Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 19.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Amüsantes, aber viel zu kurzes Filmgespräch

Nachdem der TATORT "Der frühe Abschied" Anfang März 2008 auf dem Deutschen Fernsehkrimifestival uraufgeführt wurde, fand nach der Vorführung ein Filmgespräch mit Darstellern, Redakteuren, Produktionsleiter, Kameramann, Cutter und Regisseur statt. Die interessantesten Passagen des leider viel zu kurzen Gespräch sind hier eingestellt. Zu jeder Passage finden Sie eine Erläuterung.

Leider spielten sich während des gesamten Deutschen Fernsehkrimifestivals 2008 in den Zeiträumen zwischen den Filmen - Filmgespräche genannt - die beiden Filmwissenschaftler Dr. Bernd Kiefer und Prof. Norbert Grob von der Uni Mainz, die auch Moderatoren der Veranstaltung waren, oft so sehr in den Vordergrund, dass sie die Geduld des Publikums und die Zeitvorgaben unnötig strapazierten. Auch beim Filmgespräch zu Der frühe Abschied ging es anfangs nur um Allgemeinplätze und nicht um den Film; leider blieb deshalb schlußendlich nur wenig Zeit für ein gutes Filmgespräch zu diesem gelungenen TATORT.

Kurze Antwort auf lange, oft unverständlich-verschachtelte Fragen

Die wohlgemeinten Fragen waren recht oft sinn- und ziellos; oft nur banal. Wo durch die Art der Fragestellung impliziert wurde, dass die Moderatoren ausgiebige und interpretationsreiche Antworten erwarteten, bekamen sie diese aber - nicht nur auf dieser Veranstaltung - nicht immer. Deshalb amüsierte das gesamte Publikum besonders die Antwort des Darstellers Tom Schilling auf die Frage, wie er sich auf den Film vorbreitet habe.


Auch die anderen Anwesenden vom Set antworteten mit Witz und Charme auf die Fragen des Moderators Grob. Nur so wurde die Fragerunde erträglich, dadurch gewann das Filmgespräch noch einen gewissen Reiz. Statt die Filmemacher zum ernsten Thema des TATORTs zu befragen, zu Anspruch und Umsetzung, evtl. auch zur fast schon spektakulären Produktionsweise des Films - immerhin Fragen, die hier auf dem Festival nahezu jeden interessiert haben dürften - glänzt der Moderator wieder durch eine Frage, die wohl als überflüssig durchgehen dürfte. Dennoch - und das macht die Filmemacher sympathisch - retten Sie mit einer witzigen Antwort die Gesprächsrunde in der nächsten Runde ebenfalls.

Fritz Dellwo fängt eine Fliege....

Moderator Grob will von Regisseur Lars Kraume wissen, ob es Absicht war und wenn ja, wie lange man darüber nachgedacht habe, Kommissar Dellwo in einer Szene eine Fliege fangen zu lassen. Zur Erklärung: in einer Szene besprechen sich die beiden Kommissare Dellwo und Sänger mit dem Psychologen, dem Staatsanwalt Dr. Scheer und Kommissariatsleiter Fromm über den Fall. Die Szene ist relativ lang und sehr dialoglastig, keiner bewegt sich, jeder sitzt. Dabei hat Jörg Schüttauf als Kommissar eine zeitlang wenig zu sprechen; deshalb fängt er in einem Augenblick spontan und eher beiläufig eine vorbeisausende Fliege; die Kamera fängt dies ein. Grob nun will wissen, ob dieses Detail von den Filmemachern geplant war. Die Antwort des Regisseurs Kraume aus dem folgenden Video: einfach nur witzig.


Hintergrund für diese durchaus witzige Antwort ist die Tatsache, dass der HR mit Der frühe Abschied einen Film geschaffen hat, in dem die Kommissare am Ende niemanden als Mörder "fangen" können. Also muss dieses Mal eben eine Fliege herhalten....

Ganz bewusst wollte der HR mit diesem TATORT auch Zweifel und Nachdenken beim Zuschauer erzeugen und sie in einem Zustand hinterlassen, der dieser Schwere des Themas durchaus gerecht wird. Zweifel nämlich über die Frage, ob die junge Mutter ihr Kind umgebracht hat oder ob es wirklich "nur" ein plötzlicher Kindstod war. Damit hat der Sender diesen TATORT nicht so wie die meisten Krimis aus der Erfolgsreihe so enden lassen, wie sie meist immer enden - nämlich mit einem Täter und der vermeintlichen Beseitigung des Übels - sondern das Ende offen gelassen. Und so findet sich der Zuschauer in einem etwas ungewohnten, ja durchaus auch unangenehmen Zustand wieder: nicht genau zu wissen, was da los war. In dem TATORT wird auch diese Haltung sehr schön durch die beiden Kommissare deutlich, die auch nicht recht wissen, was sie von diesem Todesfall zu halten haben.

Jemand aus dem Publikum dagegen äußerte sich kritisch und hätte sich vom Sender eine differenziertere Betrachtungsweise des Films gewünscht. HR-Redakteur Jörg Himstedt wollte und konnte dem Zuschauer natürlich nicht beipflichten.


Auch Fernsehspielchefin Liane Jessen wollte sich damit nicht anfreunden, einen "platten" Film verantwortet zu haben. Aus dem Publikum kam zu der einen oder anderen Darstellung auch der "Vorwurf", einfach nur Klischees bedient zu haben. Die Filmchefin des HR antwortet, dass es manchmal eben nicht anders geht, die Klischees des "wahren Lebens" auch in einer fiktionalen Geschichte zu bedienen.


Besondere Produktionsweise nicht berücksichtigt

Leider wurde kaum auf die Produktionsweise des TATORTs eingegangen; vermutlich, weil nur die wenigsten und erst recht nicht die Moderatoren der Veranstaltung, davon wussten. Der HR hatte die Wohnung des jungen Ehepaars in Der frühe Abschied nämlich aus verschiedenen Gründen nicht an einem Original-Schauplatz gedreht, sondern im HR-eigenen Fernsehstudio mit viel Aufwand nachgestellt. Um beispielsweise auch der besonderen Arbeitsweise von Regisseur Lars Kraume gerecht zu werden - er drehte mit zwei Kameras - wurden in der "Studio"-Wohnung auch Decken eingelassen, weil diese bei seiner Filmtechnik immer wieder ins Bild gerieten und sonst die Studio-Decke gezeigt hätten. Hätten die Moderatoren von diesem großen Aufwand gewusst, wäre ihnen vielleicht eine bessere oder genauere Frage eingefallen. So musste HR-Produktionsleiter Arno Maas einfach mal von seinen Erinnerungen an die Dreharbeiten berichten.


Leider kamen aufgrund der begrenzten Zeit nicht alle Beteiligten des Films, die auf der Bühne des Caligari-Kinos saßen und für die Fragerunde nach Wiesbaden gekommen waren, zu Wort. Es wäre sicher interessant gewesen mehr zum Film und seinen Hintergründen zu erfahren - aber die Moderatoren haben trotz der kurzen Zeit nicht die Courage besessen, zu überziehen oder alle wenigstens einmal ins Gespräch einzubinden. Die beiden Darsteller Tom Schilling und Lisa Hagmeister, die später für die Darstellung in diesem Film ausgezeichnet wurden, haben kaum etwas gesagt, sagen können; genauso wie der Cutter Stefan Blau, der Kameramann Armin Alker oder Darsteller Peter Lerchbaumer.

Francois Werner


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3