Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 08.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Idealisten sterben schnell

Arno Dahm, Unternehmer einer Firma mit fair gehandelten Produkten und Jugendseelsorger einer christlichen Gemeinde, kommt als Oper eines brutalen Entführungsversuchs ums Leben. Die Täter können fliehen und nur ein 13-jähriges Mädchen ? das sich jedoch niemandem offenbart ? wird Tatzeugin. Gleichzeitig verschwindet die Staatsanwältin Wanda Wilhelmi spurlos.

Bei der Suche nach der enführten Wanda erhalten Holicek und Casstorff Unterstützung von ihrer ehemaligen Assistentin Jenny Graf, die mittlerweile im Auftrag des LKA ermittelt. Schnell erkennt das Team den Zusammenhang der beiden Fälle und sieht sich dem großangelegten, illegalen Handel von Elektroschrott gegenüber gestellt. Somit wird dem Fernsehzuschauer einmal mehr vor Augen geführt, dass die Abfallprodukte der westlichen Industrieländer achtlos in die Ländern der Dritten Welt entsorgt werden, wo sie die Umwelt unwiderbringlich zerstören.

Bild: NDR/Maria Krumwiede

Entwicklungshilfe "en passant"?

Aufmerksam auf das Thema Elektromüllschmuggel wurde Thomas Bohn, der für seine Arbeit vielfach ausgezeichnete Autor und Regisseur, durch einen Beitrag auf der Homepage der Umweltorganisation Greenpeace . Den Tatort hält der fleißige Internetuser für ein geeignetes Medium um seine Mitmenschen sozusagen "en passant" für Missstände der Gesellschaft zu sensibilisieren. Dass dies auch tatsächlich funktionieren kann, hat zum Beispiel der WDR mit der TATORT-Episode Manila eindrücklich bewiesen. Dieser Fall beschäftigte sich mit Kinderprostitution auf den Philippinen und war der Anstoß zu einem breit angelegten Projekt für das sich nicht zuletzt Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt, deren Engagement weiter andauert, stark machten.

Sicherlich muss sich nicht jeder TATORT, der sich mit einem entsprechenden Thema beschäftigt, an diesem leuchtenden Vorbild messen. Ob es jedoch ausreicht, eine Szene zu drehen, in der sich einige Polizeibeamte mit betretenen Mienen bei trauriger Musik Fotos von ausgebeutenden Kindern in Afrika anschauen, um als engagiert oder politisch zu gelten, bleibt dann doch eher fragwürdig. Vielleicht ist "en passant" für ein solch ernstes und wichtiges Thema etwas zu wenig. Vor allem, wenn man sich in anderthalb Stunden auch ansonsten viel vorgenommen hat! Kommissar und dazugehöriges Team verabschieden, vorher noch ehemalige Mitarbeiterin zurückholen, Staatsanwältin entführen lassen, Mord aufklären und, und und,.....!

Bild: NDR/Maria Krumwiede

Starke Helden

So wird nicht nur die Thematik, sondern auch der eigentliche Kriminalfall eher zur Nebensache - wofür beides jedoch viel zu kompliziert angelegt ist. Konzentriert man sich bei und tschüss aber auf das Wesentliche, nämlich die scheidenden Helden - kann man dieser Episode durchaus ihre positiven Seiten abgewinnen. Wanda Wilhelmi beispielsweise, herrvoragend gespielt von Ursula Karven, hält sich tapfer gegen ihre brutalen Entführer. Schließlich sieht sie sich als Vertreterin des Staates und der Gerechtigkeit, an die sie glaubt und der sie um jeden Preis zum Sieg verhelfen möchte.

Bild: NDR/Maria Krumwiede

Jenny ist zurück!

Dass auch Jenny, die ehemalige Assistentin des Teams Casstoff / Holicek, sich in und tschüss offiziell vom TATORT verabschieden darf, ist beinahe schon ein Geschenk an das Publikum! Thomas Bohn bezeichnet Jenny völlig zu Recht als "die wohl am meisten unterschätze Figur der Casstorff-TATORT". Die oftmals etwas komplexbeladen anmutende Assistentin musste in ihrem Team viel Frust aushalten - wusste sich aber stets zur Wehr zu setzten und sich in der Männerwelt zu behaupten. Und das ganz ohne in eine klischeehafte Frauenrolle zu verfallen, beziehungsweise auf ihre Weiblichkeit reduziert zu werden. Dies machte sie sicherlich zu einer der stärksten Frauenrollen am TATORT! Mit Jenny bekommt sogar das LKA ein freundliches Gesicht, was ja sonst beim TATORT - Charlotte Lindholm ausgenommen - nie der Fall ist. Die Einmischung der höheren Instanz ist dem jeweiligen Ermittler stets verhasst und wird meist durch eine möglichst unsympathisch wirkende Figur personifiziert. Nur Jenny vermag es, die Einmischung des LKAs als Amtshilfe wirken zu lassen und sich selbst - völlig uneitel - vordergründig ihrem alten Chef Jan Casstroff unterzuorden.

Bild: NDR/Maria Krumwiede

Die Inszenierung des Nicht-Festlegen-Könnens

Auch Casstorff und Holicek laufen noch ein letztes Mal zu Hochform auf. Ihre Beziehung zueinander ist so geschickt inszeniert, dass es schwerfällt zu entscheiden, ob sie ein Herz und eine Seele sind, oder eher wie Feuer und Wasser zueinander stehen. In und tschüss wird dieses Verhältnis des Nicht-Festlegen-Könnens geradezu zelebriert und wunderbar in der Schwebe gehalten.

Reduziertes Finale

Last but not least verhilft auch Atzorn seinem Casstorff zu einem würdigen Abschied. Den Spagat zwischen Coolness und Sorge um seine Geliebte beherrscht er jedenfalls perfekt. Etwas übertrieben wirkt nur das beinahe schon melodramatische Resumée, mit dem Jan sein bisheriges Leben zusammenfasst - schließlich wird ja nicht gestorben! Aber wie dem auch sei, am Ende steht schließlich die Erkenntnis, dass persönliches Schicksal und berufliches Fortkommen zu eng miteinander verbunden sind. Jan zieht daher seine Konsequenzen, erspart aber dem Fernsehzuschauer dankenswerter Weise einen allzu theatralen Abschied! Möge er mit seiner Staatsanwältin glücklich werden, auch über das verflixte siebente Jahr hinaus, in dem er den TATORT verlässt,....

Katharina Gamer


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3