender Film. Wer bisher die "Tatorte" vom MDR nicht schätzte, wird sie voraussichtlich auch weiterhin nicht schätzen.

Sylvia Staude schreibt am 24. Mai 2008 in der Frankfurter Rundschau über einen gewagten Sprung in optisches Neuland:

Nicht nur mit Wuttke und Thomalla, auch sonst hat der MDR zum Jubiläum des 700. Tatorts einen Sprung in optisches Neuland gewagt. In Leipzig spiegeln sich, dafür hat Regisseur Patrick Winczewski gesorgt, nun Neonschilder in Pfützen als wär's Las Vegas, ziehen Rücklichter Leuchtfäden durchs Dunkel. Begleitet melancholischer Gitarrenklang die Akteure. Und wird eine alte Industriehalle zum Veranstaltungszentrum "Fabrik". (...)

Um moralische Schuld geht es in diesem Tatort ebenso wie um die der eigentlichen Tat, furchtbar kaltschnäuzige Menschen kommen da ins Spiel; aber sie werden einem plausibel gemacht in all ihrer Selbstgerechtigkeit. Und immerhin bekommen sie es jetzt mit Keppler/Saalfeld zu tun, die eines nun gar nicht sind: väterlich-behäbige Hausmeister. Wenn die hinter jemandem das Licht ausmachen müssen, knallt es.

Über einen TATORT, der wenig temporeich und aktionsgeladen ist, schreibt Jochen Hieber in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

Temporeich und aktionsgeladen, das zeigt schon die Eingangsszene, wird dieser siebenhundertste ?Tatort? nicht sein. Das Drehbuch (Mario Giordano mit Andreas Schlüter) und die Regie (Patrick Winczewski) nehmen sich vielmehr Zeit, um nach dem letztjährigen Ende der Dresdner, später auch schon Leipziger Ermittlerära von Ehrlicher und Kain jetzt den Neubeginn personell wie atmosphärisch plausibel in Szene zu setzen. Also tastet die Kamera erst einmal das Terrain ab und liefert elegische Szenerien aus dem sanierten Zentrum und der immer noch an DDR-Zeiten erinnernden Peripherie des neuen Leipzig.

In den Mittelpunkt der Handlung setzt dieser ?Tatort? deshalb auch nicht den dynamischen Fortgang der Ermittlungen, sondern die behutsame, neuerliche Annäherung eines lange geschiedenen, nun aber beruflich wiedervereinten Ehepaars. (...)

Mit verhalten innigem Blick auf sein Gegenüber antwortet der Schauspieler Martin Wuttke sanft: ?Nie genug gesehen.? Und dann setzt er jenes leise Lächeln auf, das fortan den ganzen Film prägen und ihm eine Aura von Ironie und Melancholie bescheren wird: Begründete Skepsis vor einer auch privaten Renaissance schließt die stille Hoffnung nicht aus, dass genau dies geschehe. Dank der Professionalität beider Schauspieler vermeidet ihr erster gemeinsamer ?Tatort? gerade noch erfolgreich die Falle des Beziehungskitsches. (...)

Zur Aufklärung des Mordes selbst bietet das Drehbuch ein paar so aktuelle wie latente gesellschaftliche Probleme auf, zumal den Missbrauch von Minderjährigen. Und dann ist der Täter auch schon gefasst.

TVMovie.de ist der Meinung:

Das Potenzial wird nicht ganz genutzt



Klaus Raab schreibt am 25. Mai 2008 in der taz über die Beziehung der Figuren, die diesem neuen "Tatort" das Potenzial verleiht, wiederholbar gut zu sein:

Was Keppler auszeichnet, ist, ein Ortloser zu sein. Das ist im eigentlich regional verankerten "Tatort" nicht völlig neu, aber bei Keppler doch besonders auffällig: Im Moment der Ankunft in der neuen Stadt steckt er bereits in der Routine - der Arbeit. Das hat seine Vorteile, ist doch das schwer Erträgliche an "Tatort"-Folgen, die das Regionale überstrapazieren, dass individuelle Verhaltensweisen von Figuren zu Mentalitäten einer ganzen Region hochgejazzt werden. (...)

Es ist die Beziehung ihrer Figuren, die diesem neuen "Tatort" das Potenzial verleiht, wiederholbar gut zu sein.

Am 24. Mai 2008 schreibt Frank Kober in der Märkischen Allgemeinen über ein gelungenes Debüt, das aber keinen knackigen Krimi zeigt:

Präsentiert uns doch Regisseur Patrick Winczewski die neuen Kommissare wie zwei Muster, die wir betrachten, bestaunen und erstmal testen sollen. In einer Stadt, die unter dem Doppel-M für ?Muster Messe? steht, mag das opportun sein. Für einen flotten Auftakt unseres neuen Duos ist dieser Ansatz jedoch zu lasch (...)

Ein brandheißes Thema, gewiss. Doch Saalfeld und Keppler müssen vorerst mit angezogener Handbremse fahren und ihren ersten Fall wie nebenbei lösen. In der Hauptsache haben sie nämlich Hände zu schütteln, neue Kollegen zu begrüßen und sich gegenseitig zu beschnuppern. Das macht den Krimi sehr diffus und übertüncht die Dramatik der Ereignisse. Aber immerhin: Ihre Biografien und die vielen unverbrauchten TV-Gesichter (u.a. Maxim Mehmet, André Röhner) sind vielversprechend. Das kann noch prickelnd werden.

Fazit, also: Gelungenes Debüt ? ja, knackiger Krimi ? nein.

Am 24. Mai 2008 schreibt nachrichten.at über das neue Ermittler-Ex-Ehepaar aus Leipzig:

Saalfeld und Keppler waren einst ein Paar, die Scheidung nach dreijähriger Ehe ist zehn Jahre her. Bei der Polizei werden sie wieder zusammengespannt. Sie treten urban auf, dialektfrei, weltoffen, aber glattgebügelt kann das Duo schon aufgrund seiner gemeinsamen Vergangenheit nicht daherkommen. (...)

Das private Beziehungsgeflecht, das doch rein dienstlich ist und der Rolle entspricht, wird in der ersten Folge eindringlicher als der vorliegende Verbrechenshergang entwirrt.

Zusammenstellung: Tobias Berger



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