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Heute ist der: 26.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Es war Roberts Idee, mich als zweiten Mann ins Boot zu holen"

Interview mit Tilo Prückner

Bild: NDR/Maria Krumwiede
Kurz nach dem Mord ermittelt Holicek beim zwielichtigen Chef des Hamburger Export-Verbandes. Wie fühlt er Verdächtigen auf den Zahn?
Im Vergleich zu Jan Casstorff nimmt Holicek seine Gesprächspartner auf etwas derbere Art ins Verhör.

Dreh- und Angelpunkt dieses Falles sind illegale Geschäfte mit Elektroschrott ? für Sie ein bislang unbekanntes Thema?
Nein. Dass die Industriestaaten versuchen, ihren Schrott in der dritten Welt loszuwerden, habe ich schon mitbekommen. Das ist ein ernst zu nehmendes Problem. Bei meinen verschiedenen Reisen, etwa nach Indien, fielen mir schon einmal alte Schiffe auf, die in der Reede von Bombay lagen und dort offenbar verschrottet werden ?

? und dort beispielsweise die Umwelt schädigen?
Ja, auch wenn immer das Gegenteil beteuert wird. Wir wissen doch, wie gerne sich etwa die Energiekonzerne als umweltbewusst und verantwortungsbewusst präsentieren ? die Realität sieht doch oft ganz anders aus. Auch den Versprechen unserer Politiker in Sachen Klimaschutz mag ich nicht so recht trauen. Der Schein kann trügen, das zeigen auch die scheinbar honorigen Kaufleute, die unseren ?Tatort? bevölkern.

Im Film hadert Holicek ständig mit seinem Dienst- Computer, der nicht so will wie er soll.
Diese Computer-Episoden dienen als humoristische Auflockerung ? anschließend wird es dann wieder ernst.

Wie steht es mit Ihren eigenen Computer-Kenntnissen? Können Sie wie Holicek das Ding mit einem kleinen Tritt wieder zum Laufen bringen?
Ich gehöre eher zu den Dinosauriern, was Computer betrifft. Ich besitze einen Laptop, den ich aber nur als Schreibgerät nutze. Ich habe keinen Internet-Zugang, schreibe also weder E-Mails noch surfe ich im Web. Es macht mir einfach keinen Spaß.

Haben Sie sich eigentlich auf die Drehbuch-Einfälle von Thomas Bohn verlassen, oder haben Sie noch ein paar Holicek-Sprüche hinzugedichtet?
Man sagt mir wohl nach, dass ich oft ziemlich viel an Drehbüchern ändere. Es gibt allerdings auch Regisseure, die sich dagegen wehren. Thomas Bohn hat mir bei diesem letzten ?Tatort? freundlicherweise weitgehend freie Hand gelassen. Daher habe ich einige zusätzliche Einfälle und Änderungen ergänzt.

Im letzten ?Tatort? ist viel Raum für das Kumpel-Verhältnis zwischen Casstorff und Holicek. Sind die beiden jetzt ein Herz und eine Seele ? oder doch wie Feuer und Wasser?
Eines ist klar: Holicek würde nichts unversucht lassen, um Casstorff etwas recht zu machen. Er ist absolut loyal, auch wenn er mit ihm streitet. Holicek ist froh darüber, dass Casstorff souverän genug ist, über gewisse Eigenarten seines Mitarbeiters und Kumpels großzügig hinwegzusehen.

Gibt es so etwas wie das Erfolgsgeheimnis dafür, dass Sie mit Atzorn in diesem ?Tatort? so ein unterhaltsames Gespann bilden? Ist es die gegenseitige Sympathie?
Dass wir beide uns mögen, ist sicher die Basis dafür, dass wir als Ermittlerteam gut harmonieren. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Drehbuchautoren uns beide als Figuren mit noch mehr Ecken und Kanten ausgestattet hätten ? wir wären als Ermittler-Duo dann noch prägnanter geworden.

Nachdem Staatsanwältin Wilhelmi entführt wurde, geben sich Holicek und Casstorff abends am Kneipentresen ordentlich die Kante ? ist das ihre Art, Gefühle zu zeigen?
Ich denke, ja. Sie spülen ihre Sorge und Nervosität mit einigen Bieren runter.

Ist es eigentlich schwer, einen Betrunkenen zu spielen?
Es ist naheliegend, hier ?Nein? zu sagen. Ich möchte dennoch behaupten, dass es so einfach nun auch wieder nicht ist. Ich habe früher manchmal mit einer geringen Menge Alkohol nachgeholfen, weil es nüchtern sehr schwierig ist, den schwankenden Sprechrhythmus eines Betrunkenen nachzuahmen. Da ich früher oft Penner und Alkoholiker gespielt habe, bringe ich mittlerweile genug Übung und Erfahrung mit, um das auch nüchtern hinzubekommen. Achten Sie mal drauf: Nicht jeder Schauspieler überzeugt als Beschwipster.

Kannten Sie Robert Atzorn eigentlich schon vor dem gemeinsamen ?Tatort??
Genau so ist es. Es war Roberts Idee, mich als zweiten Mann ins Boot zu holen.

Welche von Ihren ?Tatort?-Folgen fanden Sie denn am gelungensten?
Meine Favoriten sind die beiden Folgen, die Claudia Garde inszeniert hat, ?Schattenspiele? und unsere vorletzte Episode ?Investigativ? ? die sind überdurchschnittlich gut. Ebenfalls sehr schön gemacht war die Episode ?Das Würfelzimmer? ? hier hat der Grieche Filippos Tsitos Regie geführt.

Welches Erlebnis bei den Dreharbeiten ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
In einer Szene fuhr ich unseren Dienstwagen, Robert Atzorn saß neben mir, der Kameramann auf dem Rücksitz. Wir mussten über eine Kante hinüber, an der unser Wagen immer hängen blieb. Ich habe dann vorgeschlagen, etwas mehr Gas zu geben. Als wir die Szene drehten, gab es plötzlich einen unglaublichen Knall, der uns einen riesigen Schreck eingejagt hat. Außerdem schossen jetzt die Airbags heraus, sämtliche Airbags in diesem Fahrzeug, auch an den Seiten ? das staubte ungemein. Das werde ich so schnell nicht vergessen. Wir mussten diese Airbags dann mühsam zusammenfalten und festkleben, damit wir drehen konnten.

Wie haben Sie als geborener Augsburger und Wahl- Berliner die Dreharbeiten in Hamburg erlebt?
Eine schöne, tolle Stadt. Ich habe mich jedesmal gefreut, nach Hamburg zu kommen. Das werde ich vermissen ? auch das Joggen mit Robert an der Alster.

Thomas Bohn wünscht Ihnen mehr komische Rollen. Wird Ihr komisches Talent unterschätzt?
Nun, bei diesem ?Tatort? sollte ich den Humor zunächst bewusst zurückfahren. Ich hatte vorher einige Rollen als Mörder ? da fand man einen humoristischen Holicek wohl nicht so passend. Ob mein komisches Talent unterschätzt wird, weiß ich nicht, auf jeden Fall spiele ich gerne Komisches. Immerhin war ich sechs Jahre lang der hypochondrische Kriminalhauptmeister in ?Adelheid und ihre Mörder?. An Holicek fand ich gut, dass er ein vergleichsweise normaler Typ ist.

Sie haben in den 70ern und 80ern mit jungen deutschen Regisseuren wie Reinhard Hauff oder Niklaus Schilling, Edgar Reitz und anderen gedreht und damals vor allem Exzentriker und Außenseiter gespielt. Welcher dieser Regisseure hat Sie am stärksten beeinflusst?
Stark beeinflusst und bis heute geprägt hat mich vor allem die ?Schaubühne?, das Berliner Theater, das ich mitgegründet und an dem ich lange gearbeitet habe. Ein guter Filmregisseur für Schauspieler ist Wolfgang Petersen, mit dem ich ebenfalls gedreht habe. Heutige Regisseure sind oft im technischen Bereich viel weiter als die Autorenfilmer damals ? allerdings nehmen sie die Technik oft schon wichtiger als den Inhalt.

Zwischen Ihren Film- und Fernsehprojekten zieht es Sie oft in die Ferne, häufig nach Indien ? warum gerade dieses Land?
Ich genieße es, dort sehr einfach und unkompliziert zu leben, verbringe oft einige Zeit in einem kleinen Wallfahrtsort und kann dort wunderbar entspannen ? beim Schwimmen, Wandern oder beim Nichtstun. Am Schluss meiner Indien-Reisen hänge ich immer zwei, drei Tage in Bombay dran. Dort lasse ich diese Fülle an Eindrücken auf mich einströmen, die man dort erleben kann ? davon kann ich dann ein Jahr lang zehren.

NDR-Pressemappe


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