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Heute ist der: 21.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Filmkritik

Ran an's Erbe! - Im neuen TATORT wollen alle nur das eine

Nach dem Tod des Seniorchefs eines Ludwigshafener Hotels muss sich Lena Odenthal in ihrem neuesten TATORT-Fall nicht nur mit drei zanksüchtigen Geschwistern, sondern auch mit einer Praktikantin herumschlagen.

"Isch verbind Sieeeeeee" - Heike Martinek bestellt beim Beerdigungsunternehmer einen möglichst billigen Sarg und eine möglichst protzige Traueranzeige. Bild: © SWR/Krause-Burberg
Es darf bezweifelt werden, ob man sich als Gast in diesem Hotel wohlfühlen würde - erst recht, wenn man wüsste, was dort hinter den Kulissen vor sich geht. Im Hotelrestaurant kommt ausnahmslos Fertigkost aus der Tiefkühltruhe auf den Tisch, die Küchenhilfe trinkt während der Dienstzeit Wodka und betätigt sich nebenberuflich als Erpresserin, der Seniorchef gibt den Patriarchen und drangsaliert sein Personal wo es nur geht. Ja, es ist unübersehbar, dass das "Hotel Pfalzkrone" in Ludwigshafen seine besten Zeiten längst hinter sich hat. Kein Wunder, schließlich verhindert Seniorchef Karl Grimm (Traugott Buhre) vehement, dass irgendetwas am Althergebrachten verändert wird - und das obwohl er seinen Chefposten bereits vor einigen Jahren offiziell an seine Tochter Pia (Naomi Krauss) abgegeben hat.
"Platz, Mucki!". Kaum ist der Vater tot, eilen Walter und Walburga Grimm herbei um gegenüber Walters Schwester Pia ihre Erbansprüche zu äußern. © SWR/Krause-Burberg

Das Süppchen bringt alles ins Rollen

Eines Tages kommt es zwischen Grimm und Pia erneut zu einer heftigen Auseinandersetzung, eine kalte Suppe im Hotelrestaurant ist der Auslöser dafür. Am nächsten Morgen liegt Grimm tot im Foyer. Viele Spuren deuten auf Mord und so nimmt die Mordkommission ihre Ermittlungen auf. Beinahe zeitgleich mit Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) treffen bereits Pias Geschwister ein, um sich als Erben ins rechte Licht zu rücken. Karl Grimm, von seinen drei Kindern Heike (Karla Trippel), Walter (Josef Ostendorf) und Pia notorisch enttäuscht, hatte Pia das Hotel nach dem entgültigen Bruch mit den beiden Älteren als Schenkung zugeeignet. Genau neun Jahre und elf Monate ist das nun her. Aus der Sicht von Pia Grimm ist das genau ein Monat zu wenig, denn erst nach zehn Jahren zählt eine Schenkung offiziell nicht mehr zum Erbe. Nun tauchen Heike und Walter wieder auf der Bildfläche auf und fordern ohne große Umschweife ihren Anteil. Lena Odenthal präsentieren sie damit ein astreines Mordmotiv, denn womöglich wollte einer von ihnen kurz vor Ende der Frist die Rechtsgültigkeit der Schenkung an Pia doch noch verhindern.
Nee, is klar: Im Geheimen ist Praktikantin Viktoria Merz davon überzeugt, dass Lena Odenthal ohne sie bei diesem Fall überhaupt nicht vorwärts käme. Bild: © SWR/Krause-Burberg

Erbitterte Auseinandersetzungen um das Erbe

Durch einen Zufall kann sich Lenas Assistent Kopper (dieses Mal mit Bart: Andreas Hoppe) als Küchenhilfe ins Hotel einschleusen und dort eigene Nachforschungen anstellen. Er bekommt dabei hautnah zu spüren, wie sehr sich Grimms Kinder gegenseitig hassen und alles daran setzen, dem jeweils anderen das Leben mit Intrigen und kleinen Gemeinheiten so schwierig wie möglich zu machen. Von Trauer über das Ableben des Vaters kann jedenfalls nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil, vielmehr beginnen erbitterte Auseinandersetzungen um das Erbe. Auf ihre Frage, ob denn eigentlich niemand Karl Grimm vermisse, erntet Lena Odenthal nur verständnislose Blicke.
Während Kopper undercover im Hotel ermittelt und dort auch Pia Grimms Sohn Jonas (Maximilian Mauff) kennenlernt, der im Hotel eine Lehre absolviert, schlägt sich Lena nicht nur mit den streitsüchtigen Grimms, sondern auch mit einer Praktikantin herum. Die Jura-Studentin Viktoria Merz (Claudia Fritzsche) ist ihr bei den eigentlichen Ermittlungen zwar keine allzu große Hilfe, kann ihr jedoch wichtige Informationen in Sachen Erbrecht liefern.

Von Trauer kann nicht die Rede sein

Ivanka trauert ihrem Ex-Chef keine Sekunde hinterher und das macht sie Kopper auch deutlich. Genauso wie ihre Bewunderung für sein Tiramisu. © SWR/Krause-Burberg
Im Verhör scheuen die Geschwister Heike, Pia und Walter derweil nicht davor zurück, sich gegenseitig anzuschwärzen, um sich Vorteile in Bezug auf das Erbe zu verschaffen. Von Trauer ist nach wie vor nichts zu spüren: Walter schustert die Schleife für den Trauerkranz aus Restposten seiner Gärtnerei zusammen ("die müssen schließlich auch mal weg"), Pia verscherbelt die teuren Gemälde vom Hotelflur in einer Nacht-und-Nebel-Aktion im Internet und Heike entscheidet sich bei der Auswahl des Sarges selbstredend für das günstigste Modell. Und auch der von Pia organisierte Leichenschmaus soll freilich ganz nach den Vorstellungen der Geschwister ausfallen, billig und scharf soll das Essen sein. "Billiges Essen hasst meine Schwester, scharfe Sachen mag mein Bruder nicht", erfährt Kopper.
Jonas trifft zum erstenmal seit Jahren seine Verwandten seine Onkel und Tanten Theo, Walburga, Walter und Heike wieder. Er findet deren Benehmen aber so unerfreulich, dass er sie am liebsten noch nicht einmal begrüßen will. © SWR/Krause-Burberg

Ein außergewöhnlicher TATORT, der positiv aus dem Rahmen fällt

Dorothee Schön (Buch) und Lars Montag (Regie) ist mit Sterben für die Erben ein außergewöhnlicher TATORT gelungen, der auf positive Weise aus dem Rahmen fällt und mit seinen überzeichneten Figuren und wohldosiert eingesetzten Pointen über neunzig Minuten hinweg kurzweilige Unterhaltung bietet. Dorothee Schön kann mit diesem TATORT zudem einmal mehr unter Beweis stellen, dass sie nicht nur eine der begabtesten, sondern auch eine der vielseitigsten deutschen Krimiautorinnen ist, nun wagte sie sich erstmals an eine Krimikomödie. Und auch dieses Genre scheint ihr hervorragend zu liegen. Auch ansonsten könnte Sterben für die Erben möglicherweise als Kult-TATORT in die Geschichte eingehen, dafür sorgt auch die gesamte Besetzung mit ihrer große Spielfreude. Unbedingt ansehen!

Christian Rohm


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