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Heute ist der: 13.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Radio Bremen dreht einen neuen Lürsen-TATORT

In Bremen wird seit ein paar Tagen ein neuer TATORT mit Sabine Postel und Oliver Mommsen gedreht. ?Strahlende Zukunft? wird im Spätsommer dieses Jahres zum 10-jährigen TATORT-Jubiläum von Hauptkommissarin Inga Lürsen in der ARD zu sehen sein. Im Mittelpunkt stand am Freitag mit einem Sprung vom Dach der Bremer Bürgerschaft ein spektakulärer Stunt.

Der neue Bremer TATORT hat es in sich: Eine kurz zuvor aus der Psychiatrie entlassene Frau überfährt einen Richter. Dann klettert sie aufs Dach des Gerichtsgebäudes, um sich von dort in selbstmörderischer Absicht in die Tiefe zu stürzen. Sandra Vegener, dargestellt von Inka Friedrich, hatte einen erbitterten Kampf gegen ein Mobilfunkunternehmen geführt, dem sie vorwirft durch die Strahlung von Mobilfunkmasten den Leukämie-Tod ihrer Tochter verschuldet zu haben. Daraufhin hatte sie der zuständige Staatsanwalt, der Richter und der Psychiater als psychisch krank eingestuft.

TATORT-Dreharbeiten auf dem Gebäude der Bremer Bürgerschaft. Links: Der Bremer Dom.

Bürgerschaft wird umfunktioniert

Fast vier Stunden lang wird an diesem Nachmittag auf dem Dach der Bremer Bürgerschaft gedreht. Extra für die Dreharbeiten wurde das Gebäude zum Oberlandesgericht umfunktioniert. Draußen hängt sogar ein entsprechendes Schild, über das sich der eine oder andere Bremer, der geglaubt hatte, die bekannten Gebäude der Stadt sicher zuordnen zu können, im Vorbeigehen wundert. Auf den gewagten Sprung in die Tiefe müssen die zahlreichen Schaulustigen, die sich auf dem Markplatz versammelt haben und von dort das Geschehen beobachten, jedoch warten, bis es fast schon dunkel wird.

Zunächst werden einige andere Szenen gedreht. Auch Sabine Postel, die ? wie sie selbst sagt ? an akuter Höhenangst leidet, muss aufs Dach. Denn Inga Lürsen versucht noch, die Frau vom Selbstmord abzuhalten. Sie schafft es nicht ? und wird fortan von Schuldgefühlen geplagt.

Lürsen in Sinnkrise

Dass sie den Selbstmord der Frau nicht verhindern konnte, stürzt Inga Lürsen in eine Sinnkrise. Nun will sie den Ruf der Frau rehabilitieren. Sabine Postel - seit 1997 in der Rolle der Kommissarin zu sehen - gefällt der Bremer TATORT nach wie vor. ?Immer wieder kratzen wir aktuelle politische und soziale Themen und nicht nur private Probleme an?, sagt sie. ?Das finde ich einfach toll?. Die Strahlung der Mobilfunkmasten sei ein Thema, das man auch im wirklichen Leben nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Ein Kran fährt das Podest, auf das Inka Friedrich vom Dach springen soll, in die Höhe.

Es ist keine leichte Aufgabe für Lürsen und ihren Kollegen Stedefreund, die immer tiefer in ein dichtes Geflecht aus Geheimnissen und Intrigen geraten. Zugleich bekommen sie es mit Sandra Vegeners erwachsenem Sohn Daniel zu tun, der daran glaubt, dass seine Mutter in ihren Vermutungen Recht hatte und schließlich mit Ingas Dienstwaffe verschwindet, um sich am Staatsanwalt und dem Psychiater zu rächen. Im Weser-Kurier sagt der Nachwuchsschauspieler Constantin von Jascheroff (20), der den jungen Mann spielt: ?Ich mag solche extremen Rollen, die weit weg von mir selbst sind?.

?Einfach runter gesprungen?

Inka Friedrich muss den Sprung vom Dach nur anspielen. Sie springt etwa zwei Meter tief in ein mit einem Kran in Position gebrachtes Podest. Den Haupt-Act übernimmt schließlich eine Stunt-Frau. ?Fliegen ist schöner? sagt die 38-jährige Babette Schimanek auf die Frage, was für ein Gefühl es sei, sich aus 16 Metern Höhe in die Tiefe zu stürzen. Selbst für die erfahrene Schimanek, die schon in verschiedenen TATORT-Folgen und in Produktionen wie ?Wolffs Revier? oder ?Hinter Gittern? mitgewirkt hat, ist dieser Stunt etwas Besonders. Zuletzt hatte sie in Afrika in einem TV-Film Iris Berben gedoubelt.

Im Endeffekt ist es für sie jedoch ein Arbeitstag, der in erster Linie aus Professionalität und Routine besteht. ?Ich hab mich aufgewärmt und bin dann einfach da runter gesprungen?, erklärt sie und wirkt dabei tatsächlich ausgesprochen unaufgeregt. Beim riskanten Sprung verlässt sie sich voll und ganz auf das Filmteam: ?Die passen alle verdammt gut auf, dass mir nichts passiert.? Die gefährliche Szene war mit aller Genauigkeit vorbereitet worden, bevor sich die mutige Stunt-Frau in die Tiefe stürzte und auf den Pappkartons landete, die in etwa drei Metern Höhe als Landefläche aufgebaut worden waren. Vor dem finalen Sprung waren sie von einer heftigen Sturmböe noch weggeweht worden.

Die Film-Leiche in ihrer Blutlache.

Lachende Leiche

Auch für die Leiche ist noch nicht Feierabend. Obwohl die Szenen, in der der tote Richter vor dem Gebäude am Boden liegt, bereits am Morgen abgedreht wurden, muss sich der Komparse Stefan Schneider für ein Filmteam der RB-Nachrichtensendung buten un binnen noch einmal auf den kalten, nassen Boden in die schnell wieder hervorgezauberte Blutlache legen. Wie man sich als Leiche fühlt, will ich wissen. ?Normal? sagt er und lacht. Als gäbe es nichts Normaleres auf dieser Welt als blutüberströmt (auch wenn es natürlich Filmblut war) auf dem Bremer Markplatz zu liegen und als Fotoobjekt von Passanten zu dienen, die mit großem Interesse die Dreharbeiten verfolgen und mit ihren Digitalkameras und Fotohandys den Drehtag dokumentieren.

Aufmerksame Politiker

Im Parlamentsgebäude selbst wird in den nächsten Tagen fast eine Woche lang gedreht. Bürgerschaftspräsident Christian Weber, der sogar zeitweise sein Büro für die TATORT-Crew räumt, freut sich auf die Dreharbeiten. Laut RB-Pressesprecher Michael Glöckner, der gemeinsam mit Redaktionsassistentin Inga Redzus die Pressevertreter betreut, war es kein Problem, die Politiker für die TATORT-Dreharbeiten zu begeistern. ?Sieht man ja auch daran, dass man dort mit dem Verschicken von Pressemitteilungen ziemlich schnell gewesen ist? sagt er augenzwinkernd.

Stunt-Frau Babette Schimanek: "Einfach runter gesprungen".

Das große Interesse der Parlamentarier ist auch an diesem Drehtag gut zu beobachten, die mit großen Augen aus den Glasfenstern des Gebäudes schauen, während nebenan der Bremer Dom in der Nachmittagssonne glänzt. ?So aufmerksam wie heute sind die wohl selten?, meint ein Passant, bevor er sich lachend unter die Komparsen mischt, die den Selbstmord mit bestürzten Blicken und schockierten Schreien von unten aus beobachten sollen. ?Bitte kein Applaus, das würde die Szene beschädigen?, bittet Günther Ruckdeschel, der Regieassistent per Mikrofon. Schließlich wird die Szene nur ein einziges Mal gedreht. Normalerweise gibt es immer eine ganze Reihe von Takes. Doch hier muss gleich beim ersten Mal alles stimmen.

Sportlich war Stunt-Frau Babette Schimanek, die eher zufällig zum Film gekommen ist, schon immer. Ihren Bewegungsdrang kann sie in ihrem nicht ungewöhnlichen Beruf immer wieder auf andere Weise ausleben. ?Ich bin ständig an verschiedenen Orten, lerne ständig neue Leute kennen. Die Abwechslung ist der Reiz an diesem Beruf?. Ob es für sie einen Traum-Stunt gibt? ?Einmal aus einem Helikopter zu springen oder mich daran zu hängen.? Und das ist so ziemlich die einzige Sache, die sie in ihrer erlebnisreichen Karriere als Stunt-Frau noch nicht gemacht hat.

Sendung im Spätsommer

Gedreht wird der 17. Lürsen-TATORT von der Bremedia im Auftrag von Radio Bremen und dem WDR, der diesen TATORT erneut koproduziert, noch bis zum 28. März in Bremen und Umgebung. Die Ausstrahlung des Jubiläums-TATORTs ist für den Spätsommer geplant.


Tobias Goltz / 2. März 2007


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