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Heute ist der: 13.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

??überhaupt keine Science Fiction, auch wenn es sich erstmal so anhört.?

Interview mit dem Regisseur Mark Schlichter

Herr Schlichter, die Thematik von ?Strahlende Zukunft? ist doch pure Science Fiction. Strahlenwaffen und ähnliches, ist das nicht etwas abgehoben?
Überhaupt nicht. Strahlenwaffen sind Realität, und deutsche Waffenhersteller sind an der Entwicklung beteiligt. Die in unserem Film beschriebene ?Kofferlösung? ist keine gesponnene Erfindung des Autors, sondern eine real existierende Waffe.
Mit diesem ?praktischen Gerät? kann man z. B. bei einer Entführungen die Autoelektronik der Geiselnehmer komplett ausschalten und die Kommunikationswege der ?Bösen? kappen. Also überhaupt keine Science Fiction, auch wenn es sich erstmal so anhört.

Was war denn Ihr erster Gedanke als Sie das Drehbuch gelesen haben?
Eine Science Fiction. (lacht?) Mir ging es genauso wie Ulrich Noethen und einigen anderen. Wir haben alle anfangs gedacht, dass es so etwas nicht gibt. Nachdem ich dann mal ein wenig im Internet recherchiert habe, habe ich gestaunt, was es alles in Richtung Strahlenwaffen oder Mikrowellenterror gibt. Zum Thema ?Krebs durch Handystrahlung? gibt es regelmäßig alle zwei, drei Monate irgendwelche Schreckensmeldungen. Vor Kurzem gab es eine Meldung aus einem Dorf in der Nähe von Cuxhaven, wo die Leute in der Nähe eines großen Sendemastes der Bundeswehr wohnen und die Krebsrate fünfmal so hoch ist wie in allen anderen ländlichen Regionen. Oder die letzte schwedische Untersuchung über den Zusammenhang von Handystrahlung und Krebs, auf die die Süddeutsche sehr besorgt und der Spiegel daraufhin sehr belustigt reagierte. Aber solange im Spiegel steht: ??dass die Harmlosigkeit der Funktechnik so gut wie gesichert ist? und ein Wissenschaftler in der Tagesschau sagt, das das Leben mit Handys und Mobilfunkmasten überhaupt nicht gefährlich ist, man aber den Handybenutzern trotzdem rät, das Handy nicht zu lange an einem Ohr zu halten und es nachts nicht eingeschaltet lassen soll, hört sich das alles für mich gar nicht harmlos an. Nur die Zeit wird wirklich zeigen, ob der immer stärker werdende Elektrosmog, in dem wir leben, tatsächlich vollkommen unbedenklich ist.

Sie haben versucht, diese Thematik auch in die Bildsprache umzusetzen; man hört Störgeräusche, das Bild wackelt. Können Sie einmal beschreiben, was Sie dort ausprobiert haben?
Wir haben versucht, dass Thema Strahlen, also etwas Unsichtbares, zu visualisieren, es etwas sichtbar, erahnbar zu machen. Wir haben mehrere Möglichkeiten besprochen, die für den Einstieg denkbar wären, wenn Leute mit Handys telefonieren. In einem Science-Fiction-Film würde man wahrscheinlich in irgendwelche Leitungen oder Strahlenformen hineinkrabbeln und das digital sehr aufwendig gestalten. Bei uns läuft das relativ einfach zwischen Sendemasten und zwischen den Leuten, die telefonieren. Wir haben an manchen Stellen versucht, die Strahlungen wie heiße Luft durch einen kleinen Effekt ein bisschen erahnbar zu machen.

Trotzdem ist es auch ein klassischer Who-done-it. Ist es schwer, das dann von diesem Thema zu lösen oder vielmehr beides miteinander zu verbinden? Wie lenken Sie als Regisseur den Fokus auch auf die Gestaltung des Krimis?
Das ist eigentlich die hohe Kunst des Autors. Er gibt das im Prinzip vor, und ich finde, das hat Christian Jeltsch ganz toll gemacht. Ich habe beim ersten Lesen schnell gemerkt, dass hier eine wirklich ungewöhnlich spannende Geschichte vorliegt. Christian Jeltsch hat die Handlungsstränge immer weiter miteinander verbunden und immer mehr Informationen zusammengebracht. Der Regisseur muss dann eigentlich nur noch die Spannung aufrechterhalten.

Kommen wir einmal zu den Bildern. Ich habe mich gefragt, wie Sie diesen tollen Sonnenaufgang gleich zu Beginn hinbekommen haben. Ngo the Chau ist ja ein ganz toller Kameramann. Auch preisgekrönt. Haben Sie vorher schon einmal zusammen gearbeitet?
Es wäre vorher schon zwei-, dreimal fast dazu gekommen, denn der Kameramann Ngo the Chau wurde mir empfohlen. Ich hatte schon öfter von Chau gehört, gerade nachdem er den Michael-Ballhaus-Förderpreis gewonnen hat und für den Tatort ?Scheherazade? mit Preisen überschüttet wurde. Er hatte zudem auch schon von mir gehört ? wir kommen aus derselben Filmakademie, aus der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Die Redakteurin Annette Strelow hat ebenfalls eine Zusammenarbeit angeregt. Dann trafen wir uns und haben uns gleich gut verstanden. Es hat einfach Spaß gemacht, mit ihm zusammen zu arbeiten. Aber nun zu der Sonne: die war einfach da. Ngo the Chau hat einfach sekundengenau den richtigen Moment eingefangen.

Das ist für Sie der erste Bremer Tatort. Sabine Postel hat gerade 10-jähriges Dienstjubiläum. Wie ist das, wenn man als Regisseur neu in ein eingespieltes Kommissaren-Duo hinein kommt ? will man da etwas verändern?
Jein. Auf der einen Seite ist das toll, weil man sich sozusagen in ein gemachtes Nest setzen kann. Das hat Vor- und Nachteile, mir ist das bei Schimanski auch schon einmal so gegangen. Da hat Götz George mir auch lachend auf die Schulter geklopft, als ich ihm irgendetwas über den Schimanski erklären wollte. Der hat auch gesagt: ?Du, den kenn ich jetzt seit 20 Jahren, du brauchst mir jetzt nicht erklären, wie der tickt.? Da gibt es dann einfach Dinge, die eingespielt sind. Ein Vorteil ist natürlich, dass man nicht immer wieder alles erklären muss. Hier sind Sachen einfach im positiven Sinne eingespielt. Was ich sowohl bei Sabine Postel als auch bei Oliver Mommsen toll finde, ist, dass beide eine große Neugier haben und die Bereitschaft, auch einmal alles komplett anders zu machen. Zwischendurch haben wir versucht, ein paar Sachen immer mal wieder anders zu machen, z.B. Spielweisen, wie man miteinander umgeht ? Kleinigkeiten, die sich dem Zuschauer wahrscheinlich gar nicht erschließen. Für das Team war es sicher teilweise auch ungewohnt, mit mir zu arbeiten, aber es war eine gute Zusammenarbeit. Es ist ein Profi-Team, durch und durch.

Sie haben auch einige Kollegen in das Team geholt, wie zum Beispiel Ann-Kathrin Kramer und Ulrich Noethen. War das Ihr Bestreben, die dabei zuhaben?
Ich glaube, dass viele Regisseure immer bestrebt sind, eine Art von Familie um sich zu haben. Die Kommunikation ist leichter und schneller, wenn man sich gut kennt. Wenn ich einen Schauspieler nicht kenne und mit ihm z. B. über die Rolle des Staatsanwalts spreche, kann das unter Umständen ein sehr langes und mühsames Gespräch werden. Ulrich Noethen hat bei mir schon einmal einen Staatsanwalt gespielt, deshalb dachte ich mir, prima, dem muss ich das nicht erklären! Nein! Das war ein Witz! Der Grund war ein anderer: er ist ein grandioser Schauspieler. Einer der besten, die ich kenne. Und einer, bei dem man sich nie den Mund fusselig reden muss. Bei Ann-Kathrin Kramer war es ganz ähnlich. Man versteht sich einfach schnell über ein paar Überschriften. Das verschnellert eben Vieles und bringt dabei viel Freude. Je mehr Leute man in einem Filmteam kennt, desto sicherer fühlt man sich.


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