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Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Der alltägliche Horror"

Peter Müller schreibt am 13.10.07 im ?Wiesbadener Kurier":

?In "Unter uns"  geht um einen verzweifelten, weil arbeitslosen Geiselnehmer und eine Kindesmisshandlung, bei der alle wegsehen - hier die tragische Hartz IV-Fallstudie eines Gedemütigten, dort die größere Sache, ein beklemmendes Lehrstück über Gleichgültigkeit und Egoismus. Und alles in allem ein echter von Trotta, der seine unbequemen Anliegen über alle Genre-Konventionen stellt.

dpa veröffentlicht am 12.10.07 in ?sat+kabel":

?Ausgerechnet die renommierte Filmregisseurin ("Die bleierne Zeit"), die nach eigenen Worten mit Action nicht viel anfangen kann, steigt rasant in den "Tatort" des Hessischen Rundfunks ein. (...)
Der Nebenstrang wird ganz allmählich zur Hauptgeschichte dieses ungewöhnlichen Jubiläums-"Tatorts" mit dem Ermittlerteam Sänger und Dellwo. Dabei spielt von Trotta mit ruhigen Bildern und einfühlsamer Filmsprache ihre alten Stärken aus. Der versteckte Skandal im Mietshaus ist ihr wichtiger als die Geiselnahme, die sie mit den üblichen Soko-Einsätzen routiniert abspult. "Natürlich hat mich besonders die Geschichte des misshandelten Kindes berührt", sagt die in Paris lebende Regisseurin. "Das so zeigen zu können, dass einen das angeht, dass man angerührt wird und es trotzdem nicht sentimental ist."
Was die beiden unterschiedlichen Fälle dramaturgisch zusammenhält, sind die beiden Ermittler. Sawatzki und Schüttauf haben sich schauspielerisch inzwischen zu einem herausragenden TV-Gespann entwickelt. Das Privatleben der stets verletzlich wirkenden Kommissarin und ihres nur scheinbar leicht raubauzigen Kollegen war schon immer - manchmal etwas aufgesetzt - in die jeweiligen Kriminalfälle verwoben. Dieses Mal wirkt es durchaus realistisch, wie die kinderlose und - gerade auch partnerlose - Kommissarin eine sensible Antenne für das trauriges Schicksal eines Kindes in ihrer nächsten Umgebung entwickelt."

Judith von Sternburg schreibt am 13.10.07 in der ?Frankfurter Rundschau":
    
?Dieser Tatort ist darauf angelegt, uns näher zu treten als eventuell gewünscht. (...)
"Unter uns", der erste Tatort der Filmregisseurin Margarethe von Trotta und zugleich ihr erster Film für den Hessischen Rundfunk, erzählt in ruhigen Bildern und anhand eines Buchs von Katrin Bühlig also zwei Geschichten. Sie treffen sich zwischendurch ganz raffiniert und gehen dann wieder getrennte Wege. Beide handeln von der allgemeinen Gleichgültigkeit. Wenn die Arbeitsvermittlerin nicht so wurschtig und die Kneipenwirtin nicht so diskret wäre, wenn die Damen und Herren von der Polizei nicht eine so lange Leitung hätten, und wenn die Mutter ihrer Tochter glauben würde, wer weiß, was alles hätte verhindert werden können. Einzuwenden wäre, dass es noch besser und aufregender ist, wenn man ein solche Botschaft nicht gar so sehr als Botschaft bemerkt.
Obwohl aber das Konstrukt durchleuchtet und obwohl manche Floskel zur Anwendung kommt, "Wir können noch mal von vorne anfangen" - allerdings ist die Welt ein Konstrukt, allerdings redet der Mensch dann und wann in Floskeln - , machen die Darsteller daraus eine höchst lebendige Geschichte. Franziska Walser etwa als Frau des Geiselnehmers hält ihre Rolle sonderbar in der Waage und bleibt ein glattes Rätsel. Bei der Polizei tut sich ja seit neuestem ein junger Mann hervor, Sascha Göpel, der ein Albtraum an Strebertum und Pfiffigkeit ist. Wir aber kennen genau einen solchen Menschen und könnten ihn beim Namen nennen, wenn das nicht infam wäre und den Betriebsfrieden stören würde. Am stärksten aber sind die Eltern des Kindes, das es angeblich nicht gibt. Susanne-Marie Wrage und Stefan Jürgens lehren die Zuschauer das Fürchten, weil sie so normal sind.
Strapaziös ist derweil, dass sie ungefähr 80 Minuten vor der Polizei merken, was sich im Nachbarhaus der wieder sehr seriösen, sehr faszinierenden Kommissarin Sänger, Andrea Sawatzki (auch Margarethe von Trotta kann kaum genug davon kriegen, ihr Gesicht zu zeigen), abspielt. Als die Polizei irgendwann auch drauf kommt, zu einem Zeitpunkt, an dem ihr sozusagen nichts mehr anderes übrig bleibt, jagt sie die Treppen hoch, als gehe es nach all den Jahren auf einmal um Sekunden. So schwankt die Menschheit zwischen Wurschtigkeit und Übereifer. Übel, übel."

Frank Kober schreibt am 13.10.07 in der ?Märkischen Allgemeinen Zeitung":

?Auch wenn das immer noch reichlich blauäugig wäre ? selbst angehende Filmemacher lassen sich nun mal nicht gern bevormunden ? der "Tatort: Unter uns" heute Abend hat allemal das Zeug, als Lehrfilm Eingang ins HFF-Archiv zu finden. Zeigen doch Katrin Bühling (Buch) und Altmeisterin Margarethe von Trotta (Regie) einmal mehr, dass es kein Privileg des Kinofilms ist, unter die Haut zu gehen oder mit herber Sozialkritik für Furore zu sorgen. Nein, auch schnödes Fernsehen kann diese Kraft entwickeln ? trotz Quotenkampf,
Sender-Konkurrenz und gebührengespeister Gernegroß-Allüren. Wenn dann noch ein Krimi unverhofft zum Kommentar auf die Tagespolitik gerät, dann wird es richtig kribbelig.
Denn wie bestellt und hinein ins aktuelle Gezeter zwischen Beck und Müntefering platzt jetzt die Geschichte des Arbeitslosen Wolfgang Kunert (Michael Brandner), dem bei seiner Jobvermittlerin (Lena Stolze) plötzlich die Sicherungen durchbrennen. (...) Atemberaubend, wie es Margarethe von Trotta gelingt, den Horror in unserem Alltag sichtbar zu machen. Und zwar genau da, wo der Wohlfahrtsstaat an seine Grenzen gelangt, wo Hoffnungslosigkeit und Armut die Gesetze der Menschlichkeit außer Kraft zu setzen beginnen. Und rührt schon das Schicksal der Betroffenen an, so sind es die stillen Momente, in denen vor allem
Schüttauf und Sawatzki dieses Drama fühlbar machen. Ein schockierender Krimi. Mit klug ausgeleuchteten Figuren, einer konsequenten Dramaturgie und einer wohltuend unspektakulären Optik. So geht diese Geschichte tatsächlich unter die Haut. Ganz wie in einem Lehrfilm."

TV-Movie schreibt:

?Die beiden völlig unterschiedlichen Handlungsstränge werden etwas bemüht in eine Geschichte gepresst - zu viel soziale Problematik für 90 Minuten. Dennoch: Fälle mit solch brisanter Thematik sähe man gern öfter."

TV-Spielfilm schreibt:

?Bei diesem ?Tatort?, der uns mit der alltäglichen Gleichgültigkeit konfrontiert, stockt einem wahrlich der Atem."

Zusammenstellung: Ulla Sommer



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