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Tut mir leid Bruno - das war nicht Ehrlicher!

Mit "Die Falle" verabschiedet sich ein deutlich amtsmüder Bruno Ehrlicher von seinem Dienst am Tatort. Der Fall, der sein letzter werden soll, ist schnell erzählt und so dermaßen offensichtlich inszeniert, dass er völlig zu Recht zu einer farblosen Kulisse verkommt, vor welcher Ehrlichers Abschied zelebriert wird.

Schmierige Immobilienmakler, skrupellose Assistentinnen, verschuldete Mütter

Da gibt es einerseits den klischeehaft schmierigen Immobilienmakler Meier mit seiner fiesen Assistentin und andererseits die Frauen aus einem scheinbar idyllischen Leipziger Neubaugebiet, die die Raten für ihr neugewonnenes Familienglück nicht bezahlen können. Um das Geld, das die Frauen Meier schulden, aufzubringen, arbeiten einige der jungen Mütter bei Meiers skrupellosen Assistentin im Puff. Zum Beispiel die Tote Rudika Klein, deren Leiche Ehrlicher erhängt in ihrem Badezimmer auffindet. Und auch Kains neue Freundin Eva Sauer hat sich finanziell mit einem Kredit bei Meier übernommen. Als dieser seine Boshaftigkeit schließlich mit dem Tod bezahlen muss, denkt jeder was er denken muss,....

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So sieht sich Kain in einem Konflikt zwischen seiner Beziehung zu Eva und seinem Beruf als Polizist. Seinen Kollegen Walter, mit dem ihn eine innige Hass-Liebe verbindet, hintergeht er dabei ebenso schamlos wie seinen langjährigen Vorgesetzten und Freund Bruno Ehrlicher. Dieser hingegen merkt schnell in welchem Dilemma sich Kain befindet, verteidigt ihn theatral und stiftet ihn sogar dazu an, eine Straftat zu vertuschen. Da sich jedoch alle Beteiligten einig sind, dass ein Gericht hier lediglich den Tatbestand der Notwehr feststellen könne, wundert es doch sehr, dass ausgerechnet Ehrlicher, der bis dato seinem sprechenden Namen alle Ehre machte, Kain diesen derart ungeheuerlichen Vorschlag unterbreitet. Unklar bleibt auch was geschehen musste, um Ehrlichers unerschütterlichen Glauben an den Sieg der Gerechtigkeit zu zerstören. Schließlich war es Ehrlicher, der stets an die Richtigkeit seines Handelns als Polizist glaubte - und zwar "unabhängig davon, ob der Staatschef Honnecker oder Kohl" hieß.

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Auch im Übrigen wirkt der Columbo des Ostens, der in 45 Fällen mehr als 80 Mörder dingfest machen konnte, eher amtsmüde. Seinen letzten Fall gibt er - ganz ohne dramaturgische Not - an Kain ab. Mag dieser sich zwar daraufhin als Chef aufspielen und versuchen alle Spuren, die zu seiner Freundin führen, zu verwischen, seinem schlecht inszenierten inneren Konflikt verleiht dies keine zusätzliche Tiefe. Ehrlichers Argument, Kain könne damit mehr Verantwortung und endlich auch sein Erbe übernehmen, wirkt abgedroschen. Zumal die beiden dem Status der Vater-Sohn ähnlichen Beziehung eigentlich längst entwachsen sind.

Ehrlich und mit Fettbemmen

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Nichts scheint in dieser letzten Episode mehr so zu sein, wie es immer war. Bedauerlich, da man sich doch eigentlich darauf eingestellt hatte, mit Bruno Ehrlicher einen alten Bekannten in den wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden. Den unermüdlichen Kommissar, der Konflikte nie scheute, erkennt man hier jedoch kaum wieder - nur seinen Kaffee, den schüttet er wie eh und je von dem Becher aus Plaste in den Becher aus Porzellan. Und auch die Abschiedsparty, die Ehrlicher am Liebsten hätte ausfallen lassen, scheint dann doch nach seinem Geschmack zu verlaufen - jedenfalls genauso wie er sie sich gewünscht hatte, als er sich wünschte auf die Feier zu verzichten! Ehrlich und mit Fettbemmen!

Doch allerdings ist "Die Falle" nicht nur Bruno Ehrlichers Abschied, auch für Walter, Tommie und Frau Mitterer ist dies die letzte Tatort-Episode. Kain geht von nun an seinen eigenen Weg, Friederike wird wohl nie darüber hinwegkommen, dass aus ihr und Bruno nie ein "richtiges" Paar wurde, der Polizeipräsident hält eine missglückte Rede und die Polizeikapelle spielt dazu!
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Vom Volkspolizist zum Hauptkommisar

Das Ensemble um Ehrlicher brachte uns seit 1992 Geschichten nahe, die eine Region mit ihren Menschen und deren Problemen zeigte - und die in ihrer Verallgemeinerung uns alle betrafen. Leicht haben sie es sich dabei alle sicherlich nie gemacht. Den Dienst am Tatort traten sie zu einer Zeit an, in der die Biografien - sowohl der Figuren als auch deren Darsteller - einer kritischen Überprüfung ihrer politischen Vergangenheit Stand halten mussten. Ehrlicher setzte sich schonungslos mit seiner Vergangenheit als Volkspolizist auseinander und brachte nicht nur Veigl alias Gustl Bayrhammer, der den ungeliebten und aus dem Ruhestand zurückgeholten Chef aus dem Westen mimte, sondern gleich dem ganzen Fernsehpublikum nahe, dass auch in den Reihen der Staatsdiener eines Unrechtstaates sich nicht zwingend alle schuldig machten. Bereits in der ersten Tatort Folge des MDR fand am Ende eine Versöhnung zwischen Ost und West statt, die deutsche Wiedervereinigung wurde dem Zuschauer auf sympathische Weise vorgelebt - von einem Team, das bis heute auch in einer gesamtdeutschen Realität Bestand haben konnte.

Katharina Gamer


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