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Heute ist der: 21.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

?Wir haben uns früh entschieden, dass wir mit sehr kräftigen, bunten Farben arbeiten wollten?

Gespräch mit Kameramann Hans Fromm, Szenenbildnerin Zazie Knepper und Kostümbildnerin Ingrida Bendzuk

Welche konzeptionellen Vorüberlegungen gab es für Kamera, Ausstattung und Kostüm?
Hans Fromm: Regisseurin Angelina Maccarone hatte klare Vorstellungen davon,was die Farbigkeit und den Stil des Films anging.Wir haben uns früh entschieden, dass wir mit sehr kräftigen,bunten Farben und mit viel Sonnenlicht arbeiten wollten ? im Gegensatz zu vielen Krimis, die momentan im Fernsehen laufen.
Zazie Knepper: Wir haben überlegt,was die Welt der Kleingärten auszeichnet. Sie sind bunt, fröhlich und lebensbejahend, stehen für unbeschwerte Freizeit mit Grillen und Gemüsezucht. Diese Heiterkeit wollten wir optisch verstärken. Die Ausstattung soll nicht als eigene Kunstform der Geschichte aufgepfropft werden. Mein Ziel ist es, mit der Ausstattung die Dramaturgie der Geschichte zu unterstützen und die Persönlichkeit der Filmfiguren hervorzuheben.

Wie sind Sie an die Arbeit herangegangen?
Ingrida Bendzuk: In einem gemeinsamen Gespräch haben Regisseurin Angelina Maccarone und ich die Details festgelegt. Wir haben über die extreme Farbigkeit, die der Film haben sollte, gesprochen. Als Vorlage dienten mir dafür die Blumengärten. In der Spätsommerzeit leuchten die Farben bei Sonne ganz besonders. In diese Richtung sollte es gehen.
Zazie Knepper: Da ich meine Ideen für die Ausstattung mit bestimmten finanziellen Mitteln umsetzen muss, ist für mich wichtig:Wo spielt der Film? Was findet man an den realen Schauplätzen vor?

Ergab sich die Idee, den Film sehr bunt zu gestalten, daraus, wo dieser Film spielt?
Hans Fromm: Ja, die Farben sollten kein Selbstzweck sein. Schließlich geht es um eine Kleingartenkolonie, dort findet man sowieso weniger die blassen, gedeckten Farben vor, sondern eher kräftige, leuchtende Farbtöne.Wir haben dort angesetzt und noch eins drauf gesetzt:Wir haben dann alle Räume bis hin zu den Büros im LKA so farbig gestaltet, wie es nur irgendwie möglich war.
Zazie Knepper: Schrebergärten sind für einen ?Tatort? schwieriger zu filmen, als man denkt. Filmisch gesehen, werden Bäume und Grünflächen schnell eintönig, sie bieten keine Struktur, keine Orientierung fürs Auge.

Wie haben Sie im Einzelnen gearbeitet,welche Herausforderungen ergaben sich dabei?
Hans Fromm: Ich habe mit verhältnismäßig hartem, direktem Licht gearbeitet, um die Farben zu verstärken.Wir haben ausführliche Probeaufnahmen gedreht, um sicherzustellen, dass das direkte Licht die Darsteller nicht entstellt. Andererseits haben wir auch in der Nachbearbeitung im Studio die Farbsättigung noch gesteigert, so weit es ging.Voraussetzung ist natürlich eine hohe Farbigkeit schon bei den Kostümen und der Ausstattung. Ich kann als Kameramann nichts herzaubern,was nicht schon da ist.
Zazie Knepper: Wir wollten eine Spannung aufbauen zwischen der heiteren Außenseite und dem,was darunter liegt, den tieferen Schichten, die im Verlauf des Filmes zum Vorschein kommen.Dafür stehen die Insekten und Krabbeltiere, die plötzlich überraschend ins Bild kommen ? Kompostwürmer, Ameisen etc.

Wie haben Sie Gärten oder Innenräume umgestaltet,um die beste Lösung zu finden?
Zazie Knepper: Wir haben in insgesamt vier Kolonien gedreht.Wir brauchten offene Blickverbindungen und Durchsichtigkeit, um deutlich zu machen, dass die Menschen hier zu einer Gemeinschaft gehören und in ihren Gärten wie auf dem Präsentierteller sitzen.Wir haben also Hecken niedriger geschnitten oder einen riesigen Knöterich, der über einem Gartentor rankte, abgenommen.
Hans Fromm: Selbst das Polizeipräsidium haben wir eingefärbt. So haben wir sämtliche Flurtüren rot gestrichen ? ein erheblicher Aufwand. Außerdem haben wir gelbe Wände aufgebaut, die zugleich den Vorteil hatten, dass wir damit Präsidiumsbüros und Pathologie miteinander verbinden konnten ? obwohl sie real nicht im selben Gebäude lagen. Überall dort, wo wir Einfluss nehmen konnten, haben wir uns für möglichst kräftige Farben entschieden.
Ingrida Bendzuk: Ich habe versucht, die Darsteller in ihrer Kostümfarbigkeit wie blühende Blumen aussehen zu lassen. Nicht nur in den Gartensequenzen. Das kann man in der Uni-Bibliothek gut sehen. Da sitzen die Studenten im Hintergrund und die Farben werden wieder aufgenommen.

Haben Sie den Farben bestimmte Bedeutungen gegeben?
Hans Fromm: Uns ging es um eine generelle Atmosphäre. Von symbolhaften Farben halte ich nicht viel.
Ingrida Bendzuk: Durch die unterschiedliche Farbgebung sollte versucht werden, die herbstliche Heiterkeit, das Morbide und die Vergänglichkeit in der Geschichte zu zeigen wie auch bestimmte Charaktere zu unterstützen.
Zazie Knepper: Die Farbgebung sollte sich durch den ganzen Film ziehen. Die Ausstattung muss dabei glaubwürdig bleiben ? einerseits muss sie realistisch wirken, andererseits soll sie eine Geschichte miterzählen. Beim ?Tatort? muss die Ausstattung zudem einem bestimmten ästhetischen Anspruch genügen, darf aber auch keine künstliche abgehobene Welt schaffen. Das ist die Aufgabe der Ausstattung, das ist die Gratwanderung.

Ein farbensprühendes Highlight ist das Erntedankfest in der Gartenkolonie.Wie haben Sie dieses Fest gestaltet?
Ingrida Bendzuk: Ich habe auch hier die Natur und Garten zum Vorbild genommen. Es sollte lustig sein. So entstand die Idee, Obst und Gemüse tanzen zu lassen. Die Kostüme wurden entsprechend gefertigt.

Sind Sie beim Kostüm darauf eingegangen, dass Maria Furtwängler diesmal eine junge Mutter spielt?
Ingrida Bendzuk: Ja. Ich habe entsprechende Stoffe und Schnitte ausgewählt.Kommissarin Lindholm trägt als junge Mutter bequeme Kleidung in heiteren Farben.

Herr Fromm, wie haben Sie dieses Farb-Konzept bei den Nachtszenen umgesetzt?
Hans Fromm: Die Nachtszenen in der Gartenkolonie haben wir bewusst in sehr eigenes, ein intensives rot-oranges Licht getaucht. Die haben es auf die Spitze getrieben. Das kräftige Orange verdrängt alle anderen Farben.

NDR-Pressemappe


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