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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Ein enttäuschender TATORT vom Bodensee


Bild: SWR
Der neue TATORT aus Konstanz beginnt durchaus vielversprechend: die Leiche der 15-jährigen Nicole Ulmer wird in einem Walstück in der Nähe des Bodensees aufgefunden. Hauptkommissarin Klara Blum (Eva Mattes) und ihr Assistent Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) sind sich schon kurz nach ihrem Eintreffen am Tatort sicher, dass Fremdeinwirkung im Spiel war. Warum sonst sollte die Leiche fast vollständig von dichtem Laub bedeckt sein? Vom erschütterten Vater Klaus Ulmer (Michael Wenninger) erfahren die beiden Kommissare, dass Nicole in letzter Zeit für den gutaussehenden Holger Bucheck (Stephan Baumecker) schwärmte, bei dessen Familie sie sich regelmäßig als Babysitterin ein wenig Geld hinzuverdiente. Und tatsächlich scheint Bucheck von Nicole angehimmelt worden zu sein, beinahe eine ganze Wand in ihrem Zimmer ist mit Bildern von ihm beklebt und auch in ihrem Tagebuch finden sich zahlreiche Eintragungen über ihn.
Bild: SWR

Dunkle Familiengeheimnisse

Nicht nur Klaus, sondern auch seine Brüder Herbert (Rainer Piwek) und Peter Ulmer (Max Gertsch) sind überzeugt davon, dass Bucheck etwas mit Nicoles Tod zu tun hat. Herberts Tochter Jessica (Janina Stopper) hingegen, die beste Freundin von Nicole, weigert sich, Klara etwas über Bucheck oder Nicoles sonstige Freunde zu erzählen. Vor allem Perlmann ist über dieses Verhalten verwundert, schließlich müsste Jessica doch ein Interesse daran haben, dass der Mord an ihrer Cousine aufgeklärt wird. Was verheimlicht sie den Kommissaren? Im Laufe der weiteren Ermittlungen erfahren Klara Blum und Kai Perlmann, dass sich Holger Bucheck tatsächlich in der Nähe des Tatorts aufhielt. Ist er wirklich Nicoles Mörder? Während Blum und Perlmann gegen ihn ermitteln, verschwindet der Immobilienmakler spurlos. Klara Blum ist sich sicher, dass die Ulmer-Brüder etwas mit seinem Verschwinden zu tun haben. So stellt sie auch bei ihnen und ihren Familien genauere Nachforschungen an und stößt dabei - der geschulte TATORT-Zuschauer ahnt es bereits zu Beginn des Films - auf einige dunkle Familiengeheimnisse...

Bild: SWR

Die Plausibilität bleibt oftmals auf der Strecke

So vielversprechend der Film auch beginnt, so sehr enttäuscht er im weiteren Verlauf: zwar ist es Drehbuchautorin Susanne Schneider gelungen, eine über weite Strecken durchaus unterhaltsame und bisweilen auch spannende Geschichte zu konstruieren, die Plausibilität bleibt dabei jedoch oftmals auf der Strecke - und das bis hin zum fragwürdigen und makaberen Schluss-Gag. Gerade die letzte Viertelstunde darf man ohnehin als gänzlich misslungen bezeichnen. Nach den gemächlichen ersten 75 Minuten des Films überstürzen sich hier plötzlich ohne Sinn und Verstand die Ereignisse und man fragt sich, was das alles nun überhaupt soll.
Bild: SWR

Holzschnittartige Figuren

Auch die Regie von Jürgen Bretzinger kann hier nicht mehr allzu viel retten. Wie auch schon bei seinem letzten Bodensee-TATORT "Gebrochene Herzen", der im Juli 2006 erstgesendet wurde, hat er zwar auch in "Blutsbande" mit seinem Kameramann Georg Steinweh wieder viel sommerliche Bodensee-Atmosphäre eingefangen (gedreht wurde im Juli und August 2006), ansonsten kommt seine Inszenierung aber doch recht betulich und routiniert, teilweise vielleicht sogar etwas uninspiriert daher. Große Überraschungen bleiben jedenfalls aus und selbst der Showdown, bei dem noch einmal das volle Action-Programm aufgefahren wird, lässt einen gleichgültig und teilnahmslos vor dem Fernseher sitzen. Und genauso geht es einem auch über weite Strecken mit dem Schauspielerensemble: obwohl an dessen Spiel oberflächlich nichts auszusetzen ist, bleiben die einzelnen Figuren recht holzschnittartig; man kann ihnen ihre Gefühle nicht abnehmen und folgt desinteressiert ihren Handlungen. Ein bisschen mehr Sorgfalt beim Zeichnen der Figuren hätte sicherlich nicht geschadet, wenngleich man lobend hervorheben kann, dass Susanne Schneider ihren Protagonisten typische Bodensee-Berufe gegeben hat - die Ulmer-Brüder arbeiten als Fischer, Schnapsbrenner und Gastwirt. Das schafft zusätzliches Lokalkolorit, kann den Krimi aber letztendlich auch nicht retten

Bild: SWR

Einer der wenigen Lichtblicke: Dana Golombek

Als einen der wenigen Lichtblicke des Films darf man ohne Zweifel Dana Golombek bezeichnen, die bereits im vorangegangen Bodensee-TATORT "Engel der Nacht" (ebenfalls aus der Feder von Susanne Schneider) zu sehen war und die auch dieses Mal Kai Perlmann wieder gehörig den Kopf verdreht. Eigentlich schade, dass dieser Figur - zumindest nach derzeitigem Stand - nur ein kurzes Gastspiel im Konstanzer TATORT gewährt wurde und in Zukunft wieder in der Versenkung verschwinden wird. Ist sie es doch, die in diesem TATORT mit ihren kurzen Auftritten und ihrer Präsenz für die wenigen starken Momente sorgt.

Unterm Strich ist dieser neue Bodensee-TATORT trotz einiger durchaus guter Ansätze also leider vor allem eins: enttäuschend. Und dass dieser Konstanz-TATORT ausgerechnet am letzten Tag der Sommerferien in Baden-Württemberg ausgestrahlt wird, ist doppelt ärgerlich. Andererseits: schlimmer als dieser TATORT kann der Wiedereinstieg in den Schul- und Berufsalltag dann auch wieder nicht werden.

Christian Rohm


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