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Heute ist der: 22.09.2019. --> Bis heute wurden 1116 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

"Tragische Familiensache"

Judith von Sternburg meint, im Bodensee - Tatort sei "mehr drin gewesen" Sie schreibt am 8.09.07 in der ?Frankfurter Rundschau"

?Merkwürdigerweise hält sich dieser SWR-"Tatort" nur in kurzen Momenten auf der Höhe der Tragödie, die er erzählt. Ein Mädchen wird tot im Wald gefunden, unklar ist, wie sie umkam, unklar ist auch, welche "Familiensache" sie an dem Nachmittag ihres Verschwindens erledigen wollte. (...)
Daraus müsste doch etwas zu machen sein, aus dieser auch für Mitrater ansprechenden, personell übersichtlichen, psychologisch vielfältigen Situation unter dem Titel "Blutsbande" (!!). Stattdessen plätschert die Handlung vor sich hin, wie der frische und offenbar noch suboptimale Schnaps aus der, äh, entsprechenden Anlage (eine Szene, die rückblickend allerdings gewinnt).
Denn Susanne Schneider (Buch) und Jürgen Bretzinger (Regie) kümmern sich lieber um die Annäherungsversuche von Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) an die appetitliche Psychologin Siebenschön (Dana Golombek). (...)
Derweil ermittelt Kommissarin Blum (Eva Mattes) etwas unkonzentriert vor sich hin, teils schnippisch, teils schweigend. Vielleicht ist die Polizei tatsächlich so, wenn man selbst gerade verzweifelt, eine entsetzliche Vorstellung.
Uns bleibt vorm Finale nur das Staunen über den extravaganten Blümchenmustermix auf Beckchens Sommerkleidung."




Björn Wirth von der ?Berliner Zeitung" spricht von einem Tatort der besseren Sorte. Er schreibt am 8.09.07:

?Ach ja, der Bodensee. Die Leute von da sind schon sehr, nun ja, besonders, selbst beim See stimmt die Redewendung von den stillen Wassern, den tiefen. Und so muss die Bodensee-Kommissarin Klara Blum in ihren "Tatort"-Einsätzen immer erst die scheinbar heile Oberfläche abtragen, um die Abgründe der braven Schwaben freizulegen. Und am Ende findet sie heraus, dass hier so mancher eine Leiche im Keller hat oder doch wenigstens jeder was mit jedem.
Auch in ihrem neuen Fall "Blutsbande" ist das nicht anders. (...)
Doch es liegt nicht nur an [Janina Stopper], dass dieser Bodensee-"Tatort" einer von den Besseren ist. Die Autorin Susanne Schneider erzählt eine kleine, feine Geschichte über die alltäglich gewordene Verlogenheit in einer Familie, Regisseur Jürgen Bretzinger inszeniert den Stoff sehr ruhig, bisweilen vielleicht ein bisschen zu ruhig. So hat der Film in der Mitte zwar einige Längen, dafür schreckt er mit einem unappetitlichen Finale. In jeder Hinsicht."

 

 

Frank Kober von der ?Märkischen Allgemeinen" vergeht zwar nicht das Sehen, aber das Hören. Er schreibt am 8.09.07:

?Richtig böse wird es allerdings, wenn ein dröges TV-Filmchen mit einem noch drögeren Soundtrack endgültig verhunzt wird.
Genau das erlebt heute Abend, wer genau hinhört ? beim jüngsten Klara-Blum-"Tatort" vom Bodensee. Denn nur Gott weiß, welchen Teufel Marco und Robert Meister geritten haben, als sie sich ans Komponieren und Basteln ihrer Filmmusik gemacht haben. Oder ließ Regisseur Jürgen Bretzinger extra dicker auftragen, weil er seiner eigenen Inszenierung nicht über den Weg traute? Soll der nervtötende Klangbrei etwa kaschieren, was die Szenen und Bilder einfach nicht hergeben, nämlich Spannung und atmosphärische Tiefe?
Egal, Eva Mattes und Sebastian Bezzel können sich als Kommissare Blum und Perlmann mal wieder abrackern, wie sie wollen, ihr subtiles Spiel hat heute Abend kaum eine Chance. Denn nicht nur die Musik nervt ohne Ende, sondern die ganze Story.
Dabei hat sie eigentlich alles, was ein knisternder Fernsehabend zum Heranwachsen braucht (Buch: Susanne Schneider). Immerhin geht es um den Mord an einer 15-jährigen Schülerin. Immerhin werden wir schnurstracks in die schönste Familienfehde verwickelt, die sich in beschaulicher Bodensee-Idylle vorstellen lässt. Und immerhin erfahren wir einiges über das dunkle Seelenleben eines Mädchens (Janina Stopper), das mit dem Tod ihrer Freundin auf rätselhafte Weise verbunden scheint.
Dennoch geht dieses Drama einfach nicht unter die Haut. Was nun wirklich ein Drama ist. Hätte "Blutsbande" doch eine großartige Studie über die Verfehlungen und Verletzungen im ach so vertrauten Kreis einer Familie sein können (u. a. Max Gertsch, Michael Wenninger, Rainer Piwek, Johanna-Christine Gehlen). Doch anstatt die Tatsachen für sich sprechen zu lassen (und vielleicht auch mal dem Einfühlungsvermögen der Zuschauer zu vertrauen), überfrachtet Regisseur Bretzinger die anrührende Geschichte mit kitschigen Dialogen, bemühten Spaßeinlagen und, tja eben, mit einer jammervollen Filmmusik.
Zu schade. Das haben die überzeugenden Darsteller und die Buchvorlage einfach nicht verdient. So heißt es für uns bei diesem ambitionierten Krimi nur: Ohren zu und durch!"




Franz Solms-Laubach schreibt am 9.09.07 in ?Die Welt":

?Eng und trist ist es in manchen Familien. Übergriffe sind der Alltag und der Schritt zum Missbrauch oft nur klein. So ist das auch in dem neuen Tatort "Blutsbande", wo Eltern und Kinder zu eng aufeinander hocken. Zum Glück gibt es Kommissarin Blum, die dem Treiben ein Ende macht.
Familien sind ein Hort des Glücks. Dort ist man Zuhause und behütet, ohne dass man dafür etwas tun muss. Es ist der einzige Ort an den man niemals zurückkehren muss, wenn man ihn einmal erreicht hat, den seine Familie begleitet einen jeden Menschen sein Leben lang. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die Andere ist weitaus weniger schön. Wer eine Familie hat, der braucht keine Feinde mehr. Er hat sie ja bereits Daheim. Die Menschen, die man glaubt am besten zu kennen, sind oft die, die man in Wirklichkeit am wenigsten kennt. Sie sind natürlich auch diejenigen, die zu den größten Verletzungen fähig sind. (...)
Ein Fischer, ein Schnapsbrenner und ein Gastwirt ? drei Brüder die unterschiedlicher gar nicht sein könnten, aber durch Blutsbande unweigerlich aneinander geknüpft sind, das ist der Stoff aus dem der neue Tatort vom Bodensee gemacht ist. Und der hat es in sich. (...)
"Blutsbande" spielt mit düsteren Motiven. Mit Familienbanden, die zu eng geknüpft sind. Mit jungen Mädchen, die für erwachsene Männer schwärmen. Und mit erwachsenen Männern, die nicht verstehen, dass sie die Finger von kleinen Mädchen lassen sollten. Das alles ist ein äußerst unschöner Stoff, aber gutes Material für einen gesellschaftskritischen Krimi. Dass der neue Tatort es nicht immer schafft, die verschiedenen Elemente seiner Geschichte überzeugend zu verknüpfen, macht ihn nicht unbedingt zu einem schlechten Film. Es nimmt ihm aber die Fahrt und lässt den Zuschauer mit mehr Fragen zurück, als der Film mit seinem sehr drastischen Ende beantworten kann.
Vieles wird einfach nicht konsequent genug erzählt. (...)  Matthes wirkt in ihrer Rolle diesmal eher fahrig. Überfordert sogar. Die Geschichte ist eben einfach viel zu hölzern an manchen Stellen. Grob geschnitzt und mit eckigen Konturen versehen, wo Feinschliff nötig gewesen wäre. Dem sensiblen Thema hätte mehr Feingefühl und psychologisches Gespür wahrlich gut getan. (...)
Natürlich ist das Einschlafen das Todesurteil für einen Film, aber der Tatort "Blutsbande" ist eben ein Film für den zweiten Blick. Wer am Sonntagabend nicht schon zu müde ist sollte ihn auf jeden Fall schauen. Wer hingegen glaubt, einzuschlafen zu müssen, sollte ihn einfach aufnehmen, um dann tagsüber noch mal einen Blick zu riskieren. Für manche Szenen lohnt es sich durchaus. (...)
Der Film hat seine Momente, aber "Tatort" geht auch besser."

TV-Movie schreibt:

?Großes Kompliment für Drehbuchautorin Susanne Schneider (?Solo für Klarinette?)! Ihre düstere Geschichte steht in krassem Kontrast zur idyllisch-behaglichen Bodensee-Landschaft und wirkt gerade durch diesen Gegensatz so verstörend und schockierend."

TV-Spielfilm schreibt:

?Subtiles Kriminaldrama um Abhängigkeiten, Loyalität und mangelnde Offenheit in einem Kreis scheinbar vertrauter Menschen."

Zusammenstellung: Ulla Sommer



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