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Heute ist der: 19.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"That´s life!"

Der neue TATORT "Traum von der Au" spielt hauptsächlich in einem luxussanierten Münchner Mietshaus und stellt eine vermeintlich einfache Frage: liess der ekelhafte Vermieter einen unliebsamen Mieter umbringen? Der BR greift damit wieder ein Thema auf, welches er schon mehrfach in seinen TATORTen thematisierte. Zugleich ist es auch der letzte TATORT mit dem Assistenten Carlo Menzinger - der erzieht seine Kollegen vorsorglich schon mal zur Selbstständigkeit und ist seltsam nervös und gereizt?..

Bild: BR/Hauri
Lange war es angekündigt und beklagt worden - nun ist es leider so weit: der vorerst letzte TATORT mit Michael Fitz als Carlo Menzinger läuft im Fernsehen. Die spannende und alles überdeckende Frage also ist: Wie wird Carlo "herausgeschrieben"? Wird er sterben? Nein! Aber die Zuschauer dürfen gespannt sein, denn der Sender lässt sich mit dem Ende des Films ein Hintertürchen offen: Carlo könnte demnach theoretisch wiederkommen, ja Ivo Batic und Franz Leitmayr sind sich dessen sogar ziemlich sicher: "Der kommt wieder".

Bild: BR/Hauri

Böse Überraschung

Das Ausscheiden des Oberkommissars wirft die Frage auf, wie es ohne Carlo weitergeht, ja weitergehen kann! Geht das überhaupt? Ist das nicht das Ende des bisherigen Münchner TATORTs? Wie funktioniert der TATORT zukünftig? Denn: Wer macht zukünftig die Inventarlisten in der Wohnung der Verblichenen, wer checkt die Alibis aller Verdächtigen, wer gibt - auch ohne Dank zu erwarten (und zu bekommen) - die weiterbringenden Rechercheergebnisse und -hinweise?! Und überhaupt: wer übernimmt die undankbaren Aufgaben, die Ivo Batic und Franz Leitmayr in den letzten Jahren allzu schnell und bequem ihrem Carlo fast widerspruchslos auftragen konnten?

"Nicht immer, aber meistens"

Für die beiden Kommissare kommt das Ausscheiden ihres Kommissariatsmitarbeiters jedenfalls recht plötzlich. Fast geschockt sind die beiden, als sie davon erfahren. Zu schnell merken die beiden aber: der macht keine Witze mehr, Carlo macht ernst! Und dabei stand Carlo gerade vor seinem 25. Dienstjubiläum und die beiden Kommissare Batic und Leitmayr hatten mühevoll überlegt, was sie ihm da schenken könnten. Frage erledigt. Und recht schlau wurden die beiden Kommissare aus ihm in der letzten Zeit auch nicht mehr. Für die Auftragsrecherchen hat Carlo einfach "keine Zeit" mehr, interessiert sich lieber für die Zeitzonen von Texas und New Mexico und macht auch lieber eine Spritztour mit einem Oldtimer.... Was ist denn nur los? Ivo und Franz Leitmayr versuchen noch die Kurve zu bekommen, als sie den Abschied ihres Kollegen "geschluckt" haben. Ein bißchen schlechtes Gewissen müssen die beiden Kommissare schon gehabt haben: Die Zeit mit ihnen war doch immer schön, säuselt Franz Leitmayr dem Kollgen Carlo ins Ohr. Der verneint - nicht unversöhnlich gestimmt- dennoch ehrlich: "Nicht immer, aber meistens" und spielt auf die vielen undankbaren Jobs an, die sie ihm herablassend zugewiesen haben.

Bild: BR/Hauri

Von zerplatzten Träumen....

Der Weggang des liebgewordenen Assistenten mit großer, realer Fangemeinde ist und bleibt in "Der Traum von der Au" dennoch klar die Nebengeschichte. Der Film aus München handelt vielmehr von menschlichen Träumen, unter anderem dem Traum vieler Menschen, mietfrei und luxuriös zu wohnen, am besten noch in der Münchner Au, dem Lieblingsviertel vieler. Auch Kommissar Ivo Batic träumt diesen Traum und will sich eine solche Wohnung zulegen. Als ausgerechnet in diesem Mietshaus ein Mord geschieht, zerplatzt dieser Traum für ihn unweigerlich je mehr er während der Ermittlungen das Haus und deren Mieter kennenlernt: Die Hausgemeinschaft ist zertstritten, die einzelnen Mietparteien sind sich nicht grün und auf der Hausversammlung werden wahrlich keine Höflichkeiten ausgetauscht. Im Zentrum steht der Vermieter Bachinger: ungeliebt, nicht zimperlich und zynisch, mit Alexander Held wunderbar besetzt. Hat er den Hausmeister umbringen lassen?

Wie gut, dass die Kommissare während ihrer Ermittlungen über die verschlossenen und undursichtigen Bewohner immer wieder bei Gerti, der Metzgerin von gegenüber, nachfragen können und dabei leckere Sachen zu Essen bekommen. Als sie erfahren, dass auch Gerti einen Traum hatte, kommen die Kommissare in der Mordsache langsam auf die richtige Spur.....
Bild: BR/Hauri

Fast kammerspielartig

"Traum von der Au" ist bis ins Detail wunderbar besetzt: die Metzgerin Gerti wird von Johanna Bittenbinder brillant gespielt - sie hatte schon in einigen München-TATORTen ihren Auftritt und so das Lokalkolorit der Münchner Folgen verstärkt. Hubert Mulzer in der Nebenrolle spielt den straffällig gewordenen niedergelassenen Arzt-Professor genauso glaubhaft wie Volker "Zack" Michalowski den neugierigen (und lebendigen) Hausmeister Mikosz. Auch wenn der Film fast kammerspielartig daherkommt - die meisten Szenen spielen in dem Mietshaus - ist er gut gemacht und gar nicht langweilig: eine gelungene Mischung mit der richtigen, aus München gewohnten, Prise Humor. Ein TATORT-Highlight? Wohl nicht, eher "Durchschnittskost" aus München. Aber der Münchner Durchschnitt liegt immer einwenig höher als in den meisten anderen TAT-ORTen...

Bild: BR/Hauri

Ein alter Hut?

Einzig allein das Hauptthema ist ein alter Hut, insbesondere für den Münchner TATORT. Oder doch nicht? Der Sender hatte schon mal Streitereien in Mietshäusern zum Mittelpunkt seiner TATORT-Folgen gemacht, 1973 in der skandalträchtigen Folge "Tote brauchen keine Wohnung" am stärksten. In dieser Folge waren die Figuren so überzeichnet, insbesondere die des rücksichtslosen Vermieters (gespielt von Walter Sedlmyr), dass es öffentlich Proteste hagelte und der Film bis Anfang der 90er Jahre vom BR unter Verschluss gehalten wurde und nicht wiederholen werden durfte. Warum also macht der BR wieder dieses Fass auf?

Wenn also das Thema schon wieder gesetzt wird und das Prinzip der Redaktion - TATORTe zu zeigen, die nur in München spielen können und somit spezifisch Münchner Themen behandeln - noch immer Gültigkeit hat, dann lässt dies tief blicken und Rückschlüsse auf die Wohnungssituation des heutigen Münchens zu, wo noch immer deutschlandweit die höchsten Mieten verlangt werden....

Das Schicksal, Jahre unter Verschluss gehalten zu werden, wird "Der Traum von der Au" aber sicher nicht ereilen - wir werden ihn sicher noch häufig in den Wiederholungsschleifen der ARD-Sender zu sehen bekommen, schon alleine weil es die Abschiedsfolge von Carlo ist....

Da bleibt uns nur zu sagen: "Auf ein Wiedersehen!"

Francois Werner


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