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Heute ist der: 19.12.2018. --> Bis heute wurden 1087 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

?Wenn ich als Chef einer Frau wie Charlotte Lindholm gegenüberstehe, ist Konsequenz unabdingbar?

Gespräch mit Torsten Michaelis

Bild: NDR/Christine Schroeder
Als Staatsanwalt Stefan Bitomsky sind Sie Maria Furtwänglers neuer Chef. Erschwert oder erleichtert es Ihre Arbeit, als Neuzugang ins ?Tatort?-Team aus Niedersachsen einzusteigen?
Ich habe es nicht als erschwerend empfunden, bin aber mit dem gehörigen Respekt zu den Dreharbeiten erschienen.

Haben Sie sich in Ihrer neuen Rolle schnell zu Hause gefühlt?
Es hatmir geholfen, dass ich schon einige Führungsfiguren gespielt habe.Außerdem hat das Team mich herzlich aufgenommen.Bis ich mich richtig heimisch fühle, wird es aber noch etwas Zeit benötigen. Ich freue mich schon auf die nächste Episode.

Als einen Ihrer ersten Akzente statten Sie Ihren Staatsanwalt mit Führungsstärke und Konsequenz aus. Sollten gute Chefs stets konsequent handeln?
Wenn ich als Chef einer Frau wie Charlotte Lindholm gegenüberstehe, ist Konsequenz unabdingbar. Sie ist sehr authentisch, fordernd, hoch engagiert und trägt ihr Anliegen sehr energisch vor. Da darf ich mir als Staatsanwalt nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

Eine unterschwellige Kritik an den Defiziten deutscher Chefs insgesamt?
Nein, das wäre zu viel gesagt. Mein Verständnis dieser Rolle hat sich auch aus dem gemeinsamen Spiel ergeben. Gegen einen Heißsporn wie Maria Furtwängler als Kommissarin muss man sich eben zur Wehr setzen ? ohne allerdings gleich gegen sie zu arbeiten. Das ist ein schmaler Grat, auf dem ich hier balanciere.

Man könnte einwenden, Bitomsky sei nicht konsequent, sondern ein sturer Bürokrat, für den nur die Vorschriften zählen.Wie sehen Sie ihn?
Als Privatmensch wäre ich sofort dazu bereit, Charlotte Lindholm freie Hand zu geben, damit sie ihrem Verdacht nachgehen kann. Meine Rolle als Staatsanwalt Bitomsky erlaubt dies nicht. Ich habe zu verwalten und für Ordnung zu sorgen. Also muss ich Frau Lindholm bremsen und auf Einhaltung der Regeln drängen.

Da bleibt es nicht bei freundlichen Worten, der Ton wird schärfer, da wird um jeden Zentimeter gekämpft.Worauf kommt es für Sie an,wenn Sie einen solchen Konflikt spielen?
Es kommt darauf an, einen guten Rhythmus miteinander zu finden. Daneben mussten Maria Furtwängler und ich eine Kommunikationsebene finden, die beide Figuren klar positioniert, und dabei ein gutes gemeinsames Spiel entwickeln. Ich hoffe, dass es uns gelungen ist!

Nehmen Sie es bei Ihrer Rolle in Kauf, dass Sie in den Augen mancher Zuschauer als Dickkopf und hartherziger Bürokrat erscheinen?
Das muss ich wohl, das verlangt meine Rolle nun einmal. Mir liegt aber sehr daran, diesen Staatsanwalt nicht ausschließlich ins Lächerliche zu ziehen. Bitomsky soll bei den Zuschauern auch Sympathiepunkte erwerben und sie zum Schmunzeln bringen.

Ihre Auftritte in diesem ?Tatort? sind knapp und prägnant. Ist solche Knappheit schwerer zu spielen als Rollen mit ausufernden Texten?
Mein Staatsanwalt Bitomsky hat in der Tat nicht so viele Szenen. Dennoch möchte ich auch in einer relativ kurzen Szene die ganze Figur zeigen. Ich versuche also, in mir schon sehr viel Spannung, sehr viel Präsenz aufzubauen, bevor die Klappe fällt ? leider wird daraus manchmal auch eine starke Anspannung. Denn auch ich frage mich, ob es mir gelingt, diese Figur so schnell auf den Punkt zu bringen ? zumal ich mit einer so erfahrenen Kollegin wie Maria Furtwängler zusammenarbeite.

Wie haben Sie denn diese Zusammenarbeit erlebt?
Als sehr angenehm. Maria Furtwängler legte Wert auf intensive Proben, bei denen wir den eben erwähnten Rhythmus unserer konfliktbetonten Szenen entwickelt haben.Außerdem haben wir sehr darauf geachtet, dass die konsequente Haltung meines Staatsanwalts vor der Kamera nicht zu plakativ, nicht zu überhöht wirkt. An solchen Feinheiten gemeinsam mit der Hauptdarstellerin und der Regisseurin zu feilen ? das macht für mich eine gute Zusammenarbeit aus.

Schaut man sich Ihr Rollenspektrum an, von Gastrollen in Krimis wie ?Großstadtrevier?,?Der letzte Zeuge? oder ?Polizeiruf 110? ...
... besonders die ?Polizeirufe? von Bernd Böhlich sind mir in guter Erinnerung, die Folge ?Wandas letzter Gang? zum Beispiel ?

? bis zum Wehrmachtsoffizier in Dani Levis Hitler-Parodie ?Mein Führer? mit Helge Schneider hat man den Eindruck einer großen Bandbreite.Welche Rollen liegen Ihnen am meisten und welche spielen Sie am liebsten?
Welche Rollen mir am meisten liegen, kann ich genauso wenig benennen wie meine bisherige Lieblingsrolle. Ich gehe eigentlich an jede Aufgabe mit Herzblut heran. In Zukunft würde ich jedoch am liebsten mehr gebrochene, vielschichtige Figuren spielen.Wie bei vielen Schauspielern geht meine Sehnsucht in diese Richtung. Letztlich versuche ich aber, jeder Figur möglichst viele Facetten mitzugeben, von Selbstzweifeln bis zur inneren Einsamkeit, und sie dabei vor den gängigen Klischees zu bewahren.

Reizen Sie denn eher Krimis, die in soziale Brennpunkte hineinführen, oder die filmische Ganovenjagd weitab von Bezügen zur gewohnten Alltagswelt?
Mich reizen vor allem Krimis, die auch Schlaglichter auf unsere soziale Realität werfen und soziale Missstände aufzeigen. Ich finde es spannend, wenn Regisseure sehr genau auf die sozialen Strukturen achten, in denen sich ihre Figuren bewegen, und ihre Geschichten aus diesen Strukturen heraus entwickeln. Krimi-Geschichten in Verbindung mit den Lebensumständen der Menschen zu erzählen finde ich immer spannender als Geschichten, die einfach nur behauptet werden.

Sie arbeiten auch sehr erfolgreich als Synchronsprecher, verleihen Hollywood-Stars wie Wesley Snipes, Don Cheadle oder Sean Bean Ihre Stimme.Welcher Star ist Ihr persönlicher Favorit?
Eindeutig Benicio Del Toro. Er ist ein Schauspieler, der mich bis an meine Grenzen fordert, wenn ich ihn ins Deutsche nicht nur übersetzen, sondern auch übertragen will. Generell ist eine Synchron-Arbeit immer eine Verfälschung, eine Eins-zu-Eins-Übertragung kann es nicht geben. Aber manche Übertragungen ins Deutsche gelingen eben, manche nicht.

NDR-Pressemappe


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