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Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Drehbuch

Ein Drehbuch ist nie "A gmahde Wiesn"

In der Bayern 2-Sendung "Nahaufnahme" von Florian Scholbeck wird deutlich: Bevor und während der TATORT gedreht wird, wird das Drehbuch immer wieder verändert - von Sender, Regie und den Hauptdarstellern.

Bei der Pressevorführung des TATORTs A gmade Wiesn: das Quartett aus den beiden Hauptdarstellern, in der Mitte Regisseur Martin Enlen und Drehbuchautor Friedrich Ani. (Bild:BR)
Bei Drehstart zum TATORT "A gmahde Wiesn" lag das Drehbuch von Friedrich Ani in der vierten Fassung vor. Das Shootingscript wird von Regisseur Martin Enlen dann als Arbeitsgrundlage genommen. Doch erst nachdem die Ermittler-Darsteller Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec das Buch auch von ihrer Seite freigegeben haben; sie haben es 6 Wochen vor Dreh auch erhalten. Sie suchen dort nach Fehlern......

Udo Wachtveitl klärt auf: "Manchmal, wenn man ein Drehbuch über ein Jahr entwickelt, Szene dazufügt, weglässt, und es geht in die 7. oder 8. Version, dann wird man einfach betriebsblind. Da fällt es einem gar nicht auf, dass bestimmte Informationen zu diesem Zeitpunkt schon vorhanden ist oder nicht. Und da sind wir ein guter Gegencheck 6 Wochen vor Drehbeginn."

"Wir müssen uns das Ding zurecht basteln"

Miroslav Nemec ergänzt ganz lapidar: " Ein Drehbuch ist nie a gmahde Wiesn. Wir sind ja die Ausführenden. Wir müssen die Dinge die angeliefert werden anpassen. Die passen ja nie ganz genau. Wir müssen uns das Ding zurecht basteln. Es ist immer noch was anders, wenn man zusammen eine Szene spielt und spricht, dann fallen einem manchmal noch Sachen auf, wo man dann noch einmal den Satzbau verändert oder ein Wort."

Kurz vor Drehbeginn treffen sich die beiden Darsteller mit Autor, Regie und Redaktion und besprechen das Buch erneut. Wachtveitl: "Das ist ganz erstaunlich, wenn wir Drehbücher bekommen, liest sie jeder für sich. Dann gibt es eine Woche später ein Treffen zusammen mit dem Autor, dem Regisseur und mit der Redaktion. Und wir haben eigentlich fast immer an den identischen Stellen unsere Kringel und Anmerkungen."

Nicht nur am Satzbau wird gefeilt...

Doch nicht nur den einzelnen Satz ändern Wachtveitl und Nemec gerne, sondern: "Es wurden uns manchmal Konflikte reingeschrieben, die der inneren Strömung gar nicht entsprechen. Und dann ist es nur eine äußere Form eines Konflikts und hat nicht Hand und Fuß. Dagegen wehren wir uns und dann?" , sagte Wachtveitl in der Bayern 2-"Nahaufnahme" von Florian Scholbeck.

Aus Leitmayr wird Batic

Auch die Redaktion ändert das Buch - manchmal ganz deutlich. So hatte für "A gmahde Wiesn" der Autor die Idee, dass einer der Kommissare anfangs mit einer Frau Hand in Hand in ein Hotel geht - und dort niedergeschossen wird. Hier hatte sich Ani für Franz Leitmayr entschieden - doch die Redakteurin wollte Batic. Ani: "Das war eine reine Plot-Idee, die schon im ersten Entwurf vorhanden war. Im TATORT gab es so was noch nicht. Das schraubt die Geschichte sofort nach oben. Und die Redakteurin, Frau Koller, sagte, das ist ein sehr gute Idee, aber wir nehmen dann doch den Ivo Batic dafür, weil immer ein bisschen abgewechselt wird?"
Erst ein Kuss, dann ein Schuss - eigentlich war die schöne Frau und die Schüsse später nicht für Ivo Batic vorgesehen..... Bild:BR

Nix Straßenfest...

Und eigentlich sollten die beiden von einem Straßenfest aus ins Hotel gehen, sagte Ani. Doch aus einem Straßenfest wurde "nur" eine einsame Straße. Martin Enlen, der Regisseur, erklärt Florian Scholbeck in seiner Bayern 2-"Nahaufnahme": " Der Entstehungsprozess, wie so sich das verändert hat bei dem Straßenfest vor alle mit der Logistik zu tun. Es wäre das einzige Bild gewesen, wo man das Fest so sieht. Für den Aufwand - das muss man ja bei uns alles herstellen, man kann ja nicht einfach auf einem realen Straßenfest drehen ? das alles herzustellen ist einfach unglaublich aufwändig und steht nicht mehr im Etat eines TATORTS."

Warum Batic im Kinderzimmer aufwacht...

So viel kann verraten werden: natürlich stirbt Ivo Batic nicht - aber er kommt in Krankenhaus. Und als er dort aufwacht, findet er sich in einem Kinderzimmer, neben ihm der Teddy Bruno und Spielzeug, bunte Wände....

Hier hat der Zufall mitgemischt

Regisseur Enlen erläutert: "Das ist wie ein Geschenk, man geht durch das Motiv Krankenhaus und bekommt das übliche Zimmer gezeigt wo wir seit 15 Jahren alle drehen, geht weiter, schaut in einen anderen Raum und das ist halt ein Kinderzimmer, gibts ja. Und ich bin sehr glücklich, das die Szene jetzt so ist."

Drehbuchautor Friedrich Ani ist von dieser Änderung ebenfalls angetan gewesen: "Diese Szene in dem Kinderzimmer, da hat mich Martin angerufen, und hat gesagt, sie waren auf Recherche im Krankenhaus und haben zufällig dieses Kinderzimmer gesehen und er würde das gerne da drehen ? das ist ein wunderbarer Einfall."

Francois Werner


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