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Heute ist der: 22.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

?Psychologie und das menschliche Gedächtnis spielen eine große Rolle in diesem ?Tatort??

Gespräch mit Maria Furtwängler

Charlotte Lindholm und ihr Sohn David, Bild: NDR/Christine Schroeder
Im Vorspann steht ?Nach einer Idee von Maria Furtwängler?.Welche Idee hatten Sie denn ursprünglich?
Ausgangspunkt war für mich, dass Charlotte Lindholm jetzt Mutter geworden ist und sich offiziell im Mutterschaftsurlaub befindet. Also konnten wir sie nicht auf einen richtig großen Fall ansetzen. Andererseits füllt sie die Mutterrolle allein überhaupt nicht aus.

Ging es Ihnen persönlich ähnlich, als Sie Mutter wurden?
Ja, so war es.Keine Frage, das Schönste in meinem Leben sind die Kinder. Sich allein und ausschließlich nur um die Kinder zu kümmern,kam für mich aber ebenso wenig in Frage wie für Charlotte Lindholm.

Es ging also darum, den passenden Fall für diese Situation zu finden ?
Einerseits Lindholms Rastlosigkeit, andererseits ihre Mutterrolle ? da schien mir die Welt der Kleingärten mit ihrer scheinbaren Harmlosigkeit und Aufgeräumtheit, in der die Kommissarin schließlich doch Indizien für ein Verbrechen entdeckt, den passenden Plot zu liefern.

Sie bescheren uns eine Premiere. Erstmals erleben wir eine ?Tatort?-Kommissarin mit Baby. Auf welchen Typ Mutter dürfen wir uns denn einstellen? Doch wohl nicht auf eine Rabenmutter?
Ich gehöre zu denen, die sich schon allein gegen diesen Begriff der ?Rabenmutter? wehren. Nur wir Deutschen reden von einer Rabenmutter, in anderen Ländern kennt man diesen Begriff nicht. In Frankreich oder Italien ist es selbstverständlich, dass Frauen ein Jahr nach der Geburt wieder voll im Job sind. Für die französischen Frauen ist es völlig selbstverständlich, ihre Kinder mit sechs Monaten in die creche, die Kinderkrippe, zu geben. Ich habe keine Ahnung,was richtig ist. Ich denke, jede Frau muss das am Ende für sich selbst entscheiden, aber es ist sicher nicht zwingend nötig, dass eine Mutter ihre Kinder rund um die Uhr betreut ? am besten bis sie die Grundschule hinter sich haben.

Mit Baby geraten Sie als junge Mutter in eine Fülle von komischen bis spannenden Situationen.Welche davon gefällt Ihnen besonders gut?
Ein Klassiker ist für mich der Moment, in dem ich versuche, meinen kleinen Film-David zum Einschlafen zu bringen, indem ich mich neben ihn lege. Und wenn ich mich dann von ihm lösen will,wacht er natürlich prompt wieder auf ? und das Spiel beginnt aufs Neue.

Aber nicht nur mit diesen sympathischen Momenten ist das Baby ein Gewinn für diesen ?Tatort?, oder?
Ich möchte mit diesem Film gerne erzählen, dass das Baby insgesamt eine Bereicherung für Charlotte Lindholms Leben darstellt ? und nicht von Rabenmüttern und dem fürs Leben geschädigten Kind. Die Kommissarin wird in ihrem Job mit Kind mindestens genauso erfolgreich arbeiten wie bisher,weil sie als Mensch erfüllter und glücklicher ist. Das heißt nicht, dass es für sie überhaupt keine Einschränkungen gibt ? in diesem Film ergibt sich eine tragische Situation nicht zuletzt deshalb,weil Lindholm zu ihrem Baby gerufen wird. Aber alles in allem möchte ich diese Mutter-und-Kind-Geschichte als Glücksgeschichte erzählen, das Kind als Bereicherung, als große Erfüllung, nicht als Hauptursache für Stress und Hektik ? dies wäre der gewünschte familienpolitische Beitrag.

Ihre eigenen Kinder sind längst keine Babys mehr. Mussten Sie kurz nachdenken, oder hatten Sie alle Handgriffe,die man für ein Baby braucht, sofort wieder drauf?
Im ersten Moment habe ich tatsächlich kurz gestutzt und überlegt:Wie ging das doch gleich mit dem Wickeln? Nach den ersten Handgriffen wusste ich es wieder, alles war noch abgespeichert.Auch als ich den kleinen David zuerst im Arm hielt,war ich für einen winzigen Moment irritiert ? dann aber klappte alles prima.

Nicht nur dank des kleinen Davids herrscht in dieser Episode eine vergleichsweise heitere Atmosphäre. Nicht jeder ?Tatort? muss als nervenzerfetzender Thriller angelegt sein ??
Nein, gerade zu diesem Fall habe ich mir eine helle,warme und freundliche Atmosphäre gewünscht ? und stieß damit bei Regie und Kameramann auf offene Ohren.

Täuscht der Eindruck, oder ist Charlotte Lindholm diesmal so neugierig, wie sie bisher in keinem ihrer ?Tatorte? war?
Das kann schon sein. So unausgefüllt wie sie ist, fiebert sie geradezu danach, ihren kriminalistischen Spürsinn wieder zu aktivieren.

Worin liegt der Reiz bei einem Krimi,wenn ein Mitglied einer Kleingartenkolonie als Täter enttarnt werden soll?
Die Psychologie und das menschliche Gedächtnis spielen eine große Rolle in diesem ?Tatort?.

Finden Sie es spannend, sich mit den Abgründen der menschlichen Seele und dem Phänomen des Gedächtnisses zu beschäftigen?
Das ist sehr spannend:Von dem befreundeten Hirnforscher Ernst Pöppel habe ich erfahren, wie subjektiv unser Erinnern ist.Wenn Sie sich an sehr intensive Erlebnisse erinnern, kann es zum Beispiel passieren, dass Sie sich selbst mit in diesem Erinnerungsbild sehen ? so als hätte ein Außenstehender diese Szene quasi gefilmt. Unser Erinnern ist eine Rekonstruktion der Wirklichkeit, kein objektives Abbild.

Als Gärtnerin Andrea,gespielt von Maren Kroymann,in einer Szene aus Angst hyperventiliert, also sehr schnell atmet, lassen Sie als Charlotte Lindholm sie sofort in eine Plastiktüte hineinatmen ? kennen Sie diesen Trick aus Ihrer Arbeit als Ärztin?
Ja, so ist es. Das habe ich natürlich erlebt. Die Behandlung dauert in Wirklichkeit allerdings länger.

Nachdem Sie in Ihrem ersten ?Tatort: Lastrumer Mischung? mutig zum Dorffriseur gegangen sind,wagen Sie sich diesmal sogar daran, im Kostüm als Kürbis aufzutreten. Hat Sie das zumindest etwas Überwindung gekostet?
Im Gegenteil, das war mein persönlicher Wunsch. Ich suche geradezu nach Situationen, in denen Charlotte Lindholm bereitwillig über ihre eigenen Geschmacksgrenzen springt, um sich per Mimikry direkt in das Leben der Leute hineinzubegeben, bei denen sie gerade ermittelt. Denken Sie an die Aqua-Gymnastik, mit dieser unsäglichen Badekappe ?

Gar nicht unsäglich findet Frau Lindholm den Pathologie- Praktikanten Edgar Strelow, der heftig mit ihr flirtet. Was halten Sie persönlich denn von seiner Idee, der Angehimmelten eine CD mit Liebesliedern zu schenken, etwa mit dem Song ?You are so beautiful??
Die Idee ist doch süß. Ich würde mich selbst sicher auch darüber freuen!

Wieso wehrt sie sich eigentlich gegen Edgars Avancen? Er macht doch eigentlich alles richtig?
Er ist vielleicht etwas forsch. Und was Charlotte Lindholm betrifft, fühlt sie sich eher zu Männern hingezogen, die nicht so leicht zu haben sind. Mal schauen, wie es da weitergeht.

Dann erzählen Sie doch zum Schluss bitte, wie es bei Ihnen persönlich weitergeht: 2007 war für Sie ein Jahr der besonderen Erfolge, im März lief der Zweiteiler ?Die Flucht? im Ersten, im Herbst erhielten Sie den Deutschen Fernsehpreis als beste Schauspielerin für die ?Tatort?-Folgen ?Pauline? und ?Das namenlose Mädchen? sowie den Publikums-Bambi für ?Die Flucht? und die Publikumspreise von der ?Goldenen Henne?sowie jetzt im Februar von der ?Goldenen Kamera?.Welche Wünsche und Pläne haben Sie für das laufende Jahr 2008?
Sehr neugierig bin ich auf das Endergebnis meiner Dreharbeiten zum Kinofilm ?Räuber Kneißl?: Ich bin da ins Metier der Räubermutter und ins bayerische Idiom gewechselt.

Wer führt Regie?
Den Film hat Kino-Shootingstar Marcus H. Rosenmüller inszeniert, dessen Debütfilm ?Wer früher stirbt, ist länger tot?, ebenfalls im bayerischen Dialekt, gleich in mehreren Kategorien den Deutschen Filmpreis gewann.

Und was erwartet uns beim nächsten ?Tatort??
Nach den skurrilen Geschehnissen und Geheimnissen im Schrebergarten ist der nächste Fall eine Dimension größer angelegt und geht eher in die Richtung eines Thrillers. So schön die Kuschelphasen mit dem Baby sind, sie müssen auch einmal wieder zu Ende gehen.

Hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff eigentlich schon einmal um eine Gastrolle beworben?
Nein, aber ich weiß, dass er gerne ?Tatort? sieht.

NDR-Pressemappe


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