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Heute ist der: 08.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Der TATORT lehnt sich ziemlich weit aus dem Fenster"

In der Frankfurter Rundschau schreibt Sylvia Staude am 5. April 2008 über einen TATORT im zarten Ton:

"Schatten der Angst" zeichnet die Familienmitglieder differenziert, ihm gelingt ein unerwarteter, gar nicht klischeehafter Schluss. Intendanten müssen Werbung machen für ihr Haus, aber in der Tat ragt dieser Kriminalfilm heraus aus den bisherigen Tatort-Folgen des Jahres - vom Kormoran-Krieg am Bodensee bis zum niedersächsischen Kleingärtner-Gemetzel. Er wagt einen eigenen, manchmal sehr zarten Ton, er nimmt seine Thema und seine Figuren ernst, egal, welche Abstammung sie haben.

In der Peiner Allgemeinen Zeitung vermisst Martin Weber am 4. April 2008 schöne Milieustudien und entdeckt überflüssiges im neuen Odenthal-TATORT:

Sein Bemühen, die vielfältigen Aspekte des brisanten Themas unterzubringen, haben den Film leider recht sperrig und wenig spannend gemacht, schöne Milieustudien wie die Bilder aus einem türkischen Teehaus sind leider zu selten. Und war es wirklich nötig, Deryas Macho-Bruder Önder auch noch kriminelle Machenschaften anzudichten? Überflüssig auch der Handlungsstrang um einen LKA-Ermittler, der nach einem Serienkiller sucht ? das lenkt nur vom Wesentlichen ab.

"Schatten der Angst" ist ein üblicher deutscher Redekrimi, meint Netzeitung.de am 6. April 2008:

Kommissarin Odenthal und ihr Partner Kopper nehmen wie gewohnt die Ermittlungen auf und stoßen wie üblich auf diverse Verdächtige aus unterschiedlichen Richtungen, die schon deshalb sein müssen, damit die Aufdeckung der Wahrheit am Ende wie gewohnt ein bisschen überraschen kann.

So rollt der übliche deutsche Redekrimi ab, in dem alle, auch die die Deutschtürken, ihre Dialoge in tadellosem Hochdeutsch und grammatikalisch vollendeten Sätzen absolvieren. Das recht redundante Gerede hat mit gesprochener Sprache (auch so, wie sie Deutsche ganz ohne Migrationshintergrund sprechen) wenig zu tun. Böse formuliert: "Schatten der Angst" wirkt mitunter so, als wäre das genau der Film, der - wäre er vor "Wem Ehre gebührt" gelaufen wäre - Verständnis dafür geweckt hätte, dass die nächsten Krimis "nicht erneut einen Fall von 'Ehrenmord' erzählen" wollen, sondern sich lieber um eine originellere Variation des genre-obligaten Verbrechens bemühen.

Frank Kober sieht am 5. April 2008 den TATORT "Schatten der Angst" in der Märkischen Allgemeinen Zeitung als Hilfeschrei:

Der bizarre Fall ist bei Ulrike Folkerts erneut bestens aufgehoben. Ihrem einfühlsamen Spiel, ihrer Rolle als Mittlerin zwischen den Welten ist es vor allem zu danken, dass dieser ?Tatort" nicht ins Absurde kippt, sondern glaubwürdig bleibt. So ist dieser Krimi Sprengstoff und Balsam zugleich, auch wenn er keine Lösung für die Probleme bietet. Am Ende ist er vor allem eins: ein Hilfeschrei.

Joachim Schmitz schreibt am 5. April 2008 in der Neuen Osnabrücker Zeitung über einen gelungenen Krimi:

Spannend, wie ein Krimi sein sollte, und differenziert, wie man mit diesem Thema umgehen muss. Das nicht immer einfache Zusammenleben von Deutschen und Türken scheint sich mehr und mehr aus der Tabuzone des ?Tatort? zu befreien. Warum auch sollte der gesellschaftskritische Ansatz der Krimireihe ausgesetzt werden, wenn es um Probleme von Migration und Integration geht?

"Der neue TATORT lehnt sich ziemlich weit aus dem Fenster", schreibt Markus Ehrenberg im Tagesspiegel am 6. April 2008:

Es hat den Anschein, als ob Buch (Annette Bassfeld-Schepers und Martin Eigler, der auch Regie führte) und Hauptfigur, immerhin die dienstälteste ?Tatort?-Ermittlerin, immer mehr zusammenrücken. Dass Lena Odenthal zur Qualitätsmarke wird. Ulrike Folkerts und Andreas Hoppe als brummbäriger Kollege Mario Kopper fühlen sich in diesem Multikulti-Krimi sichtlich wohl, spielen wie von der Leine gelassen, vielleicht auch deswegen, weil der Impuls zu dieser etwas anderen Geschichte über Frauen in Gefahr von Ulrike Folkerts selber stammt. (...)

Bei allen leisen Zwischentönen und differenzierter Betrachtung lehnt sich der ?Tatort? dazu ziemlich weit aus dem Fenster. Zwangsehe, Verbrechen im Namen der Ehre, Kritik an vielen Familien in Deutschland mit Migrationshintergrund ? bei diesen Themen haben schon manche Redakteure gekniffen.

TV-Movie.de findet den neuen Ludwigshafen-TATORT gut:

Einmal mehr gelingt es der ?Tatort?-Reihe, aktuelle soziale Konflikte ohne Schwarzweiß-Malerei in eine plausible Krimi-Handlung einzubetten. Einfach gut!

Zusammenstellung: Tobias Berger



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