Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 25.04.2018. --> Bis heute wurden 1069 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

?Bei mir kam es darauf an, verschiedene Stadien der Verängstigung zu zeigen?

Gespräch mit Maren Kroymann

Andrea bei den Vorbereitungen für das Erntedankfest, Bild: NDR/Christine Schroeder
Ihre Figur im neuen ?Tatort? greift nicht nur gerne zur Heckenschere, sie fertigt außerdem Skulpturen. Macht das Ihre Andrea zur schrägsten Gestalt unter all den schrägen Gärtnern?
So schräg ist sie gar nicht. Sie selbst mag sich zu den Ausgeflippten zählen, aber auch sie findet ihren Platz in der Kleingarten-Gemeinschaft. Sie ist Kunstlehrerin und tobt sich mit ihren Skulpturen in ihrer Freizeit etwas aus. Gut, im Vergleich zu ihren Mitgärtnern ist sie unbürgerlich ? das genießt sie und kostet es aus.

Als Kleingärtnerin Andrea sind Sie kaum wiederzuerkennen ? warum diese Maskerade?
Das verblüfft mich aber jetzt. So extrem fand ich diese Maske nicht. Im Wesentlichen trage ich eine große Brille und habe die Haare nach hinten gesteckt ? das ist schon alles. Vielleicht fällt es auf, weil Frauen im Fernsehen seltener mit Brille zu sehen sind. Privat trage ich übrigens oft Brille ? ich bin kurzsichtig.

In der ARD begannen Sie Ihre Karriere mit den Serien ?Oh Gott, Herr Pfarrer? und ?Vera Wesskamp?. Zu einem großen persönlichen Erfolg kamen Sie als kabarettistische ?Nachtschwester Kroymann?, ebenfalls im Ersten.Können Sie auch als Kleingärtnerin Andrea Ihr komödiantisches Talent einbringen?
Ja, die grotesken und witzigen Züge dieser Geschichte koste ich schon aus. Diese Facetten sind beim ?Tatort? eher ungewöhnlich, meistens bietet diese Krimireihe sehr gute, realistische, teilweise fast reportageartige Abbilder sozialer Verhältnisse oder Geschehnisse. Mir hat es großen Spaß gemacht, dass dieser ?Tatort? auch ins Humorvoll-Groteske hineinreicht. Es gibt diesmal extrem pittoreske Arten, zu Tode zu kommen...

Dass Künstler gesundheitlich schwächeln, wissen wir seit den ?Buddenbrooks? von Thomas Mann. Gehört auch Andrea zu diesen hochsensiblen, zerbrechlichen Wesen?
Ja, sie ist sozusagen die schul-affine Variante dieses Typus. Manche Leiden werden ja auch durch seelische Befindlichkeiten oder traumatische Erlebnisse ausgelöst ? oder verstärkt.

Schauspieler dagegen müssen zwar sensibel, aber gesundheitlich robust sein, nicht wahr?
Ja, allein schon für die vielen Außen- und Nachtdrehs für diesen ?Tatort?, bei denen es etwas klamm wurde. Deshalb ist die professionelle Grundlage solcher Drehs für mich zunächst mal ein Nierenwärmer aus Angora-Wolle.

Ist Ihnen selbst denn die Welt der Kleingärtner vertraut?
Sie ist mir nicht fremd.Wenn ich mit meinem Hund im Berliner Grunewald spazieren gehe, komme ich an den Kleingärten entlang. Ich habe mich allein deswegen über dieses Rollenangebot gefreut, weil ich dadurch dieses Gärtner-Biotop einmal aus der Innensicht kennen lernen konnte. Allerdings verrät allein der Blick von außen bereits eine Menge: Kleingärtner sind meist extrem ordnungsliebend. Die Art, in der sie Blumen oder Buchsbäume pflanzen oder Hecken schneiden, sagt viel über ihren Charakter aus.

Nicht nur Ihre Kleingärtnerin Andrea scheint ein Geheimnis zu umgeben, auch Ihr Film-Ehemann Jürgen wirkt verdächtig wortkarg. Liegen in dieser Ehe Angst und Beklemmung in der Luft?
Es gibt ein Geheimnis, das beide kennen, aber sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Es liegt eine Last auf dieser Beziehung. Und weil Andrea die Sensibelste in der Kolonie ist, kann sie es am wenigsten verbergen.

Aber sie ist kein Fall für die Psychiatrie, wie jemand im Film sagt?
Im Gegenteil. Unter den Kleingärtnern ist sie am dichtesten dran an einem normalen Empfinden. Sie möchte diese Last loswerden, sie kann damit nicht länger leben. Ihr moralisches Gewissen scheint noch einigermaßen intakt zu sein.

Welche Rolle spielen hier die verdrängten Erinnerungen?
Einige in der Kolonie schaffen es gut, Erinnerungen zu verdrängen, andere schaffen das weniger gut ? und die sind auch gefährdeter.

Haben Sie die Rolle zusammen mit Angelina Maccarone entwickelt? Woran lag Ihnen beiden besonders bei dieser Figur?
Angelina hatte das Drehbuch schon fertig, als sie mich fragte, ob ich Lust hätte, in einem ?Tatort? mitzuwirken. Natürlich habe ich Lust gehabt! Ob sie mich beim Schreiben schon im Auge hatte, weiß ich nicht.

Welche Szenen fanden Sie besonders reizvoll? An welchen Szenen haben Sie intensiv gearbeitet?
Bei mir kam es darauf an, verschiedene Stadien der Verängstigung zu zeigen. Meist geschieht dies in der Auseinandersetzung mit Kommissarin Lindholm, die als einzige einen Ansatz findet, zu Andrea durchzudringen. Mir lag daran zu zeigen, wie sich Andrea der Kommissarin gegenüber Schritt für Schritt öffnet, ihre Angst und Verdruckstheit ein wenig überwindet und Vertrauen zu ihr gewinnt.

Sie haben Mut zu außergewöhnlichen Rollen: Im mehrfach prämierten Kinofilm ?Verfolgt?, für den Sie gerade jetzt im Februar mit dem Preis der deutschen Filmkritik als beste Darstellerin ausgezeichnet wurden, spielen Sie eine Bewährungshelferin, die eine sadomasochistische Beziehung zu einem 16-jährigen Straftäter eingeht...
...vor kurzem bekam ich erstaunlicherweise auch in Argentinien einen Preis für diesen Film ? als beste Schauspielerin. Die Produzentin hatte ?Verfolgt? bei verschiedenen Festivals eingereicht. Über diesen internationalen Preis war ich wirklich platt!

Wie viel Mut hat diese Rolle Ihnen abverlangt?
Vor allem verlangte es Mut, diesen Film überhaupt zu drehen! Ich hatte eine mutige Produzentin und eine kühne Regisseurin ? Angelina Maccarone. Es kostete mich eigentlich nicht so viel Überwindung, mich auf die sehr direkte, ungeschminkte Ästhetik dieses Films einzulassen. Klar, man sieht dort nicht nur jedes Fältchen in meinem Gesicht, ich finde sogar, dass ich älter aussehe als in Wirklichkeit...

Bei den meisten Kino-Lovestorys sind die Liebenden jung und attraktiv...
Ja, aber es war auch wie eine Befreiung, dass sich die Erotik hier einmal nicht durch das möglichst jugendliche, knackige Aussehen der Frau entwickeln sollte. Das Begehren des jungen, ausgesprochen hübschen Mannes entzündete sich an der Reife dieser älteren Frau, an ihrer Autorität. Ich habe es richtig genossen, das spielen zu dürfen. Aber die Frauen-Klischees zu unterlaufen, das hat mir schon bei ?Nachtschwester Kroymann? Spaß gemacht.

Zuvor traten Sie immer wieder beim ?Scheibenwischer? in der ARD auf.Hat Dieter Hildebrandt Ihnen Mut gemacht, Ihren Weg zu gehen?
Ich war glücklich und aufgeregt, neben ihm live auf der Bühne zu stehen. Dieter Hildebrandt hat Frauen im Kabarett sehr gefördert ? und zwar, indem er sie eingesetzt hat. Für mich als unbekannte Anfängerin war der ?Scheibenwischer? wie ein Ritterschlag. Das war ein gewaltiger Ansporn für mich. Heutzutage spielt meist Mathias Richling die Frauenfiguren.

NDR-Pressemappe


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3