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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Es kommt auf den gesprochenen schwäbischen Dialekt an"

Der MdL Thomas Oelmayer sprach mit dem tatort-fundus über die kleine Landtagsanfrage, die er im Mai 2007 an die Landesregierung von Baden-Württemberg richtete und diese ermuntern wollte, sich für die Fortsetzung eines "schwäbischen TATORTs" einzusetzen.

Herr Oelmayer, würden Sie sich selbst als TATORT-Fan bezeichnen?

Ja. Die TATORT-Serie verfolge ich seit deren Start Anfang der 70er-Jahre.

Der Landtagsabgeordnete Thomas Oelmayer (GRUENE) ist TATORT-Fan, Bild: T.Oelmayer
Sie haben letztes Jahr als Fraktions-Abgeordneter der GRÜNE die Landesregierung von Baden-Württemberg u.a. gefragt, ob sie bereit wäre, dafür zu werben, dass die Bienzle-Nachfolger auch den schwäbischen Dialekt beibehalten sollten. Wollten Sie die Landesregierung dazu bringen, sich für einen schwäbelnden Bienzle-Nachfolger stark zu machen?

Natürlich ist mir bewusst, dass es sich bei der Rundfunkfreiheit um ein verfassungsrechtlich geschütztes Gut handelt und die Landesregierung somit keine direkte Einwirkungsmöglichkeit auf Programm und Programmgestaltung bei Rundfunk und Fernsehen hat. Im Zusammenhang mit der von der Landesregierung gestarteten Webekampagne ?Wir können alles. Außer Hochdeutsch!?, die im Übrigen viele Millionen Euro kostet, wollte ich bei der Landesregierung lediglich anregen, sich natürlich unter Beachtung der Rundfunkfreiheit für die Fortsetzung eines ?schwäbischen TATORTs? einzusetzen.

Ist der Stuttgart-TATORT Ihrer Meinung nach nur "authentisch", wenn dort schwäbischer Dialekt gesprochen wird ?

Ja.

Gehen wir doch mal die Antwort der Landesregierung kurz durch: dort heisst es u.a. es sei wichtiger, dass die Stadt Stuttgart weiterhin Schauplatz im TATORT bleibe, als der schwäbische Dialekt. Der sei zwar schön, aber von "untergeordneter Bedeutung". Teilen Sie diese Meinung?

Nein, diese Meinung teile ich nicht. Für die Authenzität eines schwäbischen TATORTs kommt es m.E. nicht so sehr auf die architektonische Umgebung, sondern vielmehr auf den gesprochenen schwäbischen Dialekt an.

Nun ist ja schon länger bekannt, dass die beiden Nachfolger - übrigens aus der Kurpfalz und damit gerade noch Baden-Württemberg - alles mögliche tun werden, aber eben nicht Schwäbisch sprechen. Sie haben ja in Ihrer Anfrage auch gefragt, ob der Werbeslogan "Wir können alles außer hochdeutsch" bei nicht-schwäbelnden TATORT-Kommissaren dann nicht hinfällig sei. Was hat Ihnen die Landesregierung erwidert?

Der Landesregierung war die Fragestellung zu kompliziert, weil sie durch den Staatsminister hat mitteilen lassen, dass sich ihr der Zusammenhang zwischen dem Dialekt eines TATORT-Kommissars und der Imagekampagne des Landes ?Wie können alles. Außer Hochdeutsch!? nicht erschließt. Für mich, ist dieser Zusammenhang offensichtlich. Wenn die baden-württembergische Landesregierung mit Sitz in Stuttgart, d.h. im Schwabenland, eine Werbekampagne für das Land fährt, mit dem Motto, ?Wir können alles. Außer Hochdeutsch!? dann heißt das für mich, wir sprechen schwäbisch, aber nicht hochdeutsch.

Sie sind ja nicht der erste Politiker, dem der TATORT eine öffentliche Reaktion wert war, so hat z.B. Franz-Josef Strauß 1975 beim SFB-Intendanten über die Gewaltdarstellung im TATORT per Telegramm beschwert, manche schreiben auch offene Briefe. Erst kürzlich wollte der SPD-Vorsitzende Beck dem SWR-Intendanten Peter Boudgoust sogar ein paar Hinweise wegen eines unpassenden Sendetermins geben. Der hat sich solche Einmischungen in programmliche Bereiche des SWR natürlich verbeten. Worin liegt es Ihrer Meinung nach begründet, dass es oft nur um den TATORT geht, wenn Politiker sich zu Fernseh-Themen äußern oder sie aufgreifen?

Das liegt einfach an der Einschaltquote, an der Tradition des TATORts und liegt daran, dass oft auch gesellschaftliche Problemlagen aufgegriffen werden. Für mich war jedoch nicht die mediale Präsenz ursächlich für meine an die Landesregierung gerichtete Anfrage, sondern erfolgte aufgrund einer Anregung des Leiters des Hauses der Geschichte in Stuttgart. Dort hatte ich gemeinsam mit ca. 20 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten der Polizeidirektion Ulm einen Besuch abgestattet und beim abschließenden Gespräch mit Herrn Dr. Schnabel (Leiter des Hauses der Geschichte) in der Eingangshalle die Vitrine mit den dort ausgestellten Utensilien Mantel und Hut des ausgeschiedenen Kommissars Bienzle betrachtet. Vor den Beamtinnen und Beamten regte Herr Dr. Schnabel dann an, dass es doch die Aufgabe eines Abgeordneten wäre, bei der Landesregierung anzufragen, ob die schwäbische Tradition nach Ausscheiden von Kommissar Bienzle im Tatort beibehalten bleibt. Insoweit war meine Anfrage an die Landesregierung den Polizeibeamtinnen und ?beamten geschuldet und nicht etwa der durch die Anfrage hervorgerufenen Presseberichterstattung.

Letzte Frage: Angenommen, Sie hätten Programmverantwortung für den Stuttgarter TATORT: Wer würde da heute wie ermitteln?

Nachdem sich der amtierende Justizminister Goll bereits in einer Nebenrolle des TATORTs bei Bienzle qualifiziert hat, hätte dies eine besondere Qualität, wenn der Justizminister künftig die Hauptrolle übernehmen würde. Natürlich müsste dieser die dort erzielten Nebeneinkünfte an das Land abführen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Francois Werner


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