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Heute ist der: 13.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

»Als Schauspieler hast du Verantwortung für deine Figur«

Ein Gespräch zu zehn Jahren »Tatort« aus Köln mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär

Bild: WDR
Seit 1997 bilden Sie das »Tatort«-Team Ballauf und Schenk.Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Klaus J. Behrendt: Oh, dann bin ich 57 und hoffentlich körperlich und geistig noch so fit, dass ich noch viele Filme machen kann.Wir können ja nicht davon ausgehen, dass wir bis dahin alle Verbrecher gefangen haben. Es kommen schließlich immer wieder neue dazu. Das ist ja das Problem.

Herr Bär, in Ihrer Rolle als Freddy Schenk sind Sie gerade Großvater geworden.Was hat sich aus Ihrer Perspektive im Leben des Kollegen Ballauf in den letzten Jahren verändert?
Dietmar Bär:Überhaupt nichts. Man kriegt ihn weder in eine Wohnung, noch in irgendein Sozialgefüge. Der verweigert sich jeder Beziehungsarbeit. Eine große Entwicklung ist da nicht wirklich zu sehen. Schade eigentlich. Es könnte ihm auch mal ein bisschen besser gehen.Wenn er schon keine Familie hat,wäre ihm zumindest ein wenig Freizeit zu wünschen.

Auch Freddy Schenk ist nicht gerade ein einfacher Zeitgenosse, oder?
Behrendt: Nein, wirklich leichter ist es mit ihm nicht geworden. Das meine ich auch im übertragenen Sinne. Mir fällt ja inzwischen meist der ganze körperliche Part zu: Bei den Verfolgungsjagden im »Tatort« muss ich immer die Laufarbeiten machen. Insgesamt, würde ich sagen, ist Freddy Schenk etwas ruhiger geworden. Geläuterter. Aber das trifft eigentlich für beide Charaktere zu.
Bär: Ist doch klar. Die beiden haben zig Morde aufgeklärt, extrem brenzlige Situationen bestanden und sich mit sehr komplexen Themen auseinandergesetzt. Daran sind die Kommissare auch gewachsen. Nach knapp 40 Fällen weiß man mehr über den Charakter, den man darstellt.
Da hast du auch als Schauspieler eine Verantwortung für diese Figur. Die Zeit, in der Schenks Markenzeichen seine Cowboystiefel waren, sind jedenfalls schon lange vorbei.
Behrendt: Aber ich muss schon sagen, es gibt auch immer wieder Momente, in denen man auch als Schauspieler über die Geschichte oder Inszenierung noch ganz neue Seiten an seiner Figur entdeckt? So wie zuletzt bei »Die Blume des Bösen« als Max Ballauf von einem Psychopathen durch die ganze Stadt gejagt wurde. Das war schon eine Extremsituation.

Wie experimentierfreudig darf man als Regisseur oder Autor beim »Tatort« aus Köln sein?
Behrendt: Experimentierfreude ist gerade das, was das Format »Tatort« auszeichnet.Wir haben in den zurückliegenden zehn Jahren sehr viele, ganz verschiedene Filme gemacht.
Bär: Klaus und ich kriegen dann die Info von der Produktion oder Redaktion: ?Da kommen jetzt ein junger Regisseur und ein innovativer Kameramann. Die haben mal etwas ganz Anderes vor.? Und dann geht es los. Man kann Krimis nicht neu erfinden, aber man kann sie immer wieder neu erzählen.
Behrendt: Die Figuren müssen dabei natürlich geschützt werden. Aber ein Regisseur hat bei uns die Plattform eine Geschichte anzubieten, die speziell ist.

Bild: WDR
Eine große Bandbreite gibt es auch bei den Stoffen, die der »Tatort« aus Köln behandelt: Da geht es neben dem klassischen Mord aus Eifersucht um große Themen wie Tretminen, Blutdiamanten und Kinderprostitution in Manila. Reicht Köln allein als Tatort nicht aus?
Behrendt: Der Ausgangspunkt für unsere Kommissare ist immer ein Mord, der in Köln passiert. Und dann muss man sehen,welche Geschichte sich daraus ergibt.Warum sollte man da bei der Stoffentwicklung die so genannten »großen Themen« ausschließen? Grundsätzlich finde ich es gut,wenn unsere Filme polarisieren. Auch Ballauf und Schenk sind sich in ihrer Einschätzung der Dinge ja nicht immer einig.Wenn wir mit dem »Tatort« ein wichtiges Thema wie das große Geschäft mit den Landminen anstoßen können, und die Leute am nächsten Tag auf der Arbeit sagen:»Was hälst Du eigentlich davon?«, haben wir doch schon viel erreicht.
Bär: Unter dem Strich ist und bleibt der »Tatort« aber immer ein Krimi. In so einem fiktionalen Format kann man keine ausgewogene Behandlung zu umfassenden Themen wie den Babyklappen oder der Wehrmachtsausstellung liefern. Aber wir können ganz schön was in Bewegung setzen. Unser »Minenspiel« wurde im Menschenrechtsausschuss des Bundestags gezeigt, und auch als wir mit dem Film »Bestien« das Thema Selbstjustiz aufs Tablett brachten, sorgte das für sehr viel Wirbel. Gerne würden wir einmal einen »Tatort« machen, in dem es um Arbeitslosigkeit geht. Das ist ein ganz wichtiges Thema in unserer Gesellschaft. Aber im fiktionalen Bereich findet das viel zu wenig statt.

Welche Missstände bewegen Sie, sich persönlich einzusetzen?
Behrendt:Vor knapp neun Jahren haben wir für den »Tatort« in den Slums von Manila gedreht. Das ganze Team war von den Verhältnissen, unter denen die Straßenkinder dort leben müssen so schockiert, dass wir spontan den Verein »Tatort ? Straßen der Welt e.V.« ins Leben gerufen haben. Hier setzen wir unsere öffentliche Bekanntheit dafür ein, dass Kindern in Notsituationen geholfen wird. Und wir sehen, dass unsere Arbeit etwas bewirkt. Der Verein hat inzwischen schon viele Unterstützer, darunter auch zahlreiche Kollegen und große Unternehmen. Und, das ist uns ganz wichtig: Das gespendete Geld fließt ohne Umwege direkt dahin,wo es dringend gebraucht wird. Zu den notleidenden Kindern.

Der »Tatort« aus Köln zählt stets zu den Quotenfavoriten ? Umfragen zu Folge sind Ballauf und Schenk das beliebteste Kommissaren-Gespann. Trotz dieser hohen Popularität machen Sie sich im öffentlichen Leben eher rar.Warum?
Behrendt: Als Schauspieler gibst du ohnehin schon eine Menge von Dir preis. Das Privatleben ist ? wie das Wort schon sagt ? privat. Und wenn man das konsequent durchhält, wird das von der Presse und der Öffentlichkeit auch akzeptiert.

Privat leben Sie beide in Berlin, doch seit zehn Jahren arbeiten Sie ? andere Filmprojekte einmal ausgenommen ? vornehmlich in Köln. Fühlt man sich da irgendwann wie ein klassischer Berufspendler?
Behrendt: Stimmt. Mein zu Hause ist Berlin, und Köln ist die Stadt, in der ich viel, viel arbeite. Das hat schon etwas sehr Vertrautes,wenn man am Köln-Bonner Flughafen mit den ganzen Businessleuten aus dem Gate herauskommt und der Fahrer, den wir schon seit vielen Jahren haben, auf einen wartet. Auch große Teile des Team sind ja schon seit Jahren dabei, das ist schon familiär. Ich wohne in Köln schon von Anfang an im gleichen Hotel ? aber nur damit da keine Missverständnisse aufkommen: Das ist nicht die Pension von Max Ballauf.
Bär: Ich habe in Köln eine kleine Wohnung, in der lebe ich,wenn wir hier drehen. Es ist schon schön, mitten im Pelz dieses großen, komischen Tiers Köln zu sitzen. Das ist ja eine sehr sympathische Stadt, auch wenn ich mir ein paar mehr Straßenschilder und weniger Baustellen wünschen würde.

Warum passen die Kommissare Ballauf und Schenk nach Köln?
Behrendt: Ach, ich glaube im Grundsatz könnten die Krimistoffe auch in jeder anderen Stadt in Deutschland spielen. Aber es ist schon ein Unterschied, ob du in einer Stadt ermittelst, die von Grund auf offen ist oder in einer, die sich sperrt. Die rheinische Mentalität lässt erst einmal alles zu.
Bär: Du musst eben sehen, wie sehr du es magst, am zugigen Rhein an der Pommesbude zu stehen und dich in deinem schicken Dienstwagen mit dem Kölner Verkehr rumzuplagen. Für uns ist es natürlich etwas ganz Besonderes hier zu drehen.Wir sind beide mit dem WDR aufgewachsen und haben unsere ersten Produktionen für den Sender gemacht. Jetzt als »Tatort« -Kommissar dort zu ermitteln,wo der WDR zu Hause ist, empfinden wir schon als Auszeichnung. Und sogar die Kölner Polizei hat uns schon für unsere Dienste gewürdigt.

In zahlreichen Kneipen gibt es sonntagabends »Tatort«-Abende, auch in Köln.Wie erklären Sie sich die Sonderstellung dieser Krimireihe?
Behrendt: Das ist heute ein Stück deutscher Alltag. Zum Sonntag gehört der Schweinebraten und der »Tatort«. Das Wochenende ist fast vorbei, und dann guckt man noch zusammen den Krimi: Früher im Kreis der Familie und jetzt, wo man nicht mehr zu Hause wohnt, trifft man sich eben zum gemeinsamen »Tatort«-Schauen in der Kneipe. Das ist doch schön. Der »Tatort« schließt das Wochenende ab. Und am nächsten Tag beginnt die neue Woche.

Wo sehen Sie den »Tatort«?
Bär:Oft in der Businesslounge am Flughafen. Denn am Montag haben wir ja wieder Dienst.

WDR-Pressemappe


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