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Heute ist der: 19.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Das Privatleben der Kommissare

Der neue Fall der Kölner Max Ballauf und Freddy Schenk ist ein gutes Beispiel für einen nicht unbedingt positiven Trend bei neueren TATORTEN: Immer häufiger werden die Privatleben der Kommissare mit dem Fall verknüpft. Häufig leidet darunter die Dramaturgie. In "Spätschicht" geht es noch gerade so gut - aber besser wäre es ohne die leidlichen Verquickungen.

Ballauf und Schenk am Telefon, Bild: WDR/Uwe Stratmann
Es beginnt mit einem Kontrastprogramm: Kreischende, auf Trampolinen springende Kinder werden gegengeschnitten mit Szenen in einem Bordell: Ein Mann geht lange Flure entlang, vorbei an Prostituierten, er scheint auf der Suche nach etwas oder Jemandem. Derweil schieben die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk einen vollbepackten Einkaufswagen durch das Kaufhaus, in dem Kinder sich in einem angeschlossenen Vergnügungsparcours austoben können. Ein dicker Teddybär thront im Einkaufswagen, Ballauf trägt ein Dreirad, ein Kind beschießt ihn mit zwei Softbällen. Währenddessen wird der Mann im Bordell erschossen.

Kriminalrat Brauer, Franziska und Kollegen, Bild: WDR/Uwe Stratmann

Aus zwei Fällen wird einer

Das Vermischen unterschiedlicher Schauplätze durchzieht den gesamten neuen Kölner TATORT. Es ist mal wieder eine jener Folgen, in denen der Kommissar, diesmal Max Ballauf, persönlich in den Fall verstrickt ist. Und es ist außerdem eine jener Folgen, in denen zwei Fälle, die zunächst nichts miteinander zutun zu haben scheinen, doch zu einem Fall werden.

Warum auch immer neigen die Drehbuchschreiber in den vergangenen Jahren vermehrt dazu, das Privatleben der Kommissare mit dem Mord zu verknüpfen. Das mag manchmal geschickt sein, Höhepunkte dieser Technik sind der Frankfurter TATORT "Das Böse", in dem die Eltern der Kommissarin Charlotte Sänger ermordet werden. Viele Kritiker lobten auch die Folge "Schatten" in der Kommissarin Inga Lürssen mit ihrer Vergangenheit als politische Aktivistin in den 1970er Jahren konfrontiert wird.

Britta Samland trauert um ihren Mann, Bild: WDR/Uwe Stratmann

Und schon wieder eine alte Liebe

Doch die Kehrseite solcher persönlichen Verstrickung ist, dass es schnell ein wenig an der Haaren herbeigezogen wirkt. Vor allem, da dem Privatleben der Beamten ja eh schon immer mehr Zeit gewidmet wird. Wenn dann auch noch die Leiche mit der privaten Vergangenheit der Kommissare zu tun hat, seufzen sicherlich viele Zuschauer auf: "Ach nö, nicht schon wieder eine alte Liebe, ein vergessener Kumpel oder ein Feind aus Jugendjahren, der plötzlich wieder auftaucht und sich rächen will." Zumal der WDR schon im vorletzten Fall der Kölner Ballaufs Sexleben mit dem Mord verknüpfte: In "Die Blume des Bösen" ist das Opfer eine Frau, mit der Max vor Jahren einen One-Night-Stand hatte und auch das nächste Opfer war eine seiner Ex-Freundinnen. Auch damals plagte Ballauf ein schlechtes Gewissen, da er beide Frauen schnell wieder aus seinem Leben gestrichen hatte. Das scheint ein Charakterzug des aufbrausenden Kölner Kommissars zu sein, dann auch dieses Mal ist der Tote ein alter Kumpel von Max, den er vor zwei Jahren aus den Augen verloren hatte beziehungsweise seine damaligen Probleme ignorierte.

Max und Freddy verstecken sich bei Franziska, Bild: WDR/Uwe Stratmann

Obligatorische Streitereien

Wie gesagt: Es kann spannend sein, Privates und Berufliches in einem TATORT miteinander zu verquicken. In "Spätschicht" ist es jedoch grenzwertig. Der tote Freund von Max ist ein Kollege der Autobahnpolizei. Den Kripo-Kommissaren wird der Fall sofort entzogen, die Abteilung "Interne Ermittlungen" übernimmt. Klar, Max lässt sich davon nicht abschrecken, ermittelt auf eigene Faust, wie man es eben so kennt von ihm. Ebenso kennt man die obligatorischen Streitereien mit Kollege Schenk - wobei letztlich Freddy selbstverständlich zu seinem Freund Max hält.

Zunächst aber gibt es noch eine weiteren Toten: Auf einem Autobahnrasthof hat der Reinigungsdienst eine übel zugerichtete Leiche gefunden. Wie schon erwähnt, hängen die Fälle zusammen, was sich dem TATORT-geschulten Zuschauer natürlich sofort erschließt. Alles also ein wenig vorhersehbar. Neu und phasenweise spannend bleibt der unerbittliche Kampf zwischen der "Internen" und der Kripo. Nicht uninteressant auch jene Szenen, die die berufliche Situation bei den im Vergleich zu den Hauptkommissaren "kleinen" Autobahnpolizisten aufgreifen - wobei man sich hier noch ein wenig mehr Detailtreue gewünscht hätte. Die hatte aber keinen Platz mehr, denn Maxs private Geschichte musste schließlich weitergeführt werden, dann brauchte es noch Zeit für die Streitereien und auch die Schiene mit Freddys Privatleben durfte nicht fehlen (Diesmal: seine Tochter ist schwanger.)

Schenk und Ballauf, Bild: WDR/Uwe Stratmann

Neue Facetten für Max

Letztlich haben die Drehbuchschreiber in "Spätschicht" noch so grade die Kurve gekriegt, da sie immerhin ein nicht ganz so oft durchgekautes Thema aufgreifen. Dennoch erhofft man sich gerade vom Rheinländer-Team ein wenig mehr Tiefgang. Und wenn schon das Privatleben der Kölner so sehr ausgeschlachtet wird, dann hätte die Figur des Max Ballaufs doch mittlerweile wirklich mal ein paar gut überlegte neue Facetten verdient. Würde sicher auch den Schauspieler Klaus J. Behrendt freuen, denn der spielt schließlich bereits seit 1992 - damals noch im Team mit Flemming und Koch - den chronischen Single mit Affären, der immer pleite und immer reizbar ist.

Ariane Arndt


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