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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Wie machen wir dem Zuschauer Lust darauf, beim nächsten Mal wieder einzuschalten?"

Interview mit MDR-TATORT-Redakteur Sven Döbler

MDR-Redakteur Sven Döbler, Bild: MDR/Axel Berger
Gab es einen besonderen Grund für den MDR im neuen TATORT-Team - wie so viele andere Sender - eine Frau zu engagieren?
Nun ja, wir haben eine Frau und einen Mann engagiert... Uns ging es hauptsächlich um eine interessante Kombination, die uns die Möglichkeit gibt, jeden Fall aus sehr unterschiedlichen Sichtweisen heraus zu interpretieren und Lösungen anzugehen. Egal, ob Frau oder Mann: Hauptsache, interessant! Dann gucke ich auch gern hin.

Der Dialekt war im TATORT ja mal ganz wichtig, früher wurde er öfter gesprochen als heute. Simone Thomalla kommt aus Leipzig und könnte wunderbar sächseln, sagt sie. Warum darf sie es nicht, auch nicht ein bisschen?
Geht das denn ? ein bisschen sächseln? Peter Sodann war sicher ein Meister der perfekten Dosierung der sächsischen Sprechmelodie ? mehr davon würde dazu führen, unsere Kommissarin unfreiwillig komisch wirken zu lassen. (Als gebürtiger Leipziger darf ich das sicher sagen...) Das Sächsische ist in den MDR-TATORTEN durch Episodenfiguren präsent.

Sie haben als MDR jetzt den 700. TATORT bekommen und feiern gleich auch noch mit dem Jubiläum den Team-Einstand. Mehr Beachtung geht kaum. Worauf haben Sie bei der Entwicklung dieses Films besonders geachtet, was war Ihnen wichtig?
Wir haben den TATORT ?Todesstrafe? ja nicht als 700. entwickelt, diese Möglichkeit ergab sich erst viel später... Dieser TATORT ist der erste Film, in dem wir unsere neuen Kommissare kennenlernen. Das Wichtigste war deshalb für uns: Wie lösen wir unsere Vorstellungen ein, sie als ernsthafte und glaubwürdige Ermittler auftreten zu lassen, die das Herz und den Verstand des Zuschauers erreichen? Wie stark ist der Fall, den Eva Saalfeld und Andreas Keppler lösen müssen, und lässt er ihnen genügend Raum, um als Charaktere in den Vordergrund treten zu können? Wie viel verraten wir schon von ihren Biografien? Wie machen wir dem Zuschauer Lust darauf, beim nächsten Mal wieder einzuschalten?

Das neue Team aus Leipzig, Bild: MDR/Junghans
Können Sie das neue Team kurz beschreiben: Was ist das besondere, worin unterscheidet es sich ganz deutlich von anderen, was macht es "einmalig" in der TATORT-Ermittlerriege?
Eva Saalfeld und Andreas Keppler sind eine Frau und ein Mann, die gleichberechtigt ermitteln, beide sind in den besten Jahren, in der Mitte des Lebens, und sie waren mal miteinander verheiratet. Also haben sie beruflich eine Menge Erfahrungen gesammelt (und tun es auch weiterhin), und sie kennen sich persönlich sehr genau. Das erzeugt, bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Ermittlungsweisen und den Krisen, die sich daraus ergeben, immer wieder die Möglichkeit einer große Nähe und Wärme zwischen den Kommissaren, die ich als sehr wohltuend empfinde.

Wichtig war dem neuen Kommissar-Darsteller Martin Wuttke die Mitbestimmung bei den Stoffen und Drehbüchern. Wie gehen Sie als Redakteur damit praktisch um?
Wir sind ja schon, seit die Besetzung feststeht, im Gespräch mit Simone Thomalla und Martin Wuttke: über die Charaktere der Kommissare, ihre Beziehung zueinander, ihre Vorlieben... Und so tauschen wir uns auch über die Stoffe und Drehbücher aus. Da gibt es ja viele Aspekte ? ist das Thema brisant, das Milieu gut beschrieben, was gibt es für unsere Kommissare her, stimmt die Dramaturgie? Beide Schauspieler sind da sehr gute Partner: offen, klar, fordernd und klug.

Herr Döbler, ein paar "persönliche" Fragen zum TATORT: Haben Sie eine Lieblingsfolge? Was gefällt Ihnen daran so?
An meinen ersten TATORT denke ich öfter zurück: ?Todesangst?, vorbereitet und gedreht 1998. Ich war selber erst ein gutes Jahr beim Fernsehen, Kommissar Ehrlicher ermittelte noch in Dresden, und gemeinsam mit dem ebenfalls neuen Produzenten Jan Kruse wollten wir unseren Kommissar in echte Bedrängnis bringen... ?Bruno rennt? hieß der Film unter uns immer. Auch ?Tiefer Fall? gefällt mir immer noch sehr. Schon bei der Arbeit am Drehbuch hatte ich das Gefühl, dass sich hier ein stimmiges Milieu und starke Arbeiterfiguren mit einem wichtigen Thema verbinden. Thomas Freundner als Regisseur hat es dann ganz stilsicher umgesetzt. ?Ehrlicher at his best? sozusagen.

Können Sie sich an Ihren ersten TATORT erinnern?
Nein, leider nicht... Ich glaube, ich war ungefähr 14, als meine Eltern mich das erste Mal mitgucken ließen. Wahrscheinlich habe ich aber schon früher, heimlich, einen TATORT gesehen.

Welche TATORT-Figur mögen Sie neben "Ihren" Figuren Ehrlicher/Kain und Saalfeld/ Keppler noch? Warum?
Einmal abgesehen davon, dass ich tatsächlich gern und möglichst jeden Sonntag TATORT sehe, freue ich mich immer besonders auf die Kollegen vom WDR, Ballauf und Schenk. Die beiden haben so eine herzliche und nachdenkliche, manchmal rumpelig-direkte Art, auf die Leute zuzugehen, die mir gefällt.

Die Fragen stellte Francois Werner


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