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Heute ist der: 22.09.2019. --> Bis heute wurden 1116 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Ein Krimi der Zwischentöne und stillen Verheerung"

In der Süddeutschen Zeitung schreibt Hans Hoff am 10. Mai 2008 über einen herausragenden TATORT zum Thema Kindstötung:

Der Frankfurter TATORT führt mitten hinein in das Dilemma dieser Tage, in denen junge Mütter, deren Kinder umkommen, beinahe generell unter Verdacht stehen. Warum haben sie getötet? Diese Frage schiebt sich unmerklich vor die eigentliche: Haben sie getötet? Leicht können sich Menschen über die Beantwortung entzweien. So wie es die Kommissare Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) tun. Er ist schnell davon überzeugt, dass das Kind getötet wurde, sie zweifelt.  (...)

Regisseur Lars Kraume hat diesen herausragenden TATORT nach einem Buch von Judith Angerbauer fast als Kammerspiel inszeniert. Nur selten ist Musik im Hintergrund zu hören, stattdessen dominieren jene tristen Geräusch, die nicht wenig Leben akustisch bebildern: Telefonklingeln, Straßenlärm, der Fernsehton aus der Nachbarwohnung. Mit wackeligen Schwenks verwischt die Kamera die Bilder und lässt die Sehgewohnheiten des TATORT-Zuschauers möglicherweise ein wenig taumeln. (...)

"Der frühe Abschied" ist ein schwieriger Film, weil er dem Zuschauer viel zumutet. Ein totes Kind, hoffnungslose Existenzen und vielfach ungelebte Leben. Der FIlm erzählt etliche Geschichten. Die vom Scheitern einer jungen Ehe ist dabei, die von der Überforderung einer jungen Mutter, die von den uneinigen Kommissaren und die von einem übereifrigen Gutachter.

Sylvia Staude schreibt am 10. Mai 2008 in der Frankfurter Rundschau über einen Krimi der Zwischentöne und stillen Verheerung:

Gerade weil "Der frühe Abschied" wie gedreht scheint für die derzeitige Nachrichtenlage, beeindruckt seine entschlossene Ausgewogenheit, sein Facettenreichtum. (...)

Tom Schilling ist ein blass-pickeliges Jüngelchen, dem sich Traurigkeit und Erschöpfung ins Gesicht gegraben haben, obwohl er versucht, sich den Dingen gewachsen zu zeigen. (...)

Lisa Hagmeister balanciert diese blutjunge Mutter meisterhaft zwischen Trostlosigkeit, Verletzlichkeit und einer seltsamen Weggetretenheit. Immer wieder lächelt sie fast, wenn sie befragt wird. Das kommt nicht gut, nicht nur beim Psychologen. (...)

Es ist ein Tatort ganz ohne Verfolgungsjagden und Schusswechsel, ein Krimi der Zwischentöne und stillen Verheerung. Am Ende essen die Kommissare keine Currywurst. "Das Leben richtet einen", sagt Tamaras Mutter.

Quotenmeter.de meint, der TATORT "Der frühe Abschied" ist misslungen:

Mit ?Der frühe Abschied? aus der «Tatort» platziert sich der Hessische Rundfunk auf der Hitliste der traurigsten Filme aller Zeiten. Kaum eine andere Produktion ist so düster, kalt und unsympathisch wie der «Tatort», der am Montag Premiere feiert. (...)

Und so plätschert der «Tatort» vor sich hin, den man in einer halben Stunde abwickeln könnte. Leider ist diese Geschichte so traurig dargestellt, dass man am liebsten ? wenn nicht Fritz Dellwo wäre ? heulen möchte. Wer am Montagabend dem misslungenen «Tatort» der herrlichen Sonne vorzieht, ist selber Schuld.

Die Waltroper Zeitung schreibt am 12. Mai 2008 über einen qualitätsvollen Fernsehfilm über das Thema "plötzlicher Kindstod":

Der Kriminalfilm ist die letzte populäre Form des Fernsehens, gesellschaftlich relevante Themen zur besten Sendezeit in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Regisseur Lars Kraume in seinem zweiten «Tatort»-Film und Drehbuchautorin Judith Angebauer reizen diese ältere Erkenntnis bis an ihre Grenze aus, so dass die klassische Tätersuche fast ganz auf der Strecke bleibt. Gleichwohl ist ihnen ein qualitätsvoller Fernsehfilm über das heikle Thema «plötzlicher Kindstod» gelungen, wie er selten zu sehen ist.  

Doris Priesching schreibt auf derStandard.at über den neuen TATORT aus Sicht des Zuschauers:

Mit Vorverurteilungen, Ablehnung, Gefühlskälte, Verwirrungen und nicht zuletzt der Unsicherheit des Zuschauers jongliert Angerbauer in einer Art, die an die besten Zeiten des "Tatort" erinnern. Der virtuose Einsatz der Handkamera macht den derangierten Zustand einer Gesellschaft eindrucksvoll fest.  

Christian Buss schreibt in der taz am 10. Mai 2008 über einen Krimi gegen die Hysterie:

Doch es ist den Machern dieses außerordentlichen "Tatort" hoch anzurechnen, dass sie trotz der aufgeladenen gesellschaftlichen Situation rigoros an der Unschuldsvermutung festhalten: "Im Zweifel für die Angeklagte." Dieser Leitsatz ist in Zeiten, da fast wöchentlich Babyleichen in Kühltruhen gefunden werden, offensichtlich auch von höchsten Behördeninstanzen nicht immer einzuhalten.

So wird "Der frühe Abschied" zu einem starken Antihysterie-Krimi - der interessanterweise die Gegenthese zu jener von Margarethe von Trotta inszenierten HR-Folge "Unter uns" bildet, die sich 2007 höchst plakativ eines ähnlichen Stoffes angenommen hatte. Dort wurde beklagt, dass die Menschen wegschauten und so dem Verwahrlosungsverbrechen Vorschub leisteten. Diesem unverbindlichen "Seid wachsam!", dieser Weltverbesserungsmaßnahme zum Nulltarif, setzen Regisseur Lars Kraume ("Guten Morgen, Herr Grothe") und Autorin Judith Angebauer ("Der freie Wille") nun ein zerklüftetes Milieudrama entgegen, das zum genauen Hinschauen zwingt. (...)

Es gehört zu den intensivsten "Tatort"-Momenten dieses Frühjahrs, wie sich trotzdem ein Kontakt zwischen den beiden so unterschiedlichen Frauen aufbaut.

Am 10. Mai 2008 meint Frank Kober in der Märkischen Allgemeinen, dass "Der frühe Abschied" ein typischer TATORT aus Frankfurt ist:

Dieses sensible Drama ist alles andere als ein Beitrag zum Thema ?Kindsmord?. Im Gegenteil. Es ist eine unmissverständliche Aufforderung, sich weniger um Schlagzeilen als um die Wahrheit hinter den Schlagzeilen zu sorgen. Denn nicht immer ist ein totes Kind Opfer von Gewalt. Genauso wenig, wie ein Film mit einer Leiche immer ein Krimi sein muss.

So oder so können wir da heute Abend eine Menge lernen. In Sachen Liebe und Ehe, Schicksal und Gerechtigkeit. Und in Sachen Tiefgang eines Fernsehfilms. Typisch Frankfurter ?Tatort?, eben.

TVmovie.de schreibt über einen Fall, den man nicht so schnell vergisst:

Schon die Anfangsszene geht ins Mark. Dabei wird das Thema nicht nur emotional überragend umgesetzt, sondern es wird auch die gängige Schwarz-Weiß-Malerei vermieden.

Zusammenstellung: Tobias Berger



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