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Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Man kann sich nur wünschen, dass jedes Ende auch ein Neuanfang ist"

Interview mit Ursula Karven

Bild: NDR/Maria Krumwiede
Als Staatsanwältin Wanda Wilhelmi geraten Sie in die Gewalt von Verbrechern. Verzweifelt Wilhelmi angesichts der Tortur?
Nein, sie steht ihre Frau und bleibt sehr standhaft ihren Prinzipien treu. Doris J. Heinze, Robert Atzorn, Thomas Bohn und ich haben beim Dreh lange Gespräche darüber geführt, warum sie sich nicht unterkriegen lässt: Wanda Wilhelmi steht hier für den Staat, an den sie glaubt, und für die Gerechtigkeit, die sich nicht verbiegen lässt. Sie ist bereit, alles dafür zu riskieren.

Bei den brutalen Verhören versuchen Sie, eine Komplizin der Entführer auf ihre Seite zu ziehen ? ein Appell von Frau zu Frau?
Ob es eine Frau ist oder ein Mann, spielt hier keine Rolle. Wanda merkt, dass diese Komplizin wankelmütig und nicht völlig von dieser Entführung überzeugt ist. Wanda spürt schnell, dass der einzige Weg hinaus aus ihrem Verlies über diese Wackelkandidatin führt.

Die Maske hat ganze Arbeit geleistet: Sie sehen in diesen Szenen im Kellerverlies wirklich übel zugerichtet aus. Viele Schauspielerinnen sagen, dass es ihnen nichts ausmache, im Film ihre Schönheit für die Rolle zu opfern. Sehen Sie das ähnlich?
Mich persönlich hat dieses Aussehen überhaupt nicht gestört. Ich musste mich nur daran gewöhnen, dass mich Mitarbeiter aus dem Drehteam oft völlig entsetzt anstarrten oder ansprachen, sobald ich aus der Maske kam. Da hieß es für mich, locker zu bleiben. Man läuft ja den ganzen Tag so herum. Einmal, nach einem späten Dreh, hatte ich sogar vergessen, mich abzuschminken und bin so ins Hotel gekommen. Ich dachte gar nicht mehr daran, wie zugerichtet ich aussah, aber die Mitarbeiter an der Hotelrezeption wurden fast ohnmächtig, als sie mich sahen. Die dachten, ich wäre in einer düsteren Ecke der Stadt zusammengeschlagen worden. Ich hatte diese Maske so völlig vergessen, wie ich sie auch beim Drehen vergesse. Wenn die Kamera läuft, konzentriere ich mich so sehr auf die Gefühle, die ich darzustellen habe, dass die Maske nebensächlich wird.

Hat Autor und Regisseur Thomas Bohn Ihnen gut dabei geholfen, sich in Wandas beklemmende Lage hineinzuversetzen?
Thomas Bohn ist ein exzellenter Regisseur, und da er die Geschichte auch geschrieben hat, hatte er sehr genaue Vorstellungen von der Figur Wanda Wilhelmi, sehr genaue Vorstellungen davon, wie sie diese Entführung durchlebt und wie sie mit der bedrohlichen Situation umgeht. Er hat mich sehr gut geführt und ich habe mich in dieser Hinsicht komplett auf ihn verlassen.

War es schade, dass sie so wenige gemeinsame Szenen mit Robert Atzorn alias Hauptkommissar Jan Casstorff hatten? Immerhin hatte sich in den letzten ?Tatort?-Episoden eine intensive Liebesgeschichte zwischen Casstorff und Wilhelmi entwickelt.
Als Schauspielerkollegen, mit dem ich mich sehr gut verstehe, habe ich Robert natürlich beim Dreh dieser Szenen sehr vermisst. Für meine Arbeit spielte die Distanz allerdings keine Rolle. Ich war auf meine Rolle vorbereitet, so wie sie angelegt war, war innerlich geradezu festgezurrt an meine Aufgabe als Schauspielerin und habe meine Emotionen spielen lassen. Ich fand es geradezu hilfreich, allein am Drehort zu sein.

Fanden Sie es wichtig, dass die Lovestory zwischen Wilhelmi und Casstorff in dieser abschließenden Episode zu einem entscheidenden Punkt gebracht wird?
Besonders für die Rolle Casstorffs fand ich es sehr wichtig, einen Abschnitt abzuschließen und die Motivation für einen Start in ein anderes Leben zu finden. Ich finde es ganz schön, dass man diesen Film entgegen der Erwartung eines dramatischen Finales relativ offen auslaufen lässt. Diese reduzierte Art, mit einem Finale umzugehen, finde ich ganz gut.

War dieser letzte ?Tatort? denn für Sie ein besonderer ?Tatort??
Für mich war diese letzte Episode eine große Herausforderung. Ich habe so etwas in so einer Härte noch nie gespielt. Für mich als Schauspielerin war es aufregend, an meine Grenzen zu gehen. Es war ein intensives Erlebnis, mich in dieses Gefühl der Entführung, des Kidnapping hineinfallen zu lassen. So merkwürdig das im Zusammenhang mit Wandas beklemmender Situation klingt: Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Thomas Bohn hat Wandas Haltung zu dem Geschehen gemeinsam mit mir entwickelt: Ihr Gefühl, dass sie nur durch ihre Stärke gewinnen kann am Schluss. Ihre Überzeugung, dass sie sich nur retten kann, wenn sie sich nicht verbiegen lässt. Für mich war es eine tolle letzte Wanda-Wilhelmi-Erfahrung.

So ruppig ist man in den vorigen Folgen nicht mit Ihnen umgegangen, oder?
Nein, bestimmt nicht. Ich habe diesmal beim Drehen einiges zu spüren bekommen. Obwohl ich wirklich durchtrainiert bin, war es ziemlich heftig. Die haben mich gerissen, geschleudert und geschmissen, auf den Tisch geknallt ? für jemanden, der nicht körperlich fit ist, wäre das kaum durchzustehen.

Sie haben blaue Flecke davongetragen ??
Absolut. Für diese Rolle war das notwendig. Ich habe den Kollegen gesagt, dass sie zugreifen sollen. Es sieht unglaubwürdig aus, wenn man diese Griffe nur andeutet.

Bedauern Sie es insgesamt, dass diese ?Tatort?-Reihe gerade zu einem Zeitpunkt ausläuft, an dem Sie als Staatsanwältin eine immer wichtigere Rolle gespielt haben?
Man kann sich nur wünschen, dass jedes Ende auch ein Neuanfang ist. Es war eine großartige Zeit ? von Seiten der Kollegen, der Redaktion. Ich bin dankbar für die tolle Aufgabe, die ich hatte, und muss jetzt offen für neue Dinge sein.

Was steht für Sie als Nächstes an?
Zwei neue Projekte für die ARD sind geplant, weitere neue Aufgaben stehen an ? ich bin voller Tatendrang.

NDR-Pressemappe


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