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Heute ist der: 19.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Der neue TATORT ist ein Sozialdrama erster Güte

Das gab's noch nie: Am kommenden Sonntag, 25. Mai, geht bei der ARD der 700. TATORT auf Sendung - und zu diesem Jubiläum nimmt ein neues Ermittlerteam seine Arbeit offiziell auf: Die Leipziger Kommissare Eva Saalfeld und Andreas Keppler, die beim MDR Ehrlicher und Kain abgelöst haben. "Todesstrafe" heißt der erste Fall des neuen Gespanns.

Saalfeld und Keppler ermitteln, Bild: MDR/Junghans

Schwerer Fall zum Einstieg

Zum Einstieg muss sich das neue, ungleiche Duo - gespielt von Simone Thomalla und Martin Wuttke - mit einem schweren Fall befassen, der ihnen sehr zusetzt. Es geht um einen heimtückischen Mord, Massenhysterie, Kindesmissbrauch, Selbstjustiz und eine Hetzjagd. Und zum Schluss scheint alles anders als ursprünglich gedacht. Oder doch nicht? Spannung ist auf jeden Fall garantiert - auch wenn der neue TATORT dem einen oder anderen womöglich zu sozialkritisch sein mag.

Mord an einem Kinderschänder?

Der Inhalt des Einstiegsfalls ist schnell erzählt. Hans Freytag (Tom Quaas), Betreiber des Veranstaltungszentrums "Fabrik", ist erstochen worden. "Todesstrafe" ist in roten Lettern auf das Schiff gesprüht, das Freytag gerade mit einer Gruppe Jugendlicher restaurierte. Eva Saalfeld und Andreas Keppler bekommen schnell heraus, dass gegen Freytag, für die Jugend im Viertel ein Idol, eine Anzeige wegen Kindesmissbrauchs läuft - gestellt von seiner von ihm getrennt lebenden Frau Sibylle (Julia Richter). Freytag soll seine kleine Tochter Karla missbraucht haben. Dieser Vorwurf lastet schwer; Freytag hatte es in seinem Viertel deshalb nicht wirklich leicht. Schön häufiger, auch das erfahren die beiden Kommissare rasch, wurde die "Fabrik" mit "Kinderschänder"-Parolen besprüht.

Hans Freytag entdeckt das Wort "Todesstrafe" auf seinem Schiff, Bild: MDR/Junghans
Wer hat Freytag also umgebracht? Der Jugendliche Max Lornsen (Joseph Bundschuh), der als Letzter mit ihm telefoniert hat? Oder der Wirt Kurt Steinbrecher (Matthias Brenner), der mit seinem Verein öffentlich und polemisch "Todesstrafe für Kinderschänder fordert? Oder war es ganz anders? Denn plötzlich geraten Ex-Frau Sibylle und ihr Anwalt Klaus Arend (Roman Knizka) ebenfalls in den Focus der Ermittlungsarbeit? Saalfeld und Keppler kämpfen sich durch eine Wand des Schweigens, durch geplatzte Lebensträume, Angst und Verurteilung, bis sie die Lösung des Falls endlich klar vor Augen haben.

Auch der Zuschauer überlegt hin und her

Der neue TATORT ist ein Sozialdrama erster Güte. So wie der Umgang mit einem potentiellen Kinderschänder im TATORT das Viertel spaltet, überlegt auch der Zuschauer hin und her: Wie ginge es mir mit einem Nachbarn, dem derart schwer wiegende Vorwürfe zur Last gelegt werden? Einerseits besteht - vor allem wenn man selbst Kinder hat - Verständnis für die in Aufregung geratenen Leipziger. Andererseits packen einen großes Mitleid für den Beschuldigten und die Überlegung, was wäre wenn, das alles ganz anders wäre? Aber da sind zwei tote Kinder aus der Gegend, deren Tod nicht aufgeklärt ist? Gut dargestellt: die explosive Stimmung aus Hysterie, Panik, Ablehnung, Wut und Hass, aufgeheizt durch Stammtischparolen, Polemik und einen unbekannten Graffiti-Sprüher.

Keppler verfolgt einen Verdächtigen, Bild: MDR/Junghans

Das neue Team

In solch einer spannungsträchtigen, aggressiven Atmosphäre das erste Mal miteinander zu ermitteln, ist nicht unbedingt ein leichtes Unterfangen für das neue Leipziger Kommissaren-Gespann Saalfeld und Keppler. Zumal die beiden eine gemeinsame Vergangenheit verbindet, die die Arbeit nicht wirklich leichter macht. Eva Saalfeld und ihr etwas schrullig wirkender Kollege Keppler, der aus dem Zug heraus direkt an den TATORT fahren muss, waren vor vielen Jahren einmal verheiratet.

Nun treffen sie wieder aufeinander - das erste Wiedersehen haben sich beide wohl etwas anders vorgestellt, zumal bei der gemeinsamen Arbeit auch schnell klar wird, dass sich auch in Zukunft die eine oder andere Differenz zwischen den beiden ergeben könnte. Eva Saalfeld ist offen, fröhlich und lacht gern, Keppler ist ein bedächtiger Beobachter, der die Arbeit der Spurensicherung am TATORT stundenlang blockieren kann, weil er sich zuerst seine Gedanken machen muss. Doch Kepplers Fähigkeit, anders zu denken als andere, gibt diesem Fall Impulse.

Das neue Team aus Leipzig, Bild: MDR/Junghans

Gelungener Einstiegsfall

Unter der Regie von Patrick Winczewski entstand ein Einstiegsfall, der Lust auf die nachfolgende Arbeit der beiden neuen Leipziger macht - wenn man sozialkritische Krimis mag. Schöne Bilder und die sehr zurück genommene, mitunter fast sphärische Musik, für die Andreas Hoge verantwortlich zeichnet, setzen in einem soliden TATORT gelungene Kontrapunkte zu dem beängstigenden, nachdenklich stimmenden Fall mit seinen menschlichen Dramen und all der Stammtisch-Polemik, die während der Ermittlungsarbeit der beiden Kommissare an die Oberfläche quillt. Generell hat es so ein Premieren-TATORT nicht leicht: Er muss Sachverhalte deutlich machen, Spannung erzeugen und gleichzeitig auch noch sein künftiges "Stammpersonal" einführen - doch alles in allem löst der neue MDR-TATORT diese Aufgabe souverän.

Wie fragt Kriminaltechniker Menzel so schön? "Ham wir was verkehrt gemacht? - "Nee." Sagt Keppler kurz und bündig. Das gilt auch für die Macher des neuen Leipzig-TATORTs.

Katja Weiger-Schick


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