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Heute ist der: 25.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Gartenzwergs vs. Hempels

taz-Kritiker Christian Buss fokussiert sich auf "die wichtigste Leistungsträgerin der prekären Gesellschaft", die im TATORT zum Einsatz kommt: die Praktikantin.

In diesem Fall handelt es sich um Jurastudentin Viktoria, die alles besser weiß und deren ehrgeizige Betriebsamkeit die beiden Hauptermittler Odenthal und Kopper wie Schlafmützen wirken lässt. Die junge Frau mit dem brachialen Berufseinstiegswillen ist nur eine unsympathische Person mehr in einem Mörderrätsel, in dem sich keiner der Verdächtigen bemüht, besonders liebenswert zu erscheinen.

Eine unerhört leichte Note hat Regisseur Lars Montag in diese Ludwigshafener Episode gebracht. Wie ein Agatha-Christie-Krimi in der Saumagen-Variante: Das Hotel mit seinem Frühsiebziger-Muff und seiner in Stein gemeißelten pfälzischen Speisekarte wird zum Haupthandlungsort, an dem persönliche Begehrlichkeiten, familiäre Absonderlichkeiten und erbrechtliche Eigenheiten aufeinandertreffen. Für die juristischen Aspekte steht Odenthal und Kopper aber nun ja Viktoria zur Seite, die Wuchtbrumme im Hosenanzug und mit Handy-Knopf im Ohr. Die Figur sollte unbedingt zum festen Personal aufsteigen. Ihr beruflicher Status ist dabei kein Problem: Sie wäre nicht die erste ewige Praktikantin

 

Erfolg mit komödiantischen Krimis war bisher nur den Münster-TATORTen beschieden, nun soll es auch in Ludwigshafen gelingen, scheint im dpa-Artikel durch, der u.a. von der Lausitzer Rundschau übernommen wurde.

 Im Ludwigshafener «Tatort» sorgte bislang dagegen nur der verknitterte Kollege von Lena Odenthal, Mario Kopper (Andreas Hoppe), für ein Schmunzeln beim Zuschauer. Das dürfte ihm auch dieses Mal wieder gelingen, denn er muss sich als verdeckter Ermittler in der Küche des Hotels mit völlig neuen Aufgaben herumschlagen. «Wenn ich mich recht erinnere, war ich vor meinem Urlaub Kriminalhauptkommissar und nicht Koch», kommentiert Kopper selbst.

Die «Tatort»-erfahrene Drehbuchautorin Schön und Regisseur Lars Montag, der auf Krimis und Komödien spezialisiert ist, haben gemeinsam mit den Schauspielern Ulrike Folkerts und Mario Hoppe einen facettenreichen ARD-Krimi geschaffen, der die Prise Witz gut verträgt. Tragisch-humoristisch ist dabei nicht nur der Titel - «Sterben für die Erben» -, sondern auch der erbitterte Erbstreit der Geschwister Grimm.

Dieser TATORT aus Ludwigshafen ist für Judith von Sternburg "eine prächtig abscheuliche Familiengeschichte". In der Frankfurter Rundschau schreibt sie:

Elegant balanciert "Sterben für die Erben" zwischen Groteske und Graus. Was der alte Grimm für ein Typ gewesen sei, fragt Lena Odenthal den ernsten indischen Hoteldiener. "Schauen Sie seine Kinder an", sagt der ernste indische Hoteldiener.

Für die Zuschauer aber entsteht ein Vergnügen zum Mitraten, vor allem aber mit schönen Seitensträngen (diese Frau Müller zum Beispiel, die die Mordnacht aus gutem Grund inkognito im Hotel verbrachte), mit einem Kopper (Andreas Hoppe), der sich im Urlaub einen gepflegten Vollbart hat wachsen lassen, mit einer wie immer vernünftigen Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts) und mit einer Praktikantin (Claudia Fritzsche), die uns unangenehm bekannt vorkam. Kurzum gab es lange keinen so gut besetzten Tatort mehr, der zudem mit seiner eigenen Überspanntheit so reizvoll fertig wurde.

Das Ende: hm. Das Doofe am Sommer: dass sonntags andauernd Wiederholungen laufen.

Gudrun Sokol ist vom Ende des Films eher begeistert .  In der Bietigheimer Zeitung vom 30.6 oder bei HZ-Online schreibt sie:

"Sterben für die Erben" ist mehr Gesellschaftskomödie als Krimi mit gnadenlos überzeichneten Charakteren. Abgesehen vom charakterfesten Ermittlerduo hat nur einer der Darsteller keinen Vogel: der Papagei des Verstorbenen. Dem hat der Hausherr zwar mehr Respekt entgegengebracht, als jedem seiner Mitmenschen, doch das Tier überlebt den Fall trotzdem nicht. Dennoch: Das Ende ist tierisch gut.

Sehr ernst genommen hat den TATORT Frank Kober. Der Film sei eine traurige Lektion vom Verfall der Moral, schreibt er in der Märkischen Allgemeinen.

Naja, wir haben schon einfallsreichere Geschichten erlebt. Und natürlich klärt sich auch dieser Fall irgendwie, wenn auch mit einer dicken Überraschung. Aber sei?s drum. Dorothee Schön (Buch) und Lars Montag (Regie) setzen gar nicht so sehr auf eine kryptische Mörderjagd, sondern eher auf ein kontrastreiches Sittengemälde mit exakt gezeichneten Figuren. Und das gelingt ihnen wunderbar.

Genüsslich zelebrieren sie, wie sich die Familienmitglieder gegenseitig beharken, wie sie sich immer tiefer in den Schlamassel aus verkorksten Biografien und hochfliegenden Lebensträumen reiten. So wird der Kampf ums Erbe zu einer bitteren Lektion über den morali-schen Verfall unserer Zeit. Einer Zeit, in der Habgier, Lug und Trug offenbar zu jenen Triebkräften zählen, die zwischenmenschliche Beziehungen überhaupt erst ermöglichen. Selbst in einer Familie.

Ulrike Folkerts, taufrische Bundesverdienstorden-Trägerin (für ihre Ehrenämter) hält sich angesichts der Fiesling-Parade diesmal zurück. Ein nobler Kunstgriff der Dramaturgie. Bleibt so doch der Blick frei für die Botschaft dieses Krimis: Wenn schon Sterben, dann ohne Erben. Es gibt keinen Frieden nach dem Tod.



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