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Heute ist der: 10.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

?Ich habe mich verführen lassen?

Eine der größten deutschen Regisseurinnen drehte für den Hessischen Rundfunk ihren ersten ?Tatort?: Margarethe von Trotta über die deutsche Kultsendung, Sondereinsatzkommandos und Geschichten, die einen angehen.

Margarethe von Trotta über den TATORT. Bild: HR/Benjamin Knabe
hr-Journal: ?Unter uns? ist Ihr erster Tatort. Wieso jetzt auf einmal Krimi, auf einmal Serie? War das Ihr Wunsch?
Margarethe von Trotta: Ich bin schon öfter aufgefordert worden, einen Tatort zu machen, habe das aber immer abgelehnt. Obwohl mir dann alle immer gesagt haben: Tatort ist mit das Beste, was man im deutschen Fernsehen machen kann. Stimmt ja wohl auch, weil man darin noch Dinge unterbringen kann, die im normalen Fernsehspiel gar nicht mehr akzeptiert würden ? gesellschaftspolitisch harte Themen zum Beispiel. Der Tatort ist eine Kultsendung geworden, die sich das erlauben kann.

Für eine Kultsendung arbeitet man dann gerne?
Wenn man davon weiß. Ich habe diese Entwicklung aber nicht so verfolgen können, weil ich erst in Rom lebte und jetzt in Paris bin. Entsprechend war meine Antwort auf die Frage, ob ich einen Tatort machen wolle, erst einmal Abwehr. Ich wollte nicht in ein ?Format? gepresst werden. Dann kamen aber Liane Jessen und Inge Fleckenstein ? die Filmchefin und eine Tatort- Redakteurin vom hr ? mich im Rheingau besuchen, wo ich einen Teil meines letzten Kinofilms ?Ich bin die Andere? gedreht habe. Und die beiden waren so herzlich und überzeugend, dass ich mich habe verführen lassen. Es ist für mich immer sehr wichtig, mit wem ich zusammenarbeite.

Das Drehbuch gab es schon?
Nicht ganz. Zuerst hatte ich nur ein Exposé der Geschichte, und wir haben uns dann mehrmals mit Drehbuchautorin Katrin Bühlig getroffen. Vor allen Dingen habe ich mir aber erst einmal die ganzen Tatorte angesehen, die schon mit Andrea Sawatzki (Charlotte Sänger) und Jörg Schüttauf (Fritz Dellwo) gedreht worden waren. Und das hat mich dann wirklich überzeugt.

Was genau?
Zuerst einmal funktionieren die beiden als Paar wunderbar. Und dann hat die Bildsprache von Niki Stein und anderen Regisseuren ein so hohes Niveau, dass ich da fast Ängste bekommen habe ...

Na, na ...
... ja, echt ? Ängste, das nicht genau so bedienen zu können, wie man das hier gewohnt ist. Gleichzeitig hat Liane Jessen mir gesagt: Wir wollen, dass jede Regisseurin ihren eigenen Stil und ihre eigene Ausdrucksweise mitbringt.

Und die Arbeit am Drehbuch von ?Unter uns? ? einer Geschichte, die als Geiselnahme im Job-Center der Arbeitsagentur beginnt?
Es sind eigentlich zwei Geschichten, die miteinander verzahnt sind. Die Geiselnahme lenkt die Aufmerksamkeit auf den eigentlichen Skandal, die bis dahin unbemerkte Misshandlung und Verwahrlosung in der direkten Nachbarschaft der beiden Kommissare. Natürlich hat mich besonders die Geschichte des misshandelten Kindes berührt. Das so zeigen zu können, dass es einen angeht, dass man angerührt wird und es trotzdem nicht sentimental ist ...

... das ist dann echt Trotta.
Ja, das ist meine Art. Das Gute an diesen Kriminalerzählungen ist ja, dass die Geschichte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommen kann, da sie in ein kriminalistisches Geschehen eingepackt ist.

Sie arbeiten mit vorhandenen Figuren ? mit den beiden Kommissaren.
Nicht nur mit den beiden. Es gibt ja sieben vorhandene Figuren und ein komplettes Umfeld: Kommissariat, Soko, Wohnung Sänger und so weiter. Und das SEK sieht man auch in fast jedem Tatort. Ich hatte aber mit einem echten Sondereinsatzkommando noch nie gedreht. Für mich war das sehr spannend, mal diese Leute zu sehen und zu erleben. Da kann sich jeder Regisseur nur beglückwünschen, dass er das wirkliche SEK bekommt. Das könnte überhaupt kein Schauspieler machen.

Und die Hauptdarsteller: haben Sie sie genommen, wie sie sind?
Ich habe versucht, ihnen Momente zu geben, die sie in der Form noch nicht gehabt haben. Sie werden Großaufnahmen sehen, die es so im Tatort bisher nicht gab. Der wirklich brutale Teil der Geschichte spiegelt sich in den Gesichtern der beiden Hauptdarsteller. Einerseits habe ich also schon versucht, sie in meine Richtung zu treiben, andererseits kennen die beiden die Figuren besser als ich. Wir haben gemeinsam daran gearbeitet, bis sie sich in ihren Rollen wiederfanden ? und dann waren sie auch sehr gut.

Das Interview führte Florian Schwinn; es erscheint im hr-Journal 5/2007.


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